Universität Stuttgart

02/05/2026 | Press release | Distributed by Public on 02/05/2026 01:24

Experimente für die Datenspeicherung der Zukunft

In Zusammenarbeit mit internationalen Partnern haben Forschende der Universität Stuttgart in Experimenten eine bisher unbekannte Form des Magnetismus in atomar dünnen Materialschichten nachgewiesen. Diese Entdeckung ist für zukünftige magnetische Datenspeichertechnologien von großer Bedeutung und fördert das grundlegende Verständnis magnetischer Wechselwirkungen in zweidimensionalen Systemen. Die Ergebnisse wurden nun in der renommierten Fachzeitschrift Nature Nanotechnology veröffentlicht. DOI: 10.1038/s41565-025-02103-y

Speicherung immer größerer Datenmengen auf immer kleinerem Raum

"Mit stetig ansteigenden Datenmengen müssen künftige magnetische Speichermedien in der Lage sein, Informationen zuverlässig in immer höheren Dichten zu speichern", sagt Professor Jörg Wrachtrup, Leiter des Zentrums für Angewandte Quantentechnologie (ZAQuant) an der Universität Stuttgart, dessen Gruppe das Projekt leitete. "Unsere Ergebnisse sind daher für Datenspeichertechnologien der nächsten Generation von unmittelbarer Relevanz. Gleichzeitig sind sie von grundlegender Bedeutung, da sie neue Einblicke in magnetische Wechselwirkungen in atomar dünnen Materialien geben."

Quantenoptische Experimente im ZAQuant: Sie können neue Zustände von Materie sichtbar machen, um theoretische Modelle zu verifizieren und zu erweitern.
Bild: Universität Stuttgart / Ludmilla Parsyak

Das internationale Team entdeckte einen neuen magnetischen Zustand, der in einem System aus vier atomar dünnen Schichten Chromiodid auftritt. "Wir können diesen Magnetismus selektiv steuern, indem wir die Wechselwirkungen zwischen den Elektronen in den einzelnen Schichten abstimmen", erklärt Dr. Ruoming Peng, Postdoc am 3. Physikalischen Institut der Universität Stuttgart, der die Experimente am ZAQuant gemeinsam mit dem Promovenden King Cho Wong durchgeführt hat. "Besonders bemerkenswert ist dabei, dass die beobachteten magnetischen Eigenschaften gegenüber Umgebungseinflüssen robust sind."

Ungewöhnliches magnetisches Verhalten in zweidimensionalen Materialien

Das in der Studie untersuchte Chromiodid gehört zur Klasse der zweidimensionalen (2D) Materialien - Systeme, die aus nur wenigen in einem Kristallgitter angeordneten Atomschichten bestehen. Es ist seit langem bekannt, dass 2D-Materialien Eigenschaften aufweisen können, die sich grundlegend von denen ihrer dreidimensionalen Gegenstücke unterscheiden.

Durch leichtes Verdrehen zweier Chromiodid-Doppelschichten gegeneinander erzeugten die Stuttgarter Forschenden einen neuartigen magnetischen Zustand. "Im Gegensatz dazu weist eine nicht verdrehte Doppelschicht kein externes Magnetfeld auf, wie frühere Untersuchungen zeigten", so Peng. Durch die Verdrehung entstehen sogenannte Skyrmionen - nanoskalige, topologisch geschützte magnetische Strukturen, die zu den kleinsten und stabilsten Informationsträgern gehören, die in magnetischen Systemen bekannt sind. Zum ersten Mal gelang es dem Team, Skyrmionen in einem verdrehten zweidimensionalen magnetischen Material zu erzeugen und direkt nachzuweisen.

Quantensensorik macht schwache magnetische Signale sichtbar

Den neuen magnetischen Zustand zu erkennen, stellte eine große experimentelle Herausforderung dar, da die damit verbundenen Signale außerordentlich schwach sind. Zur Lösung dieses Problems setzten die Forschenden ein hochspezialisiertes Mikroskop ein, das auf Quantensensorik-Techniken beruht. Das Verfahren nutzt Stickstoff-Fehlstellen-Zentren (NV-Zentren) in Diamanten, deren physikalische Prinzipien in den letzten zwei Jahrzehnten am ZAQuant umfassend entwickelt und verfeinert wurden.

Stickstoff-Dotierung mittels Ionenimplantation: So werden aus handelsüblichen Diamanten Quantensensoren. Sie ermöglichen die Entdeckung neuer Formen von Magnetismus.
Bild: Universität Stuttgart / Ludmilla Parsyak

Die Theorie muss noch verfeinert werden

Über ihre technologische Relevanz hinaus tragen die Ergebnisse wesentlich zum theoretischen Verständnis des kollektiven Elektronenverhaltens in atomar dünnen magnetischen Systemen bei. "Unsere experimentellen Ergebnisse zeigen, dass bestehende theoretische Modelle verfeinert werden müssen, um die beobachteten Phänomene vollständig zu beschreiben, sagt Wrachtrup.

Neben der Universität Stuttgart waren Forschungseinrichtungen aus Großbritannien, Japan, den USA und Kanada an dem Projekt beteiligt. Die theoretische Modellierung und die numerischen Simulationen wurden von Forschenden der Universität Edinburgh durchgeführt.

Über das ZAQuant
Forschung und Lehre am Zentrum für Angewandte Quantentechnologie (ZAQuant) konzentrieren sich auf Festkörper-Quantentechnologie mit Anwendungen, die von nanoskaliger Quantensensorik bis hin zu Quantennetzwerken reichen. Die Infrastruktur des Instituts ist eine weltweit einzigartige Kombination aus Präzisions- und Quantenoptiklabors sowie hochmodernen Reinraumanlagen.

Strategischer Profilbereich Quantum Technologies

Fachlicher Kontakt:

Prof. Jörg Wrachtrup, Zentrum für Angewandte Quantentechnologie, Tel.: +49 (0)711 685 65278,

Zur Veröffentlichung:
King Cho Wong, Ruoming Peng, Eric Anderson, Jackson Ross, Bowen Yang, Meixin Cheng, Sreehari Jayaram, Malik Lenger, Xuankai Zhou, Yan Tung Kong, Takashi Taniguchi, Kenji Watanabe, Michael A. McGuire, Rainer Stöhr, Adam Wei Tsen, Elton J.G. Santos, Xiaodong Xu, Jörg Wrachtrup: Super-Moiré Spin Textures in Twisted Antiferromagnets. Nature Nanotechnology, DOI: 10.1038/s41565-025-02103-y

Universität Stuttgart published this content on February 05, 2026, and is solely responsible for the information contained herein. Distributed via Public Technologies (PUBT), unedited and unaltered, on February 05, 2026 at 07:24 UTC. If you believe the information included in the content is inaccurate or outdated and requires editing or removal, please contact us at [email protected]