The Office of the Federal President of Germany

07/03/2026 | Press release | Distributed by Public on 07/03/2026 01:09

Bundespräsident Steinmeier gratuliert zum 250. Jahrestag der …

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier gratuliert dem Präsidenten der Vereinigten Staaten von Amerika, Donald J. Trump, zum 250. Jahrestag der Unabhängigkeitserklärung. Der Bundespräsident schreibt:

Am 4. Juli 1776 setzten Revolutionäre in Philadelphia ihre Unterschrift unter ein Dokument, das die Geschichte verändern sollte. Sie erklärten als selbstverständlich, was damals keineswegs selbstverständlich war: dass alle Menschen mit gleichen und unveräußerlichen Rechten ausgestattet seien. Dieser Einladung zur Freiheit sind Generationen von Menschen gefolgt, weit über die Grenzen der Vereinigten Staaten hinaus.

Die Fähigkeit, Menschen unterschiedlicher Herkunft, Sprachen, Religionen und Kulturen zu einer Gemeinschaft zu vereinen, zeichnet die amerikanische Nation seit 250 Jahren aus. 'The pursuit of happiness', das Versprechen, des eigenen Glückes Schmied zu sein, hat enorme Kräfte in Ihrem Land entfaltet, hat Höchstleistungen in praktisch allen Bereichen menschlichen Strebens hervorgebracht, und zugleich die USA auf der Weltbühne zu einer Führungsmacht werden lassen - einer Führungsmacht nicht allein durch rohe Stärke, sondern durch Anziehungskraft.

Die Ideale des 4. Juli - Freiheit, Recht und Selbstbestimmung - haben Weltgeschichte geschrieben, und sie haben in ganz besonderer Weise mein Land und das Verhältnis zwischen unseren beiden Ländern geprägt.

Unsere Gesellschaften waren schon zur Zeit der Unabhängigkeitserklärung eng verbunden. Bereits am 5. Juli, einen Tag nach der Unterzeichnung, erschien die Übersetzung für die große deutschsprachige Bevölkerung in Pennsylvania. Deutsche Einwanderer wie General Friedrich Wilhelm von Steuben spielten eine wichtige Rolle in der jungen amerikanischen Armee, und Preußen gehörte 1785 zu den ersten Staaten, die die neue Republik offiziell anerkannten.

Weil Freiheit und Demokratie im Deutschland des 19. Jahrhunderts noch keine Wurzeln schlagen konnten, flohen viele Köpfe der Demokratiebewegung, insbesondere nach 1848, in die Vereinigten Staaten und bauten dort mit am demokratischen Gemeinwesen - als Pioniere der Frauenbewegung wie Mathilde Franziska Anneke, als Kämpfer im Bürgerkrieg gegen die Sklaverei wie Annekes Mann Fritz oder Franz Sigel, als Politiker wie Carl Schurz, als Verleger wie Adolph Ochs, Sohn jüdischer Eltern aus Landau und Fürth.

Auch die kulturelle Strahlkraft Amerikas zog schon früh deutsche Einwanderer an. 1847 verließ Levi Strauss seine bayerische Heimat Richtung San Francisco und machte seine Jeans zu einem Symbol amerikanischer Lebensart. Von Hollywood bis Harlem, von der NASA bis zum Silicon Valley setzt Amerika bis heute Maßstäbe. Auch der Spaß am Sport verbindet und inspiriert uns gegenseitig: So ist mittlerweile Deutschland Weltmeister im Basketball geworden, und die USA Gastgeber der Fußball-Weltmeisterschaft.

So wie Deutsche die amerikanische Republik im 19. Jahrhundert erbauen halfen, so undenkbar wäre Deutschlands Weg zur Demokratie im 20. Jahrhundert ohne die USA. Am Tiefpunkt der deutschen Geschichte, als die Nationalsozialisten Europa mit Tod, Gewalt und Diktatur überzogen, waren die USA ein Anker der Hoffnung, die buchstäbliche 'shining city on a hill'. Tausende, insbesondere Jüdinnen und Juden wie Albert Einstein oder Hannah Arendt, fanden in Ihrem Land Zuflucht vor dem Naziterror.

Dann ergriffen die Vereinigten Staaten das Heft des Handelns. Millionen GIs kämpften, um Europa vom Nazi-Joch zu befreien. Hunderttausende fielen. Wir verehren sie noch heute.

Anstatt Rache zu nehmen am besiegten Aggressor, gab Ihr Land den Menschen im Westen Deutschlands eine neue Chance auf Freiheit und Wohlstand. Wir nutzten sie. Mit vielfältiger US-amerikanischer Unterstützung wuchsen in der Bundesrepublik Rechtsstaat, Wirtschaftswunder und eine lebendige demokratische Kultur, die sich selbstkritisch mit der eigenen Geschichte auseinandersetzt. Auch in Osteuropa brach der Ruf nach Recht und Freiheit sich Bahn. Ronald Reagans 'Tear down this wall' ließen sich viele mutige Ostdeutsche nicht zweimal sagen. Sowohl der Neubeginn in Freiheit als auch die deutsche Wiedervereinigung sind ohne die USA schlicht undenkbar.

Die gemeinsame deutsch-amerikanische Geschichte bedeutet uns Deutschen viel. Sie verpflichtet uns. Sie schweißt uns zusammen im Bündnis der NATO, die mehr verteidigt als unsere Sicherheit - nämlich das 250-jährige Versprechen auf Freiheit, Recht und Selbstbestimmung.

Das Versprechen des 4. Juli ist niemals gänzlich eingelöst. Zwischen den hohen Idealen und der Wirklichkeit des politischen Alltags klafft immer eine Lücke, in jeder Demokratie. So verspricht denn die Präambel der US-Verfassung auch keine Perfektion, sondern das Streben nach einer 'more perfect union'. Auf die Richtung kommt es an. Für viele Menschen, in unseren beiden Ländern, gibt der 250. Geburtstag Anlass zu fragen: Stimmt die Richtung? Und die Antwort gibt nie ein einzelner, sondern das Volk von Freien und Gleichen. So wollten es die Revolutionäre von 1776. Defizite zu benennen, Fehler zu korrigieren - das war für sie keine Schwäche. Sondern das ist der Kern der Unabhängigkeitserklärung, und das zeichnet die Demokratie vor allen anderen Staatsformen aus, seit 250 Jahren. Mich erfüllt das bis heute mit Demut und mit Begeisterung zugleich.

Sehr geehrter Herr Präsident, unsere Völker verbindet eine enge Freundschaft. Ich blicke mit Dankbarkeit auf die Geschichte unserer Beziehungen und mit Hoffnung auf ihre Zukunft. Die Menschen in unseren beiden Ländern feiern am heutigen Geburtstag Freiheit, Recht und Demokratie. Und sie setzen auf ihre bleibende Kraft.

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