German Federal Government

02/06/2026 | Press release | Archived content

„Großes Potenzial an Gemeinsamkeiten“

Er erkenne ein immer größer werdendes Potenzial an Gemeinsamkeiten, sagte der Kanzler bei seinem Besuch.

Foto: Bundesregierung/Guido Bergmann

"Deutschland hat hier ein sehr hohes Ansehen, auch weil wir ein guter Investitionsstandort sind", sagte Bundeskanzler Friedrich Merz in Abu Dhabi. Es seien stark ansteigende Investitionszahlen und eine deutlich steigende Auftragslage in vielen Unternehmen zu sehen. Zum Abschluss seiner Reise an den Golf traf der Bundeskanzler den Präsidenten der Vereinigten Arabischen Emirate (VAE), Mohammed bin Zayed. Wie schon zuvor die Gespräche in Saudi-Arabien und Katar, habe auch sein Besuch in Abu Dhabi ermutigende Signale und ein großes Potenzial für die Zusammenarbeit gezeigt.

Das Wichtigste in Kürze:

  • Bilaterale Beziehungen: Was in einer Welt großer Unsicherheiten vor allem gesucht werde, sei Verlässlichkeit in den bilateralen Beziehungen, so Bundeskanzler Merz. "Das kann ich aus Deutschland anbieten." Es werde sehr stark auf Deutschland geschaut - und das Land sei bereit, gemeinsam mit den europäischen Partnern Führung in der Europäischen Union zu übernehmen.
  • Wirtschaftliche Zusammenarbeit: Der Bundeskanzler wies in Abu Dhabi darauf hin, dass Deutschland bereit sei, auch außenwirtschaftspolitisch enger zusammenzuarbeiten - bis hin zu einem möglichen Freihandelsabkommen mit den VAE. Die Verhandlungen dazu würden stattfinden.
  • Stabilität in der Region und darüber hinaus: Mit Präsident bin Zayed sprach der Bundeskanzler ausführlich über die Gespräche zwischen Russland, der Ukraine und den USA in Abu Dhabi und legte ihm seine persönliche Sicht der Dinge dar. Zudem waren Iran, Sudan und Jemen Thema, wo die Emirate ebenfalls eine wichtige Rolle spielen würden.

Sehen Sie hier das Pressestatement im Video:

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Kein Video vorhanden.

Video Statement des Kanzlers in Abu Dhabi

Lesen Sie hier die Mitschrift der Pressekonferenz:

Bundeskanzler Friedrich Merz:

Meine Damen und Herren, vielen Dank für Ihr Interesse! Ich freue mich, dass ich die vorletzte Station meines Besuches beim Unternehmen ADNOCmachen kann, nachdem ich gerade eben ein sehr ausführliches, langes, sehr gutes Treffen mit dem Präsidenten hatte. Ich muss sagen, dass es für mich ein eindrucksvoller Besuch ist, auch auf der dritten Station meiner Reise in die Golfstaaten nach den ersten beiden Stationen, jetzt heute in Abu Dhabi.

Ich bekomme hier auch Eindrücke über Deutschland wiedergegeben, die mich persönlich sehr optimistisch stimmen, die mir auch zeigen, welches große Potenzial wir in Deutschland haben, auch im Hinblick auf ausländische Investitionen in Deutschland, aber auch deutsche Investitionen in diesem Teil der Welt. Deutschland hat hier ein sehr hohes Ansehen, auch weil wir ein guter Investitionsstandort sind.

