Stadt Pfaffenhofen an der Ilm

04/01/2026 | News release | Distributed by Public on 04/01/2026 02:36

100 Jahre „Ilmtaler“ Pfaffenhofen

Wenn Schuhplattler mit kräftigem Klatschen den Takt angeben, wenn Dirndl und Lederhosen das Bild bei Festen prägen und wenn Jung und Alt gemeinsam tanzen und lachen, dann sind sie meist nicht weit: die Trachtler des Gebirgs- und Volkstrachten-Vereins "Ilmtaler" Pfaffenhofen e. V.. Dieses Jahr feiert der Verein sein 100-jähriges Bestehen - ein Jahrhundert voller Tradition, Gemeinschaft und lebendiger Heimatkultur. Geplant sind über das Jahr verteilt mehrere Jubiläumsveranstaltungen sowie ein umfangreicher Bildband, der mit historischen Dokumenten und Fotos die Geschichte des Vereins erzählt.

Ein solches Jubiläum ist immer ein besonderer Moment. Eine Gelegenheit, auf die Geschichte des Vereins zurückzublicken, aber ebenso den Blick nach vorne zu richten. Dieser Artikel gibt einen Einblick in die Geschichte der Ilmtaler, in die Werte, die den Verein bis heute prägen, und in die Menschen, die ihn mit Leben füllen. Gleichzeitig stellt er die Höhepunkte des Jubiläumsjahres vor - allen voran das große Landesjugendtrachtenfest im Mai, bei dem Pfaffenhofen zum Treffpunkt der bayerischen Trachtenjugend wird.

"Wir wollen nicht nur zurückblicken, sondern gemeinsam feiern -

mit Jung und Alt, mit unseren Mitgliedern und

allen Menschen in Pfaffenhofen und der Region."

Erste Vorsitzende, Anna Felbermeir

Die Anfänge: Begeisterung für den Schuhplattler

Die Geschichte der Ilmtaler beginnt im Jahr 1926. Damals waren Schuhplattler auf Bällen und geselligen Festen eine echte Attraktion. Die Tänzer wurden begeistert gefeiert und bekamen für ihren Auftritt nicht selten einen "Extra-Walzer" als Dankeschön.

Aus dieser Begeisterung heraus entstand die Idee, einen eigenen Trachtenverein zu gründen. Mitglieder der damaligen Theatergesellschaft setzten sie schließlich in die Tat um. Die Aufnahmegebühr betrug eine Reichsmark, der Monatsbeitrag 30 Pfennig. Auch Regeln gab es schon: Während des Plattelns war Rauchen streng verboten - wer sich nicht daran hielt, musste eine Geldstrafe bezahlen. Bereits 1927 schlossen sich die Ilmtaler dem Donaugau-Trachtenverband an. Schon bald bereicherten auch Frauen und Mädchen den Verein. Mit ihnen kamen historische Tänze und noch mehr Geselligkeit ins Vereinsleben.

Eine Fahne als Symbol der Gemeinschaft

Kurz nach der Gründung entstand der Wunsch nach einer eigenen Vereinsfahne. Da das Geld zunächst nicht ausreichte, erhöhten die Mitglieder vorübergehend ihre Beiträge, um den Fahnenfonds zu füllen. 1928 war es schließlich so weit: Die neue Fahne wurde feierlich geweiht. Seitdem marschieren die Ilmtaler bei festlichen Anlässen stolz hinter ihr her. Bis heute steht sie als Symbol für Zusammenhalt und Verbundenheit im Verein.

Eine Fahne unter Hobelspänen

Eine besondere Geschichte aus der Vereinschronik spielt während den Kriegsjahren. Damals sollten SS-Kräfte die Vereinsfahne abholen. Dem damaligen Vorsitzenden Xaver Neufeld gelang es jedoch, sie rechtzeitig aus dem Fahnenschrank zu holen und bei einem örtlichen Schreiner zu verstecken - unter einem Haufen Hobelspäne in der Werkstatt. So blieb die Fahne erhalten. In einer Zeit, in der öffentliche Vereinsarbeit kaum möglich war, wurde ihr Überleben zum Symbol für den Fortbestand des gesamten Vereins.

Neubeginn nach dem Krieg

Während des Zweiten Weltkrieges waren die Vereinsbeiträge zwar ausgesetzt worden, doch die Kameradschaft blieb bestehen. In den Aufzeichnungen heißt es: "Die Kameradschaft konnte nicht gelöst werden - alle hielten der Vereinsfahne die Treue." Bevor der Verein wieder offiziell tätig werden durfte, musste allerdings eine Genehmigung der amerikanischen Militärregierung eingeholt werden. Voraussetzung war eine politisch "einwandfreie" Vorstandschaft. So konnten sich die Trachtler erneut ihrer eigentlichen Aufgabe widmen: dem Erhalt der bayerischen Tracht, der Pflege von Brauchtum und der Weitergabe von Schuhplattlern und Volkstänzen. In den Niederschriften spiegelte sich auch der Zeitgeist des Vereinslebens wider. So wurde 1947 darüber diskutiert, ob Mädchen mit kurzen Haaren - damals eine neue Mode - im Verein aufgenommen werden sollten. Die Antwort der Versammlung fiel eindeutig aus: Wenn sie wirklich Interesse hätten, sollten sie ihre Haare wieder wachsen lassen. Solche Anekdoten wirken heute fast amüsant, zeigen aber, wie sehr sich Gesellschaft und Vereinsleben im Laufe eines Jahrhunderts verändert haben.

