03/02/2026 | Press release | Distributed by Public on 03/02/2026 08:42
Zwischen Juni 1944 und April 1945 waren mehr als tausend Frauen im KZ-Außenlager in Limmer inhaftiert - darunter französische Résistance-Kämpferinnen, während des Warschauer Aufstands verhaftete Polinnen, Soldatinnen der Roten Armee, sowjetische Zivilistinnen sowie Romnija aus dem Baltikum. Ihr Alltag war geprägt von schwerer Zwangsarbeit, insbesondere bei Continental und den Brinker Eisenwerken, von Hunger, Krankheit, Gewalt und willkürlichen Bestrafungen durch die Bewacher*innen.
Viele der Überlebenden hatten nach ihrer Befreiung das Bedürfnis, über ihre Deportation und die Erfahrungen im Lager zu berichten. Nur wenige dieser persönlichen Zeugnisse wurden bislang vollständig oder überhaupt in deutscher Sprache veröffentlicht. Der Quellenband macht diese Stimmen nun - achtzig Jahre nach der Befreiung - erstmals in größerem Umfang zugänglich und gibt den Frauen, die Opfer des nationalsozialistischen Terrors wurden, eine späte, aber notwendige Öffentlichkeit.
Ergebnis jahrelanger Forschung
Das Buch ist das Ergebnis langjähriger Forschungen des Arbeitskreises "Ein Mahnmal für das Frauen-KZ in Limmer". Seit 2008 engagiert sich der Arbeitskreis ehrenamtlich für die Erforschung der Geschichte des ehemaligen Frauenlagers und für ein würdiges öffentliches Gedenken. Mit großer Ausdauer und Sorgfalt wurden Archive ausgewertet, Kontakte zu Zeitzeuginnen und ihren Angehörigen geknüpft und persönliche Berichte zusammengetragen. Die Publikation von Dralle, Waselowsky und Winter ist das Resultat dieser beharrlichen Recherchearbeit und macht die Stimmen der Frauen nun einer breiten Öffentlichkeit zugänglich.
Oberbürgermeister Belit Onay hebt in seinem einleitenden Grußwort die Bedeutung des Bandes hervor: "Zu lange war in unserer Stadt kaum bekannt, dass es auch in Hannover Konzentrationslager gab. Eines davon war das KZ-Limmer - ein Frauenlager. Die Erinnerungen der Überlebenden sind Zeugnisse unermesslichen Leidens, aber auch des Überlebenswillens und der Menschlichkeit unter grausamsten Bedingungen. Die Veröffentlichung dieses Buches ist deshalb ein wichtiges Zeichen: Sie gibt den damals inhaftierten Frauen ihre Stimmen zurück - und damit einen Teil ihrer Würde."
Ausdruck gelebter Erinnerungskultur
Onay würdigt zudem ausdrücklich die Arbeit des Arbeitskreises und der Autoren: "Diese Arbeit verdient unseren größten Respekt. Sie ist ein bedeutender Beitrag zur historischen Aufarbeitung und zur gelebten Erinnerungskultur in unserer Stadt." Die Landeshauptstadt sieht es als ihre Verantwortung, die Geschichte der nationalsozialistischen Verbrechen vor Ort sichtbar zu machen und ihre Aufarbeitung aktiv zu unterstützen.
"Erinnerung ist niemals abgeschlossen", so Onay. "Sie fordert uns immer wieder neu heraus: hinzusehen, zu verstehen und Verantwortung zu übernehmen - für eine Gesellschaft, in der Menschenwürde, Demokratie und Menschlichkeit selbstverständlich bleiben."
"Mit diesem Buch schließen wir eine schmerzliche Lücke in der lokalen Erinnerungskultur", betont Dr. Binner, Direktor des ZeitZentrum Zivilcourage. "Die Berichte der Frauen sind eindringliche Mahnungen und zugleich unverzichtbare Quellen für die historische Forschung und die politische Bildung."
Das Buch versteht sich ferner als inhaltlicher Vorlauf zum geplanten Gedenkort auf dem Gelände des ehemaligen KZ Limmer der Continental in der heutigen Wasserstadt in Limmer.
Buchvorstellung am 14. April 2026
Das ZeitZentrum Zivilcourage der Landeshauptstadt Hannover und der Arbeitskreis KZ Limmer laden ein zur öffentlichen Buchvorstellung und Lesung am
Dienstag, 14. April 2026, 18 Uhr
im ZeitZentrum Zivilcourage,
Theodor-Lessing-Platz 1a
Mitwirkende des Abends sind die Herausgeber Horst Dralle, Matthias Waselowsky und Sebastian Winter sowie Mitglieder des Arbeitskreises KZ Limmer, die Einblicke in ihre langjährige Forschungsarbeit geben und ausgewählte Texte vorstellen.
Das Buch ist ab sofort im Buchhandel erhältlich.
Horst Dralle, Matthias Waselowsky, Sebastian Winter (Hrsg.): »… nichts wird wie vorher sein.« Ehemalige Gefangene des KZ-Außenlagers Conti-Limmer in Hannover berichten (=Schriften zur Erinnerungskultur in Hannover, Band 11) Aschendorff Verlag, Münster; März 2026; 488 Seiten;
29,90 EURO; ISBN: 978-3-7395-1545-8