eco - Verband der deutschen Internetwirtschaft e.V.

04/23/2026 | Press release | Distributed by Public on 04/23/2026 05:27

Ein Jahr Schwarz-Rot: Schlechte Noten für deutsche Digitalpolitik

  • eco Umfrage: 22,5 % bewerten mit "mangelhaft", 29,4 % mit "ungenügend"
  • Bürokratie und regulatorische Komplexität sind mit Abstand größte Innovationshemmnisse für Wirtschaft
  • eco Zwischenbilanz zeigt: Von 22 bewerteten Vorhaben erhalten 6 grünes Licht, jeweils 8 werden mit Gelb und Rot bewertet

Knapp ein Jahr nach Amtsantritt der Bundesregierung zieht eco - Verband der Internetwirtschaft e.V. mit dem eco Digitalpuls eine erste Zwischenbilanz der Digitalpolitik in Deutschland. Das Ergebnis zeigt: Trotz erster Fortschritte fehlt es der Digitalpolitik der Bundesregierung weiterhin an Durchschlagskraft - viele Maßnahmen bleiben im Ansatz stecken und entfalten noch nicht die notwendige Wirkung in der Breite.

Die eco Analyse bewertet zentrale digitalpolitische Vorhaben anhand eines Ampelsystems entlang von sechs Handlungsfeldern: Digitaler Staat, Cybersicherheit, KI-Standort Deutschland, das Ökosystem digitaler Infrastrukturen, Vertrauen ins Netz sowie die Bekämpfung illegaler Inhalte und Jugendmedienschutz.

Das Gesamtbild fällt durchwachsen aus: Von 22 bewerteten Vorhaben erhalten 6 grünes Licht, jeweils 8 werden vom Verband mit Gelb und Rot bewertet. Zwar wurden in vielen Bereichen Maßnahmen angestoßen - etwa beim Deutschland-Stack, bei digitalen Identitäten oder der Umsetzung europäischer Vorgaben. Insgesamt bleibt die Umsetzung vieler Koalitionsvorhaben jedoch vielfach hinter den eigenen Ambitionen zurück.

Branche stellt Digitalpolitik ein schlechtes Zeugnis aus

Auch die Einschätzung der IT-Branche fällt deutlich und kritisch aus. Im Rahmen des eco Branchenpuls, einer repräsentativen Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Civey unter IT-Entscheider:innen in Deutschland, bewertet eine Mehrheit die aktuelle Digitalpolitik negativ. Über die Hälfte der Befragten vergibt die Noten "mangelhaft" (22,5 %) oder "ungenügend" (29,4 %). Gute Bewertungen bleiben mit 5,2 % die klare Ausnahme. Auch die Auswirkungen auf die eigene Wettbewerbsfähigkeit werden von den Entscheider:innen überwiegend kritisch gesehen: 36,9 % bewerten sie negativ, nur 13,9 % positiv.

"Die Bundesregierung bleibt in der Digitalpolitik bislang zu oft im Ankündigungsmodus stecken - das spiegelt sich auch im Urteil der Branche wider. Wenn über die Hälfte der IT-Entscheider:innen die Politik mit 'mangelhaft' oder 'ungenügend' bewertet, ist das ein klarer Weckruf. Was es jetzt braucht, weniger Zuständigkeitswirrwarr und mehr Umsetzung: schnellere Genehmigungen, weniger Doppelregulierung und spürbare Entlastungen bei Bürokratie und Energiekosten. Wir als Internetwirtschaft stehen bereit, diesen Weg konstruktiv mitzugestalten - erwarten aber einen verbindlichen und lösungsorientierten Dialog."

Bürokratie bleibt mit Abstand größter Bremsfaktor

Die Ergebnisse des eco Branchenpuls unterstreichen die zentrale Rolle regulatorischer Hürden noch deutlicher: 74,9 Prozent der IT-Entscheider:innen sehen Bürokratie als größte Herausforderung der deutschen Digitalpolitik. Damit liegt dieser Faktor mit großem Abstand vor allen anderen Themenfeldern.

Auf den weiteren Plätzen folgen vor allem strukturelle und regulatorische Aspekte: IT-Sicherheit und Compliance (38,3 %), Stromkosten und Netzinfrastruktur (38,0 %) sowie Genehmigungs- und Planungsverfahren (36,0 %). Die Ergebnisse zeigen, dass neben Bürokratie insbesondere regulatorische Anforderungen und klassische Standortfaktoren als zentrale Belastungen wahrgenommen werden.

"Die größten Bremsfaktoren sind nicht technologischer Natur, sondern politisch-administrativ", so Süme. "Komplexe Verfahren, unklare Vorgaben, Doppelregulierungen und zu viel Bürokratie behindern Innovation und Investitionen derzeit massiv."

Klare Prioritäten, weniger Regulierung, mehr Vertrauen in die Branche

In der Gesamtbetrachtung ergibt sich nach einem Jahr Bundesregierung noch kein konsistentes Bild von innovationsfördernden Rahmenbedingungen für die Digitalbranche. Positive Ansätze sind vorhanden, werden jedoch von strukturellen Defiziten und immer neuen EU-Vorgaben oftmals überlagert oder sogar konterkariert.

"Deutschland als drittgrößte Volkswirtschaft der Welt hat das Potenzial, ein führender Digitalstandort zu sein - aber dafür braucht es jetzt klare politische Signale: weniger Doppelregulierung, mehr Vertrauen in die Innovationskraft der Digitalwirtschaft und spürbare Bürokratieentlastungen für Unternehmen ", betont Süme.

Hier alle Ergebnisse des eco Digitalpuls nachlesen: go.eco.de/Digitalpuls

Das Meinungsforschungsinstitut Civey hat für eco vom 20.03. bis 06.04.2026 online 500 IT-Entscheider:innen befragt. Die Ergebnisse sind aufgrund von Quotierungen und Gewichtungen repräsentativ unter Berücksichtigung des statistischen Fehlers von 9,6-10,6 Prozentpunkten beim jeweiligen Gesamtergebnis. Weitere Informationen zur Methodik finden Sie hier.

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