03/06/2026 | Press release | Distributed by Public on 03/06/2026 13:50
Laut Bundeskanzler Friedrich Merz ist und bleibt es Priorität der Bundesregierung, die Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Wirtschaft wieder vollumfänglich herzustellen.Das betonte er in seinem Statement zum Münchner Spitzengespräch der deutschen Wirtschaft.
Dort kommen jährlich die Repräsentanten der vier Spitzenverbände der deutschen Wirtschaft - , , und - anlässlich der Internationalen Handwerksmesse zusammen. Zuvor hatte sich der Bundeskanzler bei einem Rundgang auf der Messe über die aktuellen Entwicklungen im Handwerk informiert und sich mit Vertreterinnen und Vertretern der Branche ausgetauscht.
Das Wichtigste in Kürze:
Lesen Sie hier die Mitschrift der Pressekonferenz:
Beate Preuschoff:
Willkommen, liebe Kolleginnen und Kollegen, zur Pressekonferenz im Anschluss an das Spitzengespräch der deutschen Wirtschaft mit Bundeskanzler Friedrich Merz!
Herr Merz, wir freuen uns sehr, dass Sie nach Ihren Besuchen in den Machtzentren dieser Welt, in China und den , heute ins Zentrum der Wirtschaftsmacht von nebenan gekommen sind und uns hier auf der Handwerksmesse die Ehre Ihres Besuchs geben.
Mit auf dem Podium sind neben dem Bundeskanzler die Präsidenten der vier führenden deutschen Wirtschaftsverbände: , , und . Natürlich haben bei dem Spitzengespräch die Ereignisse vom vergangenen Wochenende eine Rolle gespielt. Doch den Vertreterinnen und Vertretern der Wirtschaft war es sehr wichtig, den Blick auch bewusst nach vorn zu richten und darauf, welche Hebel wir in Deutschland selbst in der Hand haben, um die Standortbedingungen zu verbessern.
Ob Sie hier übereinstimmende Handlungsnotwendigkeiten identifizieren konnten, darüber werden zunächst -Präsident Jörg Dittrich und anschließend Sie, Herr Bundeskanzler, berichten.
Doch zunächst geht das Wort an Herrn Dittrich.
Jörg Dittrich:
Meine Damen und Herren, herzlich willkommen zur Pressekonferenz! Der Bundeskanzler konnte sich gerade auf dem Messerundgang an wenigen Ständen auch von der Innovationskraft des Handwerks überzeugen. Wie mein Kollege Leibinger sagte: Es gibt das Ökosystem der deutschen Wirtschaft, das aus Industrie, Handwerk und Mittelstand besteht. Einen Sandspeicher haben wir gesehen, und wir haben gesehen, wie Solaranlagen gereinigt werden können. All das muss für die Zukunft geklärt werden. Wir haben auch einen Stand über die Ukraine gesehen, was die Gesundheitshandwerker dort leisten können.
Wir haben einen neuen Krieg in Nahost, im Iran. Natürlich wollen wir loben, was der Kanzler geopolitisch an Dingen macht, auch, was in der Regierung im letzten Jahr schon passiert ist. Wir müssen aber erkennen, dass es eine neue Normalität gibt, die Normalität der Krisen, die sich aneinanderreihen.
Das bedeutet, dass wir dort trotz aller Betroffenheit nicht stehen bleiben können, sondern dass der Reformdruck auf den Standort Deutschland noch einmal gestiegen ist. Wir müssen mehr Resilienz anstreben. Die Standortfaktoren müssen von uns so beeinflusst werden, dass ein selbsttragendes Wachstum entsteht, das nicht nur aus ausgefallenen Feiertagen oder aus den Schulden des Staates kommt.
Die Investitionen kommen momentan nicht so, wie wir in der Wirtschaft uns das wünschen. Ich höre in Handwerksbetrieben, die betroffen sind, je nach Branche unterschiedlich, immer den Satz: Die Hütte brennt an vielen Stellen.
