WHO - World Health Organization Regional Office for Europe

07/15/2026 | Press release | Distributed by Public on 07/16/2026 14:06

Erklärung – Regulierung von KI im Gesundheitswesen, bevor die Lücken unüberbrückbar werden

Einen schönen Tag Ihnen allen.
Gestatten Sie mir, zunächst der portugiesischen Gesundheitsministerin Ana Paula Martins dafür zu danken, dass sie uns hier nach Lissabon eingeladen hat.
Portugals Engagement für diese Thematik - als Land, das konsequent in Innovationen im Gesundheitswesen investiert hat - ist genau die Art von Führungsrolle, die diese Arbeit erst möglich macht. Obrigado, ministra.
Nun lassen Sie mich eine konkrete Zahl in den Raum stellen: 8 %.
Das ist der Anteil der Länder in der Europäischen Region der WHO, die über eine konkrete KI-Strategie für das Gesundheitswesen verfügen. Nur 8 %.
Dabei setzen bereits fast zwei Drittel dieser Länder KI in der Diagnostik ein. Und die Hälfte hat KI-gestützte Chatbots für Patienten eingeführt.
Das bedeutet, dass wir eine Technologie einführen, die das Gesundheitswesen und die Medizin, wie wir sie kennen, von Grund auf verändern wird - und dennoch verfügt nur jedes zwölfte Land über eine Strategie zur verantwortungsbewussten Regulierung dieser Technologie.
Diese Kluft - zwischen Einsatz und Regulierung - ist jetzt die entscheidende Herausforderung für KI im Gesundheitswesen. Und genau deshalb sind wir heute hier in Lissabon.
WHO/Europa hat vor Kurzem die bislang umfassendste Bewertung der KI-Bereitschaft in unseren 53 Mitgliedstaaten abgeschlossen. Die Ergebnisse sind eindeutig. 98 % der Mitgliedstaaten nennen die Verbesserung der Patientenversorgung als Hauptgrund für den Einsatz von KI. Und die Technologie funktioniert.
In Coimbra, hier in Portugal, hilft die KI-gestützte Bildanalyse Ärzten dabei, Erkrankungen des Brustkorbs und Knochenbrüche schneller zu erkennen, sodass sich die Wartezeiten in der primären Gesundheitsversorgung und in der Notfallversorgung verkürzen. Dank KI erhalten Patienten heute eine bessere Versorgung.
Doch der Stand der Regulierungsbemühungen in der Europäischen Region gibt wahrlich Anlass zur Sorge.
Denn nur jedes fünfte Land bietet Gesundheitsfachkräften vor Abschluss ihrer Ausbildung eine Schulung für den Umgang mit KI an.
Nur jedes vierte Land bietet Fortbildungen nach dem Eintritt ins Berufsleben an.
Weniger als die Hälfte hat geprüft, ob ihre rechtlichen Rahmenbedingungen zweckmäßig sind.
Und in fast 40 % der Länder gibt es nach wie vor überhaupt keine ethischen Leitlinien für den Einsatz von KI im Gesundheitswesen.
Doch je länger die Regulierung hinter dem Einsatz in der Praxis zurückbleibt, desto höher sind die menschlichen Kosten. Ein verzerrender Algorithmus kann bei einem echten Patienten zu einer falschen Diagnose führen - mit realen Folgen. Eine Gesundheitsfachkraft, die darauf geschult wurde, einem KI-System zu vertrauen, das sie nicht hinterfragen kann, ist nicht in der Lage, eigenverantwortlich zu handeln, was zu Fehlern führt, die außerhalb ihrer Kontrolle liegen. Und all dies untergräbt das Vertrauen der Öffentlichkeit in die Gesundheitssysteme im Allgemeinen.
Damit sich hier etwas ändert, müssen drei Dinge geschehen.
Erstens muss die Regulierung mit der Einführung in der Praxis Schritt halten. Jedes Land, das KI im Gesundheitswesen einsetzt, benötigt eine Strategie, Haftungsnormen und Schulungen für das Gesundheitspersonal, das diese Tools nutzt.
Zweitens sollte kein Land diesen Weg alleine gehen. Aus diesem Grund hat die WHO in Lissabon 37 Länder aus allen sechs WHO-Regionen an einen Tisch gebracht, um eine gemeinsame Grundlage zu schaffen und zu hören, was diese Länder tatsächlich benötigen, um KI im Gesundheitswesen für alle zugänglich zu machen.
Drittens kommt der portugiesischsprachigen Gemeinschaft eine konkrete und wesentliche Rolle zu. Portugal, Angola, Brasilien, Mosambik und ihre Partner verbindet mehr als nur eine gemeinsame Sprache, nämlich jahrzehntelange vertrauensvolle institutionelle Beziehungen, wissenschaftlicher Austausch und fachliche Zusammenarbeit. Das ist die Grundlage für den Fahrplan für die Zusammenarbeit der portugiesischsprachigen Länder im Bereich KI und Gesundheit, den wir auf dem Regionalen Gesundheitsgipfel 2028 in Brasilien präsentieren wollen.
Die Zukunft der KI im Gesundheitswesen wird nicht von Algorithmen bestimmt werden. Vielmehr werden die Rahmenbedingungen entscheidend sein, die wir jetzt schaffen, die Partnerschaften, die wir eingehen, und der politische Wille, den wir aufbringen, um sicherzustellen, dass diese Technologie allen zugutekommt - und nicht nur den Ländern und Bevölkerungsgruppen, die wohlhabend genug sind, sie nach ihren eigenen Vorstellungen zu gestalten.
Diese Arbeit beginnt hier. Heute. In Lissabon.
Ich danke Ihnen. Muito obrigado.
WHO - World Health Organization Regional Office for Europe published this content on July 15, 2026, and is solely responsible for the information contained herein. Distributed via Public Technologies (PUBT), unedited and unaltered, on July 16, 2026 at 20:06 UTC. If you believe the information included in the content is inaccurate or outdated and requires editing or removal, please contact us at [email protected]