DPMA - German Patent and Trade Mark Office

09/08/2026 | Press release | Distributed by Public on 09/08/2026 12:06

Innovations-Roadshow zu Gast in Bremen: 'Ein Patent ist eine Wette'

Inhalt

Fünfte Station: Bremen

Das sagen Partner zur Innovations-Roadshow


Geschäftsleitung Produktstrategie & Innovation, DOYMA GmbH & Co, Oyten

"Die Arbeit mit Schutzrechten geistigen Eigentums hat für uns strategische Bedeutung, weil wir uns in der Bauzulieferindustrie in einem intensiven Wettbewerb einiger weniger Anbieter in unserer Produktkategorie befinden. Neben Patenten sind für uns auch Markenrechte sehr relevant. In der Kombination ergibt das einen soliden Schutz vor Nachahmung."
Dr. Andreas Wulfes, Geschäftsleitung Produktstrategie & Innovation, DOYMA GmbH & Co, Oyten

"Ein Patent ist eine Wette"

Eine gute Idee ist noch kein gutes Geschäft. Was soll daraus werden? Wo liegt ihr wirtschaftliches Potenzial? Und was davon sollte geschützt werden? Bei der Bremer Station der Innovations-Roadshow 2026 rückte eine Frage immer wieder in den Mittelpunkt: das "Wofür?".

Denn am Ende braucht es eine unternehmerische Entscheidung - darüber, welchen Weg eine Innovation nehmen und welche Rolle geistiges Eigentum dabei spielen soll. Am 7. September machte die Innovations-Roadshow unter dem Motto "Deine Idee. Dein Schutz. Dein Business." Station in Bremen. In der Handelskammer Bremen - IHK für Bremen und Bremerhaven trafen Unternehmen, IP-Fachleute und die Partner der Roadshow zusammen. Nach vier kurzen Impulsen wurde es ausgesprochen praktisch: Vier Unternehmen öffneten den Blick auf ihre eigenen Erfahrungen mit geistigem Eigentum - auf Entscheidungen und Lernprozesse, unterschiedliche Strategien und nicht zuletzt auf die Frage, wann sich eine Investition in Schutzrechte tatsächlich auszahlt.

Unterstützung und Expertise zusammenbringen

Nach der Begrüßung durch Andreas Köhler von der Handelskammer Bremen - IHK für Bremen und Bremerhaven eröffneten vier kurze Impulse den Abend. Robert Lemperle vom Deutschen Patent- und Markenamt zeigte, dass der Einstieg in den Patentschutz niedrigschwelliger sein kann, als vielfach angenommen. Für zunächst 40 Euro kann eine deutsche Patentanmeldung eingereicht und damit ein Anmeldetag gesichert werden. Danach bleibt Zeit, die Erfindung weiterzuentwickeln und über das weitere Vorgehen zu entscheiden. Seine Botschaft: Schutzrechte frühzeitig mitdenken und die vorhandenen Informations- und Unterstützungsangebote nutzen.

Dr. Henning Lütjens stellte den VPP (Vereinigung von Fachleuten des gewerblichen Rechtsschutzes) und sein Netzwerk vor. Rund 2.900 Mitglieder aus unterschiedlichen Branchen und Tätigkeitsbereichen, regionale Bezirksgruppen und Fachreferate zu Themen vom Patent- und Arbeitnehmererfinderrecht bis zu KI in der IP-Praxis bieten Raum für fachlichen Austausch, Vernetzung und Weiterbildung.

Die regionale Perspektive brachte Birte Löhr von der IHK Niedersachsen ein. Sie zeigte, welche Rolle die IHKs dabei spielen, Unternehmen für Innovationsthemen zu sensibilisieren, Orientierung zu geben und den Zugang zu passenden Unterstützungsangeboten und Ansprechpartnern zu erleichtern. Wie konkret eine solche Begleitung aussehen kann, erläuterte Dr. Lieselotte Riegger von InnoWi - Patent- und Markenzentrum Bremen. Das Angebot für Start-ups und Unternehmen reicht von Erstberatung und IP-Scans über Schutzrechtsstrategien und Recherchen bis zur Technologie- und Wettbewerbsbeobachtung. Hochschulen und Forschungseinrichtungen unterstützt InnoWi unter anderem bei der Bewertung von Erfindungen, beim Patent- und Portfoliomanagement und bei der Lizenzierung. Das Ziel brachte eine ihrer Folien auf den Punkt: "aus wissenschaftlichen Ergebnissen geschützte Innovationen machen."

Vier Unternehmen - und vier ganz unterschiedliche Ausgangspunkte

Wie unterschiedlich dieser Weg aussehen kann, zeigten anschließend Heiko Plorinn von Roland