Der Verein heute: lebendige Tradition

Heute sind die Ilmtaler aus dem kulturellen Leben in Pfaffenhofen kaum wegzudenken. Bei zahlreichen Festen in der Stadt und im Landkreis sorgen sie mit Tänzen, Musik und Trachten für einen besonderen Rahmen. Fast 200 Mitglieder gehören inzwischen zum Verein, der sich als Familienverein versteht. Rund 60 von ihnen sind aktiv beim Tanzen, Schuhplatteln oder als Trachtenträger dabei. Besonders erfreulich ist der Nachwuchs: Etwa 30 Kinder und Jugendliche wachsen bereits in die Trachtlergemeinschaft hinein. Die jüngsten angehenden Trachtler werden bereits im Kinderwagen von ihren Müttern und Vätern zu den Proben oder Auftritten geschoben, als Kleinkinder machen sie einfach bei den Eltern mit und später wollen sie meist dabei bleiben und etwas lernen.

"Das boarische Brauchtum hat mir immer schon gefallen.

Auch der Umgang mit den Trachtlern hat mir gut getan.

Es freut mich, dass alle Familienmitglieder dabei sein können."

Sepp Reil (85) ist seit 1966 Mitglied im Trachtenverein.

Dabei geht es längst nicht nur um Tracht und Tanz. Der Verein versteht sich als Ort der Begegnung, an dem Generationen zusammenkommen und Gemeinschaft gelebt wird.

Tradition weitergeben - besonders an die Jugend

Ein Schwerpunkt der Vereinsarbeit liegt auf der Jugendarbeit. Kinder und Jugendliche lernen hier nicht nur Volkstanz, Schuhplattler, Musik und regionale Bräuche kennen, sie erleben Gemeinschaft abseits des digitalen Alltags. Bei Proben, Ausflügen und gemeinsamen Veranstaltungen entsteht ein starkes Gefühl von Zusammenhalt. So werden Werte wie Heimatverbundenheit, Respekt und Engagement ganz selbstverständlich weitergegeben.

Wallfahrten und Orte der Besinnung

Auch religiöse Traditionen haben ihren Platz im Vereinsleben. Jedes Jahr nehmen die Pfaffenhofener Trachtler an der Trachtenwallfahrt des Donaugaues nach Eichstätt auf den Frauenberg teil. Seit 2006 pilgert eine Gruppe von Jugendlichen sogar zu Fuß in einer zweitägigen Wallfahrt von Raitbach nach Eichstätt. Und auch weitere Pilgerwege, etwa nach Altötting, wurden von den Trachtlern bereits gemeinsam bewältigt. Ein besonderes Zeichen des Glaubens und der Verbundenheit ist zudem das Feldkreuz an der Westtangente. Es wurde 2001 zum 75-jährigen Jubiläum des Vereins eingeweiht und wird bis heute von den Trachtlern liebevoll gepflegt.

Tradition lebt - wenn Menschen sie leben

Was die Ilmtaler ausmacht, lässt sich leicht zusammenfassen: die Liebe zur Heimat, zur Holledau und zur bayerischen Lebensart. Doch genauso wichtig ist das Miteinander. Im Trachtenverein finden ganze Familien ebenso ihren Platz wie Einzelne. Gemeinsam wird getanzt, gelacht und Wissen weitergegeben. Oder, wie es die Vorsitzende Anna Felbermeir formuliert: "Es geht nicht allein um das Tragen unserer Tracht, sondern um den Austausch mit Gleichgesinnten, die mit Heimat, Brauchtum und Tradition verbunden sind." Nach 100 Jahren ist eines klar: Die Tradition der Ilmtaler lebt weiter, weil sie von Menschen getragen wird, die sie mit Herz und Begeisterung in die Zukunft führen.

"Der Trachtenverein bedeutet mir Hoamat.

Damit verbunden sind Traditionen, Sprache und

unsere Volksmusik. Das alles muss man aufrechterhalten

und trotzdem offen sein für Neues."

Uschi Kufer (75) ist Mitglied seit 1971 im Trachtenverein.