Der Druck ist immens. Es ist nicht nur in der Industrie so, sondern auch im Mittelstand und im Handwerk. Wir haben Defizite in den sozialen Sicherungssystemen, wir brauchen mehr Netto vom Brutto in den Lohntüten der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. und / haben eine Mehrheit im Bundestag, sind sich aber offensichtlich manchmal nicht einig, welchen Weg man gehen sollte. Wir hatten heute Gespräche, und die Erwartung ist dem Bundeskanzler nicht neu. Er stellt sich dieser Erwartung, dass wir adäquate Reaktionen auf diese Krisen brauchen, um den Standort zu stärken und wieder ins Wachstum zu kommen.
Vielen Dank.
Bundeskanzler Friedrich Merz:
Lieber Herr Dittrich und Kollegen im Präsidentenamt von , und , ich freue mich sehr, dass ich Gelegenheit habe, in diesem Jahr die gute Tradition fortzusetzen, dass der Bundeskanzler nach München auf die Handwerksmesse kommt und zuvor auch das Gespräch mit den Spitzenverbänden der deutschen Wirtschaft führt. Herzlichen Dank für die Einladung nach München und herzlichen Dank auch für den Austausch, den wir miteinander hatten.
Wir treffen uns zu einem Zeitpunkt, zu dem sich die Weltlage noch einmal dramatisch verändert, insbesondere seit dem letzten Wochenende mit dem Krieg im Iran. Mit dieser Entwicklung und dem im Mittleren Osten ausgebrochenen Krieg hat sich diese Lage noch einmal drastisch verschärft. Ich will hier auch deutlich für die Bundesregierung sagen: Wir teilen die Ziele der Vereinigten Staaten von Amerika und auch des Staates Israel, die das iranische Nuklear- und Raketenprogramm genauso wie Teherans Bedrohung des Landes Israel und seiner Nachbarn, die Unterstützung von Terrorismus und der sogenannten Proxys in der Region betreffen.
Ich will auch deutlich sagen: Das iranische Volk hat das Recht, frei über sein Schicksal zu entscheiden. Mit zunehmender Dauer und auch mit weiteren Auswirkungen und der Ausweitung der Kampfhandlungen sehen wir aber auch wachsende Risiken. Diese Risiken betreffen die Sicherheit Israels und der gesamten Golfregion. Sie betreffen aber auch die Staatlichkeit und die territoriale Integrität Irans. Eine dauerhafte Fortführung dieses Krieges wäre nicht in unserem Interesse.
Gleiches gilt auch für den möglichen Zusammenbruch der iranischen Staatlichkeit oder auf dem iranischen Boden ausgetragener Stellvertreterkonflikte. Solche Szenarien können für Europa weitreichende Folgen haben, unter anderem für die Sicherheit, für die Energieversorgung und für die Migration.
Deshalb arbeiten wir mit unseren europäischen Partnern, aber auch mit den Partnern in der Region daran, eine gemeinsame Perspektive zur Beendigung dieser Kampfhandlungen zu formulieren und zu ihrer Umsetzung beizutragen.
Diese Überlegungen sind im Fluss. Sie orientieren sich zunächst an folgenden Parametern: Das Leitbild muss eine regionale Friedensordnung sein, die die Sicherheit und Existenz aller Staaten, einschließlich Israels und der Golfstaaten, gewährleistet. Der regionale Konflikt muss beendet werden. Ein politischer Prozess des Dialogs und der Vertrauensbildung in der Region muss nach dem Ende der Kampfhandlungen beginnen. Das militärische Nuklearprogramm sowie das ballistische Raketenprogramm Irans müssen überprüfbar beendet werden. Es muss sichergestellt werden, dass Nuklearmaterial aus Iran nicht an nichtstaatliche Akteure oder Drittstaaten gelangt. Iran muss die Unterstützung von Terrornetzwerken und Proxys einstellen.
Auch das will ich bei dieser Gelegenheit hier noch einmal betonen: Die territoriale Integrität des Iran muss gewahrt bleiben. Iran darf nicht zum Schauplatz von Stellvertreterkriegen werden, und der iranische Staat als solches muss funktionsfähig bleiben. Öffentliche Ordnung und Grundversorgung müssen aufrechterhalten werden. Wir wollen auch unkontrollierte Migrationsbewegungen aus Iran verhindern.
