Diese Erklärung wurde von Olivér Várhelyi, EU-Kommissar für Gesundheit und Tierwohl, Regina De Dominicis, Regionaldirektorin für Europa und Zentralasien des Kinderhilfswerks der Vereinten Nationen (UNICEF), und Dr. Hans Henri P. Kluge, WHO-Regionaldirektor für Europa, unterzeichnet.
Brüssel, Kopenhagen, Genf, 20. April 2026
Zu Beginn der 20. Europäischen Impfwoche würdigen wir die unglaublichen Fortschritte der letzten beiden Jahrzehnte im Impfwesen zum Schutz der Gesundheit der Menschen und rufen zu entschlossenem Handeln und verstärktem Engagement auf, um diese Fortschritte auch in den kommenden Jahren aufrechtzuerhalten.
2007 wurde die Europäische Impfwoche in den 53 Ländern Europas und Zentralasiens eingeführt, um für die Notwendigkeit und für das Recht eines jeden Kindes auf Schutz vor impfpräventablen Krankheiten zu sensibilisieren. Seitdem hat diese jährliche Aktionswoche dazu beigetragen, viele Menschen in der Europäischen Region der WHO zu informieren und zu schützen, während nationale Impfprogramme ebenfalls zur Verbesserung der öffentlichen Gesundheit beigetragen haben.
Weltweit haben Impfungen nach Schätzungen seit 1974 154 Millionen Menschenleben gerettet In der Europäischen Region hat die hohe Durchimpfung die Belastung durch impfpräventable Krankheiten drastisch verringert. So ist die Europäische Region seit 2002 frei von endemischer Polio, hat die regionsweite Eliminierung der Masern und Röteln fast erreicht und verzeichnet zudem bei vielen Krankheiten einen drastischen Rückgang der gemeldeten Fallzahlen. Zwischen 2000 und 2024 sank die Zahl der Rötelnfälle um mehr als 99 %; bei Diphtherie betrug der Rückgang 90 %, bei Mumps 95 %. Viele Länder haben ihre Impfprogramme ausgeweitet, um Kinder vor anderen lebensbedrohlichen Krankheiten wie Meningitis, Lungenentzündung und Rotaviren zu schützen. Fast alle Länder der Europäischen Region haben die Impfung gegen Humane Papillomaviren (HPV) in ihre Impfpläne aufgenommen, um Gebärmutterhalskrebs und anderen Krebsarten vorzubeugen. Außerdem können Schwangere nun vor Krankheiten wie Keuchhusten, Grippe, COVID-19 und Respiratorischen Synzytial-Viren (RSV) geschützt werden, was dazu beiträgt, dass sie und ihre Neugeborenen sicher und gesund bleiben.
Dennoch sinken die Impfquoten in einigen Ländern; gleichzeitig steigt die Zahl der Länder, in denen es zu massiven und schwerwiegenden Ausbrüchen impfpräventabler Krankheiten kommt. 2024 wurden in der Europäischen Region der WHO mehr als 298 000 Fälle von Keuchhusten gemeldet - die höchste jemals verzeichnete Zahl. Im selben Jahr stieg die Zahl der Masernfälle auf über 127 000 - der höchste Stand seit 27 Jahren.
Dies ist zum Teil auf mangelndes Bewusstsein, Fehlinformationen und Misstrauen gegenüber Impfstoffen oder Gesundheitsbehörden zurückzuführen. Doch diese Ausbrüche machen auch eine ungleichmäßige Durchimpfung sowie Schwachstellen in den Impfprogrammen und den Systemen der primären Gesundheitsversorgung deutlich. Gleichzeitig sind Investitionen in Impfprogramme wichtig, um die erzielten Erfolge und die Nachhaltigkeit der derzeitigen Bemühungen aufrechtzuerhalten.
Europa kann sich keinen Rückschritt leisten. Es ist unverzichtbar, nationale und regionsweite Impfprogramme zu stärken und weltweit abgestimmte Maßnahmen zu beschleunigen. Zu diesem Zweck hat die Europäische Kommission bereits erhebliche Mittel für die Unterstützung von Impfmaßnahmen bereitgestellt, sowohl innerhalb der Europäischen Union als auch weltweit.
Die Europäische Kommission, das UNICEF und die WHO werden auch weiterhin gemeinsam und unter Einbeziehung aller relevanten Partnerorganisationen darauf hinarbeiten, die großen Herausforderungen für das Impfwesen zu überwinden. Gemeinsam wollen wir für die Gesundheit von Kindern eintreten und den marginalisierte Bevölkerungsgruppen dienen, die über keinen chancengleichen Zugang zu Impfmaßnahmen verfügen. Unsere Botschaft ist einfach und klar: Impfungen wirken, retten Menschenleben und schützen unsere Gesellschaft.