German Federal Chancellor

07/16/2026 | Press release | Distributed by Public on 07/16/2026 09:59

Wirtschaftliche Zusammenarbeit weiter vertiefen

Algerien und Deutschland verbinde eine lange Geschichte, sagte Bundeskanzler Merz in einer gemeinsamen Pressekonferenz beim Besuch des algerischen Staatspräsidenten Abdelmadjid Tebboune in Berlin. Zudem hob der Kanzler die Energiepartnerschaft mit Algerien hervor: "Algerien verfügt über bedeutende Rohstoffvorkommen, darunter Erdgas, Erdöl und auch seltene Erden." Das Land habe in den letzten Jahren einen sehr wichtigen Beitrag zur Energieversorgungssicherheit Europas geleistet und war zweitgrößter Pipelinegaslieferant der Europäischen Union. Man wolle auch den Export von Wasserstoff aus Algerien weiter voranbringen - gemeinsam mit Italien mit der Fortentwicklung eines südlichen Wasserstoffkorridors.

Wirtschaftliche Zusammenarbeit weiter stärken

Verschiedene Vereinbarungen zwischen deutschen und algerischen Unternehmen wurden anlässlich des Besuchs getroffen. "Wir sind uns darin einig, dass wir unsere wirtschaftliche Zusammenarbeit weiter stärken wollen", so der Kanzler. Das haben Deutschland und Algerien auch in einer Gemeinsamen Erklärung über eine strategische Agenda der bilateralen Partnerschaft zum Ausdruck gebracht. Beide Länder wollen unter anderem das Investitionsklima und die Rechtssicherheit weiter verbessern, um die bilateralen Handels- und Investitionsbeziehungen weiter zu stärken.

Sehen Sie hier die Pressekonferenz:

Lesen Sie hier die Mitschrift der Pressekonferenz:

Bundeskanzler Merz:

Meine Damen und Herren, herzlich willkommen! Ich freue mich sehr, dass ich heute den algerischen Präsidenten in Berlin willkommen heißen darf. Herr Tebboune, herzlich willkommen im Bundeskanzleramt! Unsere beiden Länder, Deutschland und Algerien, verbindet eine lange Geschichte. Seit dem Jahr 1898 gibt es eine Auslandsvertretung in Algier. Seit mehr als 60 Jahren fördert das Goethe-Institut den Austausch zwischen den Menschen in Algerien und in Deutschland. Wir wollen diesen Austausch fortsetzen, beispielsweise auch über unsere politischen Stiftungen. Im Nationalmuseum in Cherchell arbeiten deutsche und algerische Fachleute gemeinsam daran, das archäologische Erbe des Landes zu erforschen, zu restaurieren und zu bewahren.

Gemeinsam - darüber haben wir ausführlich gesprochen - ist uns das Interesse an Stabilität in der Region, nicht zuletzt im Blick auf das benachbarte Sahel.

Wir sind uns darin einig, dass wir unsere wirtschaftliche Zusammenarbeit weiter stärken wollen. Wir haben eine ganze Reihe von Vereinbarungen zwischen deutschen und algerischen Unternehmen gesehen, die anlässlich Ihres Besuches, Herr Staatspräsident, unterzeichnet worden sind. Wir wollen hieran anknüpfen und haben auch über weitere Verbesserungen beim Investitionsklima und der Rechtssicherheit sowie über verlässliche, transparente Abläufe gesprochen. Dies haben wir auch in einer gemeinsamen Erklärung, die Ihnen vorliegt, so bekräftigt.

Zweites Thema war die Energie- und Rohstoffzusammenarbeit. Algerien verfügt über bedeutende Rohstoffvorkommen, darunter Erdgas, Erdöl und auch seltene Erden. So hat Algerien in den letzten Jahren schon einen sehr wichtigen Beitrag zur Energieversorgungssicherheit Europas geleistet. Das Land war zum Beispiel der zweitgrößte Pipelinegaslieferant der Europäischen Union. Wir wollen auch den Export von Wasserstoff zwischen Algerien und Europa, zwischen Algerien und Deutschland weiter voranbringen. Wir werden dafür gemeinsam mit Italien die Entwicklung eines südlichen Wasserstoffkorridors vorantreiben.

Wir haben schließlich, drittens, über die aktuelle regionale und geopolitische Lage gesprochen. Ich habe dem Herrn Präsidenten in diesem Zusammenhang auch unsere Haltung zum Krieg in der Ukraine erläutert. Wir werden und wir wollen den Druck auf Russland erhöhen, damit es sich endlich auf Friedensverhandlungen einlässt.