Meine Damen und Herren, bis es so weit ist, bedeutet der Konflikt aber zunächst einmal eine weitere Herausforderung für die Konjunktur und auch für die Wirtschaft in Deutschland und in Europa. Wir haben uns heute auch über dieses Thema, Herr Dittrich, ausgetauscht. Wenn der Konflikt zeitlich begrenzt bleibt, dürften sich die Auswirkungen in Grenzen halten. Aber es sind gewaltige Herausforderungen, die auch unabhängig davon vor uns stehen, vor denen Politik und Wirtschaft in Deutschland und Europa heute stehen.
Ich sage trotzdem zuversichtlich: Wir haben die Chance, diese Herausforderungen gemeinsam zu bestehen. Ich will dabei auch auf das Positive blicken, das wir schon erreicht haben. Es gibt gute Nachrichten zu Beginn des Jahres 2026, auch für die deutsche Wirtschaft.
Die Freihandelsabkommen mit den südamerikanischen -Staaten sind in Kraft; mit Indien sind sie abgeschlossen und auf dem Weg, in Kraft gesetzt zu werden. Wir werden weiter Handelsabkommen mit Mexiko, Indonesien und Australien auf den Weg bringen. Das zeugt von einer neuen europäischen Entschlossenheit, auch strategische Partner auf der Welt zu suchen und neue Geschäftsmöglichkeiten für Mittelstand, Handwerk und Industrie zu eröffnen.
Sie haben dankenswerterweise auf meine jüngsten Reisen nach China und nach Amerika Bezug genommen. Diese Reisen dienen auch genau diesem Zweck, gute Bedingungen für deutsche Unternehmen in der Welt zu schaffen, und das ist auch notwendig.
Ich sehe positiv, dass im Augenblick die Konjunktur langsam, sehr langsam Fahrt aufnimmt, überwiegend dank staatlicher Impulse, dank der Investitionsprogramme, die wir sowohl für die Bundeswehr als auch für die Industrie aufgelegt haben. Wir sehen in einigen Unternehmen die Auftragslage wieder steigen, und es sind auch erstmalig die Investitionen in Deutschland wieder höher als die Kapitalabflüsse. Aber das alles ist - Herr Dittrich, da sind wir uns einig - nur ein kleiner Trost. Nach wie vor sind wir mit der konjunkturellen Lage in Deutschland nicht zufrieden.
Der selbsttragende Aufschwung ist nicht gesichert. Priorität der Bundesregierung ist und bleibt deshalb, die Wettbewerbsfähigkeit unserer Wirtschaft wieder vollumfänglich herzustellen. Hinter diesem Wort "Wettbewerbsfähigkeit" steckt ein ganzes Bündel von Themen und Maßnahmen, die wir weiter angreifen und anpacken müssen. Wir haben viel umgesetzt. Die vergangenen neun Monate haben wir genutzt, um die Verabredungen des Koalitionsvertrages in Gesetze zu bringen.
Aber das reicht nicht. Wir müssen Strukturreformen anpacken, die in Deutschland viel zu lange aufgeschoben worden sind. Steuern und Abgaben sind zu hoch. Energie ist nach wie vor zu teuer. Der Sozialstaat muss zielgenauer werden. Genau das haben wir übrigens gestern im Deutschen Bundestag in zweiter und dritter Lesung mit dem sogenannten Bürgergeld beschlossen. Das Bürgergeld ist Geschichte. Wir haben die neue Grundsicherung eingeführt. Das ist auch ein Beitrag dazu, dass wir in Deutschland den Arbeitsmarkt wieder in Ordnung bringen, denn auch unsere Volkswirtschaft leidet ja unter einem Mangel an Fachkräften.
Wir haben die Energiewirtschaft unterstützt. Die Verbraucherinnen und Verbraucher, die privaten Haushalte wie die energieintensive Industrie merken es langsam. Wir haben die Körperschaftsteuer gesenkt, wir sind beim Bürokratieabbau auf den Weg gegangen. So muss es und so wird es weitergehen.