Wir sehen es mittlerweile in den Zahlen, die, offen gestanden, auch mich etwas überraschen, nämlich damit, dass wir über den Jahreswechsel 2025/2026 so stark ansteigende Investitionszahlen, aber auch eine so deutlich steigende Auftragslage in sehr vielen Unternehmen sehen. Das sind Zahlen, die mich freuen, die mich aber auch gleichzeitig ermutigen und ermuntern, auf diesem Weg der Reformen und der Veränderungen der Bedingungen für Investitionen, der Bedingungen für Arbeitsplätze in Deutschland weiterzugehen. Wir sind noch längst nicht dort, wo wir hinwollen, aber wir sind auf einem richtigen Weg. Das ist, muss ich sagen, für mich auch eine Bestätigung aus diesen Gesprächen hier, die ich in Riad in Saudi-Arabien geführt habe, aber auch in Doha im Land Katar und heute in diesem Land hier, in den Vereinigten Arabischen Emiraten, in Abu Dhabi. Das sind ermutigende Signale, und das zeigt mir, welches große Potenzial wir haben. Es wird sehr stark auf Deutschland geschaut, und es wird von Deutschland erwartet, dass wir auch ein gehöriges Maß an Führung in der Europäischen Union übernehmen. Ich habe von meiner Seite aus in allen Gesprächen gesagt, dass ich zusammen mit den europäischen Partnern dazu bereit bin, dies zu tun.

Was in einer Welt großer Unsicherheiten vor allem gesucht wird, ist Verlässlichkeit, Stetigkeit auch in den bilateralen Beziehungen. Das kann ich aus Deutschland anbieten. Wir sind ein Land, das verlässlich ist. Wir sind ein Land, das bereit ist, auch außenwirtschaftspolitisch enger zusammenzuarbeiten, bis hin zu einem möglichen Freihandelsabkommen mit den Vereinigten Arabischen Emiraten. Die Verhandlungen finden in diesen Staaten statt, auch hier in Abu Dhabi.

In Abu Dhabi finden Gespräche zwischen Russland, der Ukraine und den Vereinigten Staaten von Amerika statt. Ich habe gerade mit dem Präsidenten sehr ausführlich auch darüber gesprochen, ihm unsere, meine persönliche Sicht der Dinge dargelegt, und wir haben zugleich über Iran, Sudan und Jemen gesprochen, wo die Vereinigten Arabischen Emirate ebenfalls eine wichtige Rolle spielen.

Ich erkenne ein immer größer werdendes Potenzial an Gemeinsamkeiten. Aber ich erkenne auch das Potenzial für Frieden, Freiheit und Stabilität, das aus dieser Region heraus in die benachbarten Regionen gegeben werden kann. Insofern, muss ich sagen, schließt sich heute Nachmittag mit diesem Unternehmensbesuch hier und einem weiteren danach ein Besuch für mich ab, der vielleicht sogar zu den wichtigsten Besuchen zählt, die ich in den letzten Monaten gemacht habe, und der auch weitreichende Folgen in der Zusammenarbeit und auch in der wirtschaftlichen Entwicklung unserer beiden Regionen haben wird.

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Frage: Herr Bundeskanzler, Sie haben die lokalen Verhandlungen der letzten beiden Tage hier in Abu Dhabi erwähnt. Da waren die Europäer ja jetzt nicht mit dabei. Halten Sie es für ein Problem, dass die Europäer bei den Verhandlungen jetzt wieder an der Seitenlinie stehen?

Im Zusammenhang damit: Der außenpolitische Berater des französischen Präsidenten war jetzt in Moskau, um Gespräche mit Putin vorzubereiten. Was halten Sie von dieser Initiative? Wären Sie bereit, auch direkt mit Putin zu reden?

Bundeskanzler Merz: Ich hatte das schon bei anderer Gelegenheit gesagt: Die Tatsache, dass der außenpolitische Berater von Präsident Macron in Moskau gewesen ist, ist mit uns eng abgestimmt gewesen. Wir haben darüber schon seit längerer Zeit gesprochen.

Wir sind natürlich immer bereit, auch mit Russland Gespräche zu führen. Im Augenblick werden mit uns abgestimmte Gespräche hier in Abu Dhabi geführt, wie gesagt, zwischen dem amerikanischen Beauftragten der ukrainischen Regierung und der russischen Regierung. Wenn wir dazu beitragen können, diese Gespräche noch besser zu machen, noch erfolgreicher zu machen, dann tun wir das. Aber wir werden hier keine parallelen Gesprächskanäle öffnen.