Das hält das Jubiläumsjahr bereit

Das Jubiläumsjahr 2026 steht unter dem Motto "100 Jahre Ilmtaler - Tradition mit Zukunft". Geplant sind über das Jahr verteilt mehrere Jubiläumsveranstaltungen sowie ein umfangreicher Bildband, der mit historischen Dokumenten und Fotos die Geschichte des Vereins erzählt. Er soll im November präsentiert werden.

Ein Höhepunkt im Jubiläumsjahr ist das Landesjugendtrachtenfest am 16. und 17. Mai. Während dieser beiden Tage wird die Stadt zum Treffpunkt der bayerischen Trachtenjugend. Gemeinsam mit der Bayerischen Landesjugend richten die Ilmtaler ein großes Fest der Begegnung, der Tradition und der Lebensfreude aus.Das Landesjugendtrachtenfest ist etwas Besonderes: Zum ersten Mal seit fast 20 Jahren findet das große Jugendtreffen wieder statt. Zuletzt wurde es 2007 in Altusried veranstaltet. Umso größer ist die Freude, dass Pfaffenhofen im Jubiläumsjahr der Ilmtaler Gastgeber sein darf. Mehr als 4.000 junge Trachtlerinnen und Trachtler aus ganz Bayern werden an diesem Wochenende erwartet. Sie bringen ihre Tänze, ihre Musik, ihre Trachten und vor allem ihre Begeisterung für das bayerische Brauchtum mit nach Pfaffenhofen. Für zwei Tage wird die Stadt zu einem lebendigen Treffpunkt für junge Menschen, die Tradition nicht nur bewahren, sondern aktiv leben.

Bühnenprogramm, Volkstanz und großer Festzug

Am Samstag, 16. Mai verwandelt sich das gesamte Stadtgebiet in eine große Festbühne. Auf vier Bühnen zeigen Gruppen aus ganz Bayern ihr Können - mit Musik, Volkstanz, Schuhplattlern und vielen weiteren Darbietungen. Besucherinnen und Besucher dürfen sich auf ein buntes Programm und eine besondere Atmosphäre freuen, bei der die ganze Stadt mitfeiert. Am Abend treten auch die Gastgeber selbst auf: Der Trachtenverein Ilmtaler präsentiert auf der Rathausbühne einen besonderen Auftritt anlässlich seines 100-jährigen Jubiläums. Anschließend sind alle Gäste eingeladen, beim großen Volkstanz gemeinsam den Hauptplatz in ein Tanzparkett zu verwandeln.

Der Sonntag, 17. Mai beginnt feierlich mit einem Jugendgottesdienst auf dem Hauptplatz. Am Nachmittag folgt ein weiterer Höhepunkt: der große Festzug durch die Innenstadt von Pfaffenhofen. In ihren farbenfrohen Trachten ziehen die jungen Trachtlerinnen und Trachtler durch die Straßen und zeigen eindrucksvoll die Vielfalt und Lebendigkeit der bayerischen Trachtenkultur. Ein Fest für alle Sinne - für Jung und Alt, für Pfaffenhofen und für ganz Bayern.

Programmüberblick - Landesjugendtrachtenfest:

Samstag, 16. Mai 2026Musik, Tanz und Schuhplattler auf vier Bühnen im Stadtgebiet

ab 10.00 Uhr Jubiläumsauftritt des Trachtenvereins Ilmtaler (Rathausbühne)

ab 17.00 Uhr Großer Volkstanz auf der Rathausbühne

ab 19.00 UhrSonntag, 17. Mai 2026 Jugendgottesdienst auf dem Hauptplatz/ Rathausbühne

9.30 UhrGroßer Festzug durch die Innenstadt von Pfaffenhofen

14.00 UhrWeitere Veranstaltungen:

Am 4. Oktober um 18.30 Uhr werden beim Dank-Gottesdienst in der Stadtpfarrkirche die Musik- und Gesangsgruppen des Trachtenvereins den Gottesdienst mitgestalten.

Einen Festakt mit Präsentation des Bildbandes des Trachtenvereins wird es am 22. November im Festsaal des Rathauses in Pfaffenhofen geben. Viele Bilder und Ereignisse gehören zur 100-jährigen Geschichte des Trachtenvereins, die gesammelt in einem farbenprächtigen Band zusammengestellt sind. Los geht es um 15 Uhr.

Lust mitzumachen?

Wer das Vereinsleben selbst kennenlernen möchte, ist herzlich eingeladen, an den regelmäßigen Trachtenproben teilzunehmen - ganz unverbindlich und ohne Vorkenntnisse. Seien Sie neugierig und probieren Sie's aus! Immer freitags (außer in den Ferien) proben die Kinder ab 3 Jahren sowie die Jugendlichen ab 18.30 Uhr, die Erwachsenen ab 19.30 Uhr im Haus der Begegnung, 2. Stock, Raum 201.

Weitere Informationen und Kontaktmöglichkeiten gibt es auf der Vereinswebsite: trachtenverein-pfaffenhofen.de. Ansprechpartner: Anna Felbermeir, (1. Vorstand),

[email protected]

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