Ein großes Thema - das haben wir im Kreis der Präsidenten der Verbände miteinander besprochen - sind die Arbeitskosten; steigende Sozialabgaben schwächen unseren Wettbewerb. Die Wirtschaft muss hier entlastet werden, und das gilt ganz besonders für das Handwerk und die kleinen standortgebundenen Unternehmen.
Wir wissen, dass im Augenblick einige Vorhaben unterwegs sind. Wir haben Reformkommissionen berufen, die im Laufe der nächsten Wochen und Monate Vorschläge machen werden. Wenn wir alle, die Unternehmen und wir, die Politik, zusammenstehen, wenn wir alles geben, was wir jetzt gemeinsam tun können, dann werden wir auch einen Weg aus der Standortkrise heraus finden; ich bin jedenfalls davon überzeugt.
Last but not least: Ich freue mich, dass ich Gelegenheit hatte, hier auf der Handwerksmesse auch einige Beispiele zu sehen. Es sind nur einige wenige, aber schon sehr eindrucksvolle Beispiele gewesen, die ich sehen konnte, wie zum Beispiel den thermischen Sandspeicher, den wir da gerade in Augenschein genommen haben, den innovativen Schuh, aber auch das Handwerk mit konkreter Hilfe für die Ukraine und für die Menschen, die in dem Krieg dort schwer verletzt worden sind, wie das auch mit einem solchen Unternehmen gemeinsam wieder angepackt werden kann, mit einer Hilfsorganisation, die in Berlin ihren Sitz hat, mit solchen Prothesenzentren.
Das sind Menschen, die unsere Hilfe brauchen. Ich will das ausdrücklich noch einmal sagen: Herzlichen Dank auch für die Möglichkeit, bei Ihnen zu sein, und ganz herzlichen Dank für die Arbeit, die Sie gerade in diesem Bereich leisten für die vielen Menschen, die unsere Hilfe brauchen. Das alles imponiert mir.
Ich will abschließend noch einmal meiner persönlichen Überzeugung Ausdruck geben, dass wir im Handwerk tolle Berufsbilder haben, dass das Handwerk in Deutschland mit der dualen Ausbildung beste Voraussetzungen für wirklich zukunftsfähige, innovative Berufe hat. Wir sehen es hier auf der Messe. Ich komme aus einer Region, in der das Handwerk traditionell tief verwurzelt ist. Deswegen freut es mich, das hier alles zu sehen.
Herr Dittrich, insbesondere Ihnen und dem deutschen Handwerk viel Erfolg bei der Arbeit, die Sie sich vorgenommen haben. Sie können sich sicher sein: Die Bundesregierung steht an Ihrer Seite, ich persönlich aus tiefster innerer Überzeugung. Das Handwerk ist wirklich eine der wichtigsten Säulen unserer Volkswirtschaft, neben Industrie, neben Mittelstand, neben der exportorientierten Wirtschaft. Aber das, was wir hier in München sehen, ist wirklich ermutigend. Insofern wünschen wir Ihnen eine gute Messe. Noch einmal herzlichen Dank für die guten Gespräche.
Frage: Eine Frage an den Herrn Bundeskanzler angesichts der aktuell steigenden Öl- und Gaspreise: Muss die Energiepolitik der Bundesregierung insofern angepasst werden? Was kann die Bundesregierung tun, um Wirtschaft und Verbraucher hier zu entlasten?
Bundeskanzler Merz: Wir beobachten natürlich sehr genau, was da im Augenblick in den Energiemärkten, vor allen Dingen beim Öl und Gas, geschieht. Die Bundeswirtschaftsministerin hat bereits am Beginn der Woche eine entsprechende Prüfung eingeleitet, ob wir hier möglicherweise über das Kartellrecht Abhilfe schaffen können.
Wir sind uns aber auch darüber im Klaren, dass wir insgesamt in der Energiepolitik vorankommen müssen. Auch unabhängig von solchen externen Schocks ist die Energie in Deutschland nach wie vor zu teuer. Deswegen arbeiten wir sehr hart daran, auch die Energiepreise in Deutschland herunterzubringen.