Wir alle haben ein Ziel: Wir wollen so schnell wie möglich diesen Krieg gegen die Ukraine beendet sehen. Der Schlüssel dazu liegt in Moskau. Wir werden die Ukraine weiter unterstützen, aber wir sind selbstverständlich auch zu Gesprächen bereit, und wir beteiligen uns an allen vorbereitenden und nachbereitenden Gesprächen. Gehen Sie davon aus, dass auch meine Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter - vor allen Dingen mein außenpolitischer Berater - in engstem Kontakt mit allen Delegationen stehen.

Frage: Herr Bundeskanzler, der französische Präsident hat ja klargemacht, dass er perspektivisch an einem direkten Gespräch mit Präsident Putin interessiert ist. Sehen Sie zum jetzigen Zeitpunkt in solchen direkten europäischen Gesprächen mit dem russischen Präsidenten einen Sinn?

Bundeskanzler Merz: Ich will einmal daran erinnern, dass einer der Staats- und Regierungschefs der Europäischen Union gleich zu Beginn seiner Ratspräsidentschaft ohne jede Abstimmung innerhalb der Europäischen Union auf eigene Veranlassung hin nach Moskau gereist ist und dort Gespräche geführt hat, weil er geglaubt hat, er könnte sie schneller zu einem Erfolg bringen als die Gespräche, die seitdem und bis heute geführt werden. Das Ergebnis waren wenige Tage nach diesem Besuch heftigste Bombardements bis hin zum Bombardement eines Kinderkrankenhauses in Kiew. Ich möchte keine Gespräche führen, die zu solchen Ergebnissen führen, sondern ich möchte alle Gespräche unterstützen, die dem Ziel dienen, diesen Krieg zu beenden. Wenn wir dazu aus europäischer Sicht beitragen können, dann tun wir das, aber wir tun es nur miteinander abgestimmt, wir tun es nur auch mit der Ukraine abgestimmt, wir tun es mit Amerika abgestimmt. Wenn sich dann zusätzliche Optionen eröffnen, dann sind wir die Letzten, die dazu Nein sagen. Aber wir werden sicher keine unabgestimmten Einzelmaßnahmen ergreifen, die zum Gegenteil dessen führen, was wir alle gemeinsam erreichen wollen.

Frage: (auf Englisch, ohne Dolmetschung)

Bundeskanzler Merz: Ich kann Ihnen sagen, Frau Küfner, dass alle meine Gesprächspartner - insbesondere mein heutiger Gesprächspartner hier, nicht zuletzt aufgrund der engen räumlichen Nähe - über die Lage im Iran hoch besorgt sind und dass es intensivste diplomatische Bemühungen gibt, den Iran dazu zu bewegen, die Feindseligkeiten gegen die eigene Bevölkerung einzustellen, das Atomprogramm zu beenden und an einen Verhandlungstisch zurückzukehren, an dem über Frieden und Stabilität in der gesamten Region verhandelt wird. Die Gesprächspartner, die ich in Riad hatte, die ich in Doha hatte und die ich heute hier in Abu Dhabi habe, sind Gesprächspartner, die alle in sehr intensiver Weise darum bemüht sind, zusammen mit Amerika zu ermöglichen, dass das Regime in Teheran zur Vernunft kommt und vor allen Dingen an den Verhandlungstisch zurückkehrt. Die Besorgnis ist sehr, sehr hoch.

Was Putin betrifft, gibt es eine Einschätzung, die wir hier teilen: Der Schlüssel zur Beendigung des Krieges liegt in Moskau. Wenn es Möglichkeiten gibt, die Verhandlungen zu intensivieren, dann werden diese Möglichkeiten zurzeit von allen Beteiligten ausgeschöpft. Ich sehe allerdings auch die sehr starre Haltung Russlands und die vollkommen fehlende Bereitschaft des russischen Staatspräsidenten, diesen Krieg zu beenden. Von daher tun wir alles, um Fortschritte zu erzielen. Wir sehen aber im Augenblick einen größtmöglichen Widerstand aus Russland, hier zu konstruktiven Gesprächen oder gar Vereinbarungen zu kommen.

Vielen Dank!

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