Erlauben Sie mir, aus aktuellem Anlass zu sagen: Wir haben kurz vor Ihrem Besuch mit großer Bestürzung die Nachricht von dem Brand in einem Waisenhaus in der Nähe von Algier erhalten. Unter den Toten und Verletzten sind auch viele Kinder. Herr Präsident, ich möchte Ihnen und Ihrem Land namens der Bundesrepublik Deutschland meine tiefe Anteilnahme aussprechen und Sie bitten, dies auch den Familien der Opfer so weiterzugeben.

In diesem Sinne noch einmal sehr herzlichen Dank für Ihren Besuch.

Präsident Tebboune:

Vielen Dank, sehr geehrter Herr Bundeskanzler. Erlauben Sie mir, dass ich, bevor ich hier meine Rede vor der Presse halte, all den Familien, deren Kinder in diesem Brand, der in einem Waisenhaus in der Hauptstadt Algeriens stattfand, ihr Leben lassen mussten, hier öffentlich meine Beileidsbekundung ausspreche. Möge Gott ihren Seelen gnädig sein. Ich hoffe, dass all jene, die schwere Verletzungen davongetragen haben, bald wieder genesen sein mögen.

Sehr geehrter Herr Bundeskanzler, ich denke, dass unser beider Zusammenkommen hier in Deutschland angesichts der engen politischen und wirtschaftlichen Beziehungen zwischen unseren beiden Ländern, zwischen Deutschland und Algerien, heute ein ganz natürlicher Zustand ist. Uns verbinden sehr viele Punkte. Es gibt eine qualitative Veränderung innerhalb unserer Wirtschaften. Die Deutschen haben wir mit Energie versorgt. Wir versorgen aber nicht nur Deutschland, sondern Europa als Ganzes mit Gas. Wir möchten ein vertrauenswürdiger Lieferant von Gas sein. Wir kommen unseren Lieferverpflichtungen immer nach, sowohl gegenüber den Anrainerstaaten des Mittelmeeres als auch gegenüber Europa im Allgemeinen.

Dieser Besuch hier hatte zum Zweck, die bilateralen Beziehungen zwischen Algerien und der mit uns eng befreundeten Bundesrepublik Deutschland im Bereich der Wirtschaft, im Bereich der Sicherheitszusammenarbeit und im Bereich der Politik zu intensivieren. Ich möchte hier auf den südlichen Wasserstoffkorridor als Leuchtturmprojekt verweisen, welches eine wichtige Rolle für erneuerbare Energien und deren Ausbau spielt. Wir sind sehr dankbar für die Unterstützung Deutschlands bei diesem Projekt.

Es gibt viele große Projekte, die gerade gemeinsam durchgeführt werden. Hierbei spielt Deutschland eine wichtige Rolle. Deutsche Unternehmen sind in Algerien mehr und mehr präsent. Jedes Jahr werden es mehr. Wir haben einen One-Stop-Shop eingerichtet, um ausländische Direktinvestitionen zu erleichtern. Mehr als 900 Millionen Dollar an Investitionen konnten wir auf diese Art und Weise einwerben.

Wir haben auch über die Zusammenarbeit im Sicherheitsbereich gesprochen und sind dort in die Details gegangen.

Ich glaube, es gibt keine nennenswerten Schwierigkeiten in unseren Beziehungen. Die Beziehungen zwischen unseren beiden Ländern sind sehr, sehr gut. - Vielen Dank.

Frage:

Herr Bundeskanzler, wie schätzen Sie die Perspektiven für die deutsch-algerische Zusammenarbeit ein, insbesondere im Bereich der Investitionen, wo Algerien neue Dynamik entfaltet?

Bundeskanzler Merz:

Vielen Dank für die Frage. - Ich habe dem Präsidenten gesagt, dass Deutschland sehr daran interessiert ist, die wirtschaftlichen Beziehungen zwischen Deutschland und Algerien auf ein neues Niveau zu heben, sie deutlich zu verbessern. Ich habe die Themen angesprochen, nämlich die Rohstoffe, die Automobilindustrie, weitere Rüstungs- und Ausrüstungsinvestitionen und die Energiepolitik. Wir haben ein großes Interesse daran, mit Algerien auch enge Wirtschaftsbeziehungen in der Energiepolitik weiterzuentwickeln. Wir haben das Thema Wasserstoff besprochen. Ich habe die Wasserstoffverbindung angesprochen, die durch das Mittelmeer über Italien nach Deutschland geführt werden soll. Dies sind hochinteressante Projekte für beide Seiten, und wir haben die Verabredung getroffen, dass wir mit Italien zusammen dieses Projekt, aber auch andere bilaterale Projekte in den nächsten Monaten energisch weiter vorantreiben; denn wir haben ein gegenseitiges Interesse daran, die wirtschaftlichen Beziehungen zwischen unseren beiden Ländern nachhaltig zu verbessern.