Wir brauchen Energieerzeugungskapazitäten; das gilt vor allen Dingen für Strom. Aber wir brauchen auch neue Quellen für Gas und für Öl. Wir brauchen vor allen Dingen Gaskraftwerke, die grundlastfähig sind. Das ist insgesamt ein Konzept der Bundesregierung, das wir in den letzten Monaten entwickelt haben, das wir in Brüssel genehmigt bekommen haben. Deswegen werden wir es jetzt auch sehr konsequent umsetzen.
Die externen Schocks wie jetzt der Krieg im Iran zeigen, dass wir hier unsere Widerstandsfähigkeit stärken müssen. Auf diesem Weg gehen wir voran.
Frage: Herr Bundeskanzler, auch eine Frage zum Irankrieg an Sie: Sie haben jetzt mehrfach die möglichen Auswirkungen des Irankriegs auf Deutschland angesprochen, unter anderem das Thema Migration. Jetzt gibt es möglicherweise das Risiko eines Bürgerkriegs im Iran. Wie hoch schätzen Sie die Auswirkungen auf Migrationsbewegungen nach Deutschland ein?
Bundeskanzler Merz: Wir können das im Augenblick noch nicht abschließend beurteilen. Das ist mit ein Grund dafür, warum wir so sehr darauf drängen, dass die Eigenstaatlichkeit des Iran erhalten bleibt. Wir möchten hier kein syrisches Szenario erleben, sondern wir möchten, dass dieser Staat aus sich selbst heraus funktionsfähig wird.
Deswegen auch mein Appell, sowohl in Washingtonals auch in allen Gesprächen mit der israelischen Regierung, so schnell wie möglich die Voraussetzungen dafür zu schaffen, dass dieses Land stabilisiert wird, dass es eine demokratisch legitimierte Regierung bekommt und dass es auch als Staat weiter bestehen kann. Das ist ein Land mit über 90 Millionen Einwohnern, und wir haben natürlich auch insofern ein hohes eigenes Interesse daran, neue Flüchtlingsströme aus der Region zu vermeiden.
Frage: Herr Dulger hat in sehr eindringlichen Worten appelliert, dass die Kosten für die sozialen Sicherungen runtermüssen. Er hat gesagt, er verliert bald die Geduld, und spricht von der Gefährdung des Standorts Deutschland. Teilen Sie diese Analyse?
Bundeskanzler Merz: Ich teile die Befürchtungen, dass wir insbesondere durch die sehr hohen Arbeitskosten in Deutschland Arbeitsplätze verlieren. Wir haben seit einigen Wochen wieder eine Arbeitslosigkeit von über drei Millionen. Das ist angesichts der Arbeitsmarktentwicklung eine inakzeptabel hohe Zahl. Wir müssen dafür sorgen, dass wir nicht nur eine wettbewerbsfähige Industrie, einen wettbewerbsfähigen Mittelstand und ein wettbewerbsfähiges Handwerk erhalten, sondern dass wir genau in diesen Unternehmen auch Arbeitsplätze in Deutschland erhalten. Deswegen müssen die Arbeitskosten runter.
Dann können wir dazu einen Beitrag leisten, und der Beitrag, den wir leisten können, ist, dass wir Reformen der sozialen Sicherungssysteme auf den Weg bringen, die die hohen Arbeitskosten zum Beispiel durch Sozialversicherungsbeiträge in den Griff bekommen und tendenziell möglichst senken. Darüber haben wir auch ausführlich gesprochen. Ich teile die Einschätzung, dass wir dafür nicht mehr sehr viel Zeit haben. Wir müssen sehen, dass wir diese Reformen in diesem Jahr auf den Weg bringen. Die Voraussetzungen dazu schaffen wir in der Bundesregierung gerade.
Dr. Dulger: Wir hatten einen sehr guten Austausch mit dem Bundeskanzler, gerade zu diesen Themen. Alles, was der Herr Bundeskanzler hier gerade aufgeführt hat, dass er die Brisanz dieses Themas teilt und auch den Druck, der jetzt bei uns in den Betrieben herrscht, selbstverständlich spürt, ist noch ein Impuls mehr für die Bundesregierung, hier jetzt schnell zu handeln und auch Reformen in Angriff zu nehmen, die schnell bei uns in den Betrieben ankommen.
