WFP - World Food Programme

06/17/2026 | Press release | Distributed by Public on 06/17/2026 07:49

Neuer FAO-WFP Bericht: zunehmendes Hungerrisiko in 13 Krisenländern

Sudan, Südsudan, Jemen und Palästina bleiben die Länder mit den größten Hungerkrisen. Auch Nordost-Nigeria und Somalia zählen nun dazu, da sich die akute Ernährungsunsicherheit dort weiter zuspitzt und teilweise katastrophale Ausmaße annimmt.

ROM - Die Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO) und das UN-Welternährungsprogramm (WFP) warnen heute, dass sich die akute Ernährungsunsicherheit für Millionen von Menschen in insgesamt 13 sogenannten "Hunger Hot Spots" zwischen Juni und November 2026 weiter verschärfen wird.

Die neueste Ausgabe des "Hunger Hotspots"-Berichts, der zweimal jährlich über das Globale Netzwerk gegen Nahrungsmittelkrisen (GNAFC) veröffentlicht wird, nennt Sudan, Südsudan, Jemen und Palästina als die weltweit kritischsten "Hunger Hot Spots" in Bezug auf Ausmaß und Schwere der Ernährungsunsicherheit. Neu in die Liste aufgenommen wurde Nordost-Nigeria. Prognosen zufolge könnten dort insbesondere im Bundesstaat Borno Bevölkerungsgruppen in den kommenden Monaten ein katastrophales Niveau akuter Ernährungsunsicherheit erreichen - gekennzeichnet durch extreme Nahrungsmittelknappheit, mit Hunger, Tod, Verelendung und extrem kritischer Mangelernährung. Auch Somalia wurde in diese Kategorie eingeordnet: Im Bezirk Burhakaba in der Region Bay besteht das Risiko einer Hungersnot.

Bewaffnete Konflikte und Gewalt bleiben in 12 der 13 Krisengebiete die Hauptursachen für akuten Hunger. Hinzu kommen wirtschaftliche Schocks, drastische Finanzierungslücken und wachsende Risiken im Zusammenhang mit einem erwarteten El-Niño-Ereignis, das zu ungleichmäßigen Niederschlägen, Dürren und Überschwemmungen führen dürfte - in Ländern, die ohnehin besonders verwundbar sind.

Die Warnung erfolgt in einer Phase beispielloser Finanzierungslücken für humanitäre Hilfe. Zwischen 2022 und 2025 sind die Mittel für Nahrungsmittelhilfe, landwirtschaftliche Nothilfe und Ernährungsprogramme in Krisengebieten schätzungsweise um 59 Prozent gesunken - und liegen damit wieder auf dem Niveau von vor fast zehn Jahren. Gleichzeitig ist die Zahl der Menschen, die in diesen Ländern unter schwerer akuter Ernährungsunsicherheit leiden, auf rund 266 Millionen gestiegen.

Der Bericht weist zudem darauf hin, dass zusätzliche Schocks die Lage weiter verschärfen. Dazu zählen etwa die Auswirkungen des Konflikts im Nahen Osten sowie ein Ebola-Ausbruch in Teilen des Ostens der Demokratischen Republik Kongo. Diese Entwicklungen drohen Lebensgrundlagen zu zerstören, Märkte zu stören und den Zugang für humanitäre Hilfe weiter einzuschränken.

"Wir wissen bereits, wo die nächsten Hungerkrisen eintreten werden", sagte FAO-Vizegeneraldirektorin Beth Bechdol. "Die entscheidende Frage ist, ob wir früh genug und im nötigen Umfang handeln. Wenn Landwirtinnen und Landwirte nicht säen können, Viehhalter ihre Tiere verlieren und Märkte zusammenbrechen, verschärft sich der Hunger sehr schnell. Frühzeitige Investitionen in landwirtschaftliche Nothilfe und Resilienz gehören zu den kosteneffektivsten Maßnahmen, um Lebensgrundlagen zu schützen, lokale Lebensmittelproduktion zu sichern und zukünftigen Hilfebedarf zu reduzieren."

"Die Warnungen in diesem Bericht dürfen nicht ignoriert werden", sagte der amtierende Exekutivdirektor von WFP, Carl Skau. "Konflikte, Krisen und Katastrophen zwingen Familien zu unmenschlichen Entscheidungen darüber, wer essen kann und wer hungrig zu Bett gehen muss. Ohne sofortiges Handeln wird sich die Lage für Millionen Menschen in den kommenden Monaten weiter verschlechtern - und manche noch näher an eine Hungersnot bringen. Unsere Teams sind bereit, schnell und in großem Umfang zu helfen. Dafür brauchen wir die notwendigen Mittel und sicheren Zugang, um Menschen rechtzeitig zu erreichen, bevor Hunger zur Katastrophe wird."