Frage:

Herr Bundeskanzler, eine kurze Frage zum anstehenden deutsch-französischen Treffen: Beide Länder leiten heute in Nörvenich die Nuklearkooperation ein. Welche Bedeutung hat diese Zusammenarbeit, und inwieweit hat Deutschland da Mitspracherechte?

Herr Präsident, es gibt Bitten, den französischen Sportjournalisten Christophe Gleizes zu begnadigen. Erwägen Sie, dem nachzukommen?

Bundeskanzler Merz:

Ich will dem Ergebnis der deutsch-französischen Regierungskonsultationen, die heute Nachmittag beginnen und bis morgen Nachmittag andauern, nicht vorgreifen. Wir werden sehr umfassend über alle verteidigungspolitischen, aber auch über wirtschaftspolitische strategische Gemeinsamkeiten sprechen. Ich erlaube mir, in diesem Zusammenhang auf das Abschlusskommuniqué zu verweisen, das wir morgen zu verschiedensten Themen publizieren werden. Sehen Sie mir nach, wenn ich jetzt vor Beginn der Beratungen nicht in die Details gehe. Wir werden morgen auch einen Teil der Konsultationen im Rahmen des deutsch-französischen Sicherheits- und Verteidigungsrats auf dem Flughafen in Nörvenich abhalten. Insofern werden wir über viele Fragen miteinander sprechen, die das traditionell gute deutsch-französische Verhältnis noch einmal vertiefen.

Präsident Tebboune:

Aus Respekt vor dem algerischen Justizsystem möchte ich nicht auf diese Frage antworten, außer auf algerischem Boden. Ich bin gerade in Deutschland, nicht in Algerien, darum beantworte ich diese Frage nicht.

Frage:

Herr Präsident, gestern haben wir Ihre Erklärung zur Zusammenarbeit mit Deutschland gehört. In welchen Sektoren soll die Zusammenarbeit prioritär ausgebaut werden? Kann diese Zusammenarbeit als strategisch bezeichnet werden?

Präsident Tebboune:

Vielen Dank für diese Frage. - Es besteht kein Zweifel daran, dass es sich hier um eine strategische Partnerschaft handelt; das sagen wir immer wieder. Seit unserer Unabhängigkeit im Jahre 1960 bis zum heutigen Tag haben wir starke, gute Beziehungen mit Deutschland, die keine Konflikte verursachen wird. Wir sprechen davon, die Beziehungen zu verbessern, obwohl sie bereits gut sind.

Natürlich können wir die Zusammenarbeit auch in weiteren Bereichen ausbauen, etwa in der Produktion von sehr spezialisierten Medikamenten. Vielleicht haben Sie mitbekommen, dass wir vor Kurzem den Grundstein für ein Institut für die Behandlung von Zellen mit genetischen Methoden gelegt haben. Das ist ein Bereich, in dem Deutschland weltweit führend ist.

Wir stützen uns auf unsere Freundschaft mit der Bundesrepublik Deutschland, um solche Projekte durchzuführen, die am Ende beiden Ländern zum Vorteil gereichen. Es sind sehr gute Beziehungen und es ist eine sehr gute Zusammenarbeit.

Frage:

Herr Bundeskanzler, Ihr Fraktionschef Jens Spahn und sein Ehemann sind per Leihmutterschaft in den USA Eltern geworden- ein Weg, der in Deutschland nicht möglich wäre und den auch Ihre CDU per Parteitagsbeschluss abgelehnt hat. Das ist mittlerweile also nicht mehr nur ein privates Thema, sondern es gibt auch eine politische Debatte dazu. Wie stehen Sie dazu, auch zur Leihmutterschaft generell? Haben Sie Herrn Spahn eigentlich gratuliert?

Bundeskanzler Merz:

Sie werden mir nachsehen, dass ich in Gegenwart eines hochrangigen Gastes zu diesen innenpolitischen Themen hier nur kurz Stellung nehme: Ich bin bereits am letzten Freitag von Jens Spahn darüber informiert worden, dass er und sein Mann Eltern werden. Ich habe ihm dazu gratuliert.

German Federal Chancellor published this content on July 16, 2026, and is solely responsible for the information contained herein. Distributed via Public Technologies (PUBT), unedited and unaltered, on July 16, 2026 at 15:59 UTC. If you believe the information included in the content is inaccurate or outdated and requires editing or removal, please contact us at [email protected]