Wir konnten das in dem Gespräch gut darlegen und hatten einen sehr guten Austausch.
Frage: Herr Bundeskanzler, Sie haben auf die Frage des Kollegen zur Entlastung der Bürger vorhin nichts gesagt. Kurz gefasst: Tankrabatt oder Spritpreisbremse: Ja? Nein?
Bundeskanzler Merz: Ich habe gesagt: Wir prüfen die Entwicklung auf den Märkten. Die Bundeswirtschaftsministerin hat auch einen entsprechenden Auftrag angenommen. Bevor wir diese Prüfung nicht abgeschlossen haben, können wir dazu keine abschließende Stellungnahme abgeben.
Das Beste wäre, wenn dieser Krieg so schnell wie möglich beendet wird und wir auch die Energiepreise anschließend wieder auf den Niveaus sehen, die wir vorher hatten. Sie waren vorher niedrig und, ich glaube, im Großen und Ganzen, an den Tankstellen jedenfalls, akzeptabel. Da wollen wir auch so schnell wie möglich wieder hin.
Frage: Herr Bundeskanzler, ich bitte um Ihre persönliche Einschätzung: Sind die Auswirkungen des Irankriegs auf die deutsche Wirtschaft ein kurzfristiger Dämpfer, der vielleicht bis zum Sommer wieder ausgestanden ist? Oder rutschen wir zurück in die Stagnation?
Bundeskanzler Merz: Aus heutiger Sicht, aber nur aus heutiger Sicht, wird es wahrscheinlich und hoffentlich bei einem Dämpfer bleiben. Wir sehen die Konjunkturauswirkungen im Augenblick praktisch hinter dem Komma. Aber wenn dieser Konflikt länger dauern sollte, wenn er sich möglicherweise auf größere Teile des Mittleren Ostens erstrecken sollte, dann könnte es natürlich auch viel weiter gehende Folgen haben.
Deswegen sind wir so engagiert, auch auf der europäischen Seite. Ich will hier auch sagen: Wir hatten heute Morgen ein langes Telefonat im E3-Format mit Italien zusammen, also die italienische Ministerpräsidentin, der britische Premierminister, der deutsche Bundeskanzler und der französische Staatspräsident. Wir haben uns eng abgestimmt, auch in unserer Haltung zu diesen Themen.
Ich hoffe, dass wir hier auch gemeinsam ein bisschen Einfluss ausüben können, sowohl auf Israel als auch auf Amerika, damit wir im Hinblick auf den Iran eine gemeinsame Sprache sprechen. Dazu habe ich in meinem Statement ja auch einiges gesagt.
Frage: Herr Merz, wie stark und wann muss das Renteneintrittsalter erhöht werden?
Bundeskanzler Merz: Sie wissen, dass wir dazu eine Rentenreformkommission berufen haben. Sie wird zum Ende des Monats Juni ihre Vorschläge auf den Tisch legen. Ich habe das eben in dem Kreis gesagt, in dem wir zusammen waren, und will das auch hier noch einmal wiederholen.
Ich denke, dass die Verlängerung der Lebensarbeitszeit eine wichtige Stellschraube wird, um auch die Kosten in den Griff zu bekommen. Wie wir das ausgestalten, darüber werden wir in der Koalition ausführlich zu sprechen haben.
Dass wir es machen müssen, ist aus meiner Sicht richtig und notwendig. Aber noch einmal: Die Ausgestaltung müssen wir besprechen. Abstrakte Renteneintrittsalter - 63, 65, 67, 70 - sind aus meiner Sicht nicht die richtige Diskussion. Wir müssen Lebensarbeitszeit und Ruhestand miteinander abwägen und in ein vernünftiges Verhältnis zueinander bringen. Aber noch einmal: Diese Details werden wir in der Koalition besprechen, sobald die Vorschläge aus der Reformkommission auf dem Tisch liegen.
Vielen Dank.
Preuschoff: Damit schließe ich die Pressekonferenz.
Herzlichen Dank, dass Sie gekommen sind, und weiterhin interessante Tage auf der Handwerksmesse hier in München.