GEW - Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft

01/27/2026 | Press release | Distributed by Public on 01/27/2026 04:42

GEW: „Schluss mit der Arbeitgeberwillkür – her mit dem Tarifvertrag für…

Frankfurt a.M./Göttingen - Nach einer heute an der Universität Göttingen präsentierten Studie arbeiten studentische Beschäftigte an Hochschulen und Forschungseinrichtungen weiter unter besonders prekären Bedingungen. "Das ist Wasser auf die Mühlen der Bewegung für einen Tarifvertrag für studentische Beschäftigte", sagte Andreas Keller, Vorstandsmitglied für Hochschule und Forschung der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW), zu den Ergebnissen der Studie am Dienstag in Frankfurt a.M. "Zwar haben die Gewerkschaften in der jüngsten Tarifrunde 2023 den Ländern eine ,schuldrechtliche Vereinbarung' abgetrotzt, die für studentische Beschäftigte Mindestvertragslaufzeiten von einem Jahr vorsieht. Nun aber haben wir schwarz auf weiß, dass sich sehr viele Arbeitgeber an diese Vereinbarung, die anders als ein Tarifvertrag nicht individuell einklagbar ist, nicht halten. In 13 von 16 Bundesländern wird gerade einmal in gut der Hälfte der Arbeitsverträge die Mindestvertragslaufzeit eingehalten. Diesem Treiben wird die GEW nicht länger zusehen: Schluss mit der Arbeitgeberwillkür - her mit dem Tarifvertrag für studentische Beschäftigte!"

Es sei "skandalös", dass alle Bundesländer mit Ausnahme Berlins den bundesweit rund 300.000 studentischen Beschäftigten einen Tarifvertrag verweigern, unterstrich Keller. "Während die Regierungschefinnen und -chefs in Sonntagsreden Tariftreue und -bindung predigen, blockieren ihre Finanzministerinnen und -minister sowie Finanzsenatorinnen und -senatoren in der Tarifgemeinschaft deutscher Länder (TdL) eine Einigung mit den Gewerkschaften. Dabei kann die TdL nicht einmal sachliche Argumente gegen den Tarifvertrag vortragen. Sie spielt auf dem Rücken der studentischen Beschäftigten ein unanständiges Verantwortungs-Ping-Pong: Die Arbeitgeber verstecken sich hinter der Hochschulrektorenkonferenz (HRK), die angeblich strikt gegen einen Tarifvertrag sei. Die HRK sitzt bei den Tarifverhandlungen aber gar nicht mit am Tisch."

Die Studie, so Keller, lege außerdem offen, dass Hochschulen und Forschungseinrichtungen selbst gesetzlich verbürgte Arbeitnehmerrechte systematisch missachteten. "Mehr als einem Drittel der studentischen Beschäftigten wird der gesetzliche Urlaubsanspruch vorenthalten. Fast die Hälfte der Befragten leistet regelmäßig unbezahlte Mehrarbeit. Fast ein Viertel hat schon einmal eine Zeit lang ohne Bezahlung gearbeitet. Das sind Wild-West-Methoden, denen wir endlich einen Riegel vorschieben müssen", betonte der GEW-Experte.

Info: Die von Heiner Heiland (Universität Göttingen), Ann-Kathrin Hoffmann (Ruhr-Universität Bochum), Marvin Hopp (Universität Göttingen) und Nina Moya Schreieder (Humboldt-Universität zu Berlin) verfasste Studie "Jung, Akademisch, (immer noch) prekär. Studentische Erwerbsarbeit an Hochschulen und Forschungseinrichtungen" beruht auf einer Befragung von fast 6.000 studentischen Beschäftigten im Zeitraum von Juni bis Oktober 2025. Die Studie, die die GEW und ver.di gefördert haben, kann hier heruntergeladen werden.

Die GEW ruft für den 28. Januar bundesweit zum "Hochschulaktionstag"auf, an dem an über 60 Standorten Proteste stattfinden und an über 40 Hochschulen gestreikt wird.

GEW - Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft published this content on January 27, 2026, and is solely responsible for the information contained herein. Distributed via Public Technologies (PUBT), unedited and unaltered, on January 27, 2026 at 10:42 UTC. If you believe the information included in the content is inaccurate or outdated and requires editing or removal, please contact us at [email protected]