02/06/2026 | Press release | Distributed by Public on 02/06/2026 03:51
Neubrandenburg, Rostock, Schwerin (IHKs in MV/PM). Die neue DIHK-Digitalisierungsumfrage zeigt: viele Unternehmen stellen sich den Herausforderungen des digitalen Wandels, doch Bürokratie, langsames Netz und zunehmender Aufwand für Krisenvorsorge bremsen die Entwicklung. Laut der aktuellen Digitalisierungsumfrage der deutschen Industrie- und Handelskammern unter Teilnahme von knapp 5.000 Unternehmen bleibt der Handlungsbedarf für die Wirtschaft wie im Vorjahr insbesondere bei Infrastruktur, digitaler Verwaltung und Cybersicherheit ungebrochen hoch.
Vielzahl der Herausforderungen bremst eine schnelle Digitalisierung
Die Digitalisierung in Deutschland kommt voran - aber zu langsam. Die Umfrageergebnisse zeigen, dass die Digitalisierung vor allem als Mittel zur Effizienzsteigerung und Kostensenkung genutzt wird - nicht aber als Innovationsmotor.
73 Prozent der Unternehmen aus MV beabsichtigen durch Digitalisierung ihre Arbeitsprozesse effizienter zu gestalten, 65 Prozent erhoffen sich Kosteneinsparungen und 64 Prozent streben eine Qualitätsverbesserung an. Die Digitalisierungsgründe sind mit den Befragungsergebnissen auf Bundesebene vergleichbar. Die größten Herausforderungen bleiben bundesweit Zeit (60 Prozent), Komplexität (54 Prozent) und Geld (42 Prozent). Für Unternehmen in MV stellen die Sicherheitsrisiken (48 Prozent) eine weitere besondere Herausforderung dar. Die überwiegend kleinteilige Wirtschaft in MV signalisiert hier einen gleichbleibend hohen Unterstützungsbedarf durch Beratung und Investitionsförderung.
KI braucht Bandbreite: Infrastrukturausbau beschleunigen
Künstliche Intelligenz ist als Produktivitätsfaktor in den Betrieben angekommen. 41 Prozent der Unternehmen, die KI schon praktisch einsetzen, bewerten den Produktivitätseffekt als hoch. Am häufigsten wird generative KI von der deutschen Wirtschaft zur Erstellung von Texten, Bildern oder Codes genutzt (78 Prozent), gefolgt von Anwendungen für personalisierte Kundenansprache und Kundensupport (43 Prozent) sowie für Qualitätssicherung und Prozessüberwachung (38 Prozent). Im Vergleich zum Vorjahr nimmt der Einsatz von KI für Qualitätssicherung und Prozessüberwachung deutlich zu. Auch die Entwicklung und Optimierung von Produkten gewinnt an Bedeutung, insbesondere in der Informations- und Kommunikationsbranche sowie in der Industrie.
Doch der Erfolg von KI und Cloud-Anwendungen hängt direkt an der Datenleitung: Nur 74 Prozent der Unternehmen sind aktuell zufrieden mit der Verfügbarkeit und Bandbreite ihres Internetanschlusses.
Demgegenüber steigt der Bedarf an Gigabitanschlüssen durch den zunehmenden Einsatz von Cloud-Lösungen, häufig eine wichtige Voraussetzung von KI-basierten Prozessen, in rasantem Tempo. Aber langwierige, analoge Genehmigungsverfahren bremsen den weiteren Glasfaserausbau massiv aus. Die bundesweit bei den privaten Verbrauchern verhaltene Marktakzeptanz von Glasfaseranschlüssen hemmt zusätzlich die Investitionsbereitschaft der Telekommunikationsanbieter. Am Markt verfügbare, auf Kupferkabeln basierte DSL-Anschlüsse reichen den meisten Verbrauchern und sind preisgünstiger als die Glasfaseranschlüsse. In MV gaben 33 Prozent der Unternehmen an, über einen Gigabitanschluss zu verfügen. Der prioritäre und beschleunigte Anschluss von insbesondere Gewerbe- und Industriegebieten an das Glasfasernetz sollte fortgeführt werden.
Digitale Verwaltung als Bremsklotz
Die Unternehmen stellen der öffentlichen Verwaltung in Deutschland ein schlechtes Zeugnis aus: Die Note "4 minus" verdeutlicht, dass der Staat mit dem Tempo der Privatwirtschaft nicht Schritt hält. Die Wirtschaft fordert daher ein plattformbasiertes Verwaltungsökosystem und durchgängig digitale Verfahren, um die Standortqualität und Wettbewerbsfähigkeit nicht weiter zu gefährden. Die Politik muss nach vielen Jahren der Lippenbekenntnisse endlich ins Handeln kommen, die angekündigten Entlastungen kommen bei der Wirtschaft nicht an, hemmen die digitale Transformation.
Cyberrisiken auf Rekordniveau
Mit der voranschreitenden Digitalisierung wachsen die Angriffsflächen für Unternehmen. Die Bedrohungslage bleibt extrem hoch, auch weil Angriffe immer professioneller werden, geopolitische Spannungen zunehmen. Während Präventionsmaßnahmen steigen, zeigt die Umfrage, dass die Krisenvorsorge für den Ernstfall insbesondere bei kleineren Betrieben noch ausbaufähig ist. Passgenaue Unterstützungsangebote, beispielsweise für die Entwicklung von Notfall- und Krisenplänen, wären ein geeignetes Hilfsmittel, um den Unternehmen Hilfen bei der Etablierung eines Krisenmanagementsystems anzubieten.
Investitionsförderung für Schlüsseltechnologien wichtig
Um den Anschluss nicht zu verlieren, verlangt die Wirtschaft gezielte Investitionsanreize. Digitale Transformationsprojekte erfordern viel Zeit und Geld. Es bedarf einer niedrigschwelligen Förderung von Schlüsseltechnologien für klein- und mittelständische Unternehmen.
Der Appell der Unternehmen an die Politik ist unmissverständlich: Weniger Bürokratie, mehr Tempo beim Netzausbau und eine moderne Verwaltung. Das Motto der Wirtschaft lautet: "Endlich mal machen!".
Die Ergebnisse der Digitalisierungsumfrage beziehen sich auf die Datengrundlage der bundesweiten Auswertung der DIHK, aus MV beteiligten sich 128 Unternehmen. Zu den DIHK-Umfrageergebnissen geht es hier.
Hintergrund
Die Industrie- und Handelskammern in Mecklenburg-Vorpommern
Unter dem Namen "IHKs in MV" haben sich die drei Industrie- und Handelskammern in Neubrandenburg, Rostock und Schwerin als Arbeitsgemeinschaft zusammengeschlossen. Sie vertreten rund 85.000 Unternehmen, die etwa 500.000 Mitarbeiter beschäftigen. Ungefähr 3.700 Unternehmerinnen und Unternehmer engagieren sich ehrenamtlich in den drei IHKs. Die Geschäftsführung der IHKs in MV obliegt für die Dauer von zwei Jahren rotierend jeweils einer der drei IHKs: Seit dem 1. Februar 2025 der IHK Neubrandenburg für das östliche Mecklenburg-Vorpommern.
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