Krisenherde, die Anlass zu größter Sorge geben

(Eine Definition der IPC-Stufen der Ernährungsunsicherheit findet sich am Ende dieser Pressemitteilung).

In 14 Gebieten im Sudan (in Nord-Darfur, Süd-Darfur und Süd-Kordofan) wurde bis September 2026 ein Hungersnot-Risiko festgestellt, das voraussichtlich in 13 Gebieten bis in die Erntezeit und darüber hinaus bis Januar 2027 bestehen bleibt. Schätzungsweise 19,5 Millionen Menschen - 41 Prozent der Bevölkerung - litten bis Mai 2026 unter schwerer akuter Ernährungsunsicherheit (IPC Phase 3 oder höher), darunter 5 Millionen im "Notstand" (Phase 4). Die Lage dürfte sich weiter verschlechtern: Die Zahl der Menschen in der "katastrophalen" Phase (Phase 5) könnte zwischen Juni und September 2026 auf 200.000 steigen, nach 135.000 im Zeitraum Februar bis Mai.

Im Südsudan werden zwischen April und Juli 2026 voraussichtlich 7,8 Millionen Menschen - 55 Prozent der Bevölkerung - unter einer "Krise" oder schlimmeren Bedingungen leiden (IPC Phase 3 oder höher). Darunter sind 2,5 Millionen Menschen im "Notstand" (Phase 4) und rund 73.000 Menschen in einer "katastrophalen" Lage (Phase 5). In vier Regionen besteht bis Juli 2026 das Risiko einer Hungersnot.

Die Ernährungsunsicherheit im Jemen gehört weiterhin zu den schwersten weltweit. Frühere Schätzungen gingen davon aus, dass 18,3 Millionen Menschen - mehr als die Hälfte der Bevölkerung - von "Krise" oder schlimmeren Bedingungen betroffen sind. Darunter 5,5 Millionen im "Notstand" (Phase 4) und 41.000 Menschen in "katastrophaler" Lage (Phase 5) in Gebieten unter der Kontrolle der De-facto-Behörden in Sanaa. Neuere Teilanalysen zeigen, dass auch in Regierungsgebieten zwischen Juni und September 2026 rund 5,4 Millionen Menschen betroffen sein werden.

Im Nordosten Nigerias ist die Lage im Bundesstaat Borno am gravierendsten: Dort werden voraussichtlich 15.000 Menschen im Zeitraum Juni bis August 2026 von einer "Katastrophe" (Cadre Harmonise-Phase 5) betroffen sein. Rund 2,3 Millionen Menschen sind im gesamten Nordosten weiterhin Binnenvertriebene.

Im Gazastreifen hat sich die Lage seit der Waffenruhe im Oktober 2025 etwas verbessert, bleibt jedoch äußerst fragil. Bis Mitte April 2026 bestand im gesamten Gebiet ein Hungersnot-Risiko. 1,6 Millionen Menschen - 77 Prozent der erfassten Bevölkerung - waren akut von Ernährungsunsicherheit betroffen und dringend auf Hilfe angewiesen, darunter über eine halbe Million im "Notstand" (Phase 4) und etwa 1.900 Menschen in "katastrophaler" Lage (Phase 5). Für den Zeitraum Juni bis November 2026 lagen zum Zeitpunkt der Berichterstellung keine Prognosen vor.

Zwischen April und Juni 2026 waren rund 6 Millionen Menschen in Somalia von schwerer akuter Ernährungsunsicherheit betroffen, darunter fast 1,9 Millionen im "Notstand" (Phase 4). Im Bezirk Burhakaba besteht inzwischen ebenfalls ein Hungersnot-Risiko. Ursachen sind unter anderem mehrere Jahre mit Dürren, historisch niedrige Ernten, Konflikte sowie indirekte Auswirkungen der Krise im Nahen Osten.

Besonders besorgniserregende Brennpunkte

Afghanistan bleibt ein Schwerpunktland mit sehr hoher Besorgnis - aufgrund wiederholter Dürren, hoher Lebensmittelpreise und anhaltender Konflikte.

IIn der Demokratischen Republik Kongo ist die Lage weiterhin extrem angespannt. Konflikte in den östlichen Provinzen und großflächige Vertreibungen treiben den Hunger in die Höhe. Der erneute Ausbruch von Ebola verschärft die Situation zusätzlich, da er Märkte, Mobilität und humanitäre Hilfe beeinträchtigt.

Haiti, zuvor eines der Länder mit größter Sorge, wird nun in die Kategorie "sehr hohe Sorge" eingeordnet. Hintergrund sind begrenzte und lokale Verbesserungen, etwa eine verlangsamte Inflation und bessere Zugänglichkeit einiger Verkehrswege - bei weiterhin sehr fragiler Gesamtlage.

Weitere Krisenherde

Myanmar und Mali wurden ebenfalls als Krisenländer identifiziert, in denen sich die Lage aufgrund von Konflikten, wirtschaftlichem Druck und klimatischen Schwankungen weiter verschlechtern dürfte.

Libanon und Madagaskar wurden neu in die Liste aufgenommen - infolge der Eskalation von Gewalt Ende Februar 2026 beziehungsweise ungünstiger und unregelmäßiger Wetterbedingungen.

Insgesamt zeichnet der Bericht für die zweite Jahreshälfte 2026 ein zunehmend düsteres Bild: Millionen Menschen drohen in noch schwerere Hungerkrisen abzurutschen, und in mehreren Ländern besteht weiterhin ein Risiko extremer Hungersituationen. Gleichzeitig betont der Bericht, wie entscheidend frühzeitiges Handeln ist, um die schlimmsten Folgen zu verhindern.

Was getan werden muss

FAO und WFP rufen im Rahmen des Global Network Against Food Crises zu sofortigem und abgestimmtem Handeln auf: humanitäre Hilfe deutlich ausweiten, sicheren Zugang gewährleisten, in Lebensgrundlagen investieren und die Widerstandsfähigkeit betroffener Gemeinschaften stärken.

Der Bericht unterstreicht: Frühes Handeln rettet Leben, schützt Existenzen und ist deutlich kosteneffizienter, als erst auf eskalierende Krisen zu reagieren. Ohne stärkeren politischen Willen, verlässliche Finanzierung und gemeinsames Handeln drohen sich die Hungerkrisen in den verwundbarsten Regionen der Welt in den kommenden Monaten weiter zu verschärfen.

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Anmerkung zu den IPC-Stufen

IPC Phase 3 - Krise: Haushalte haben Ernährungslücken oder können ihren Mindestbedarf nur decken, indem sie wichtige Lebensgrundlagen aufbrauchen oder auf Notstrategien zurückgreifen.

IPC Phase 4 - Notstand: Haushalte haben massive Ernährungslücken mit sehr hoher akuter Mangelernährung und erhöhter Sterblichkeit oder können diese Lücken nur durch den Verkauf existenzieller Ressourcen und extreme Bewältigungsstrategien ausgleichen.

IPC Phase 5 - Katastrophe/Hungersnot: Haushalte leiden unter extremem Mangel an Nahrung und grundlegenden Bedürfnissen - selbst nach Ausschöpfen aller Bewältigungsstrategien. Hunger, Tod, Verelendung und extrem kritische Mangelernährung sind die Folge.
(Eine Hungersnot wird festgestellt, wenn extreme Mangelernährung und Sterblichkeit in einem Gebiet nachgewiesen sind.)

Hinweis für die Redaktion

"Hunger-Hotspots" sind Regionen, in denen sich die akute Ernährungsunsicherheit im Prognosezeitraum voraussichtlich verschlechtern wird. Sie werden auf Basis von Analysen und im Konsens von Fachleuten von WFP, FAO sowie Expertinnen und Experten für Konflikte, wirtschaftliche Risiken und Naturgefahren bestimmt. Der Bericht ist Teil einer Reihe, die im Rahmen des Globalen Netzwerks gegen Nahrungsmittelkrisen erstellt wird, darunter der kürzlich veröffentlichte "Global Report on Food Crises 2026 ".

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Das Welternährungsprogramm der Vereinten Nationen (WFP) ist die größte humanitäre Organisation der Welt im Kampf gegen den Hunger. Wir retten Leben in Notfällen und ebnen mit Ernährungshilfe den Weg zu Frieden, Stabilität und Wohlstand für Menschen, die von Konflikten, Katastrophen und den Auswirkungen des Klimawandels betroffen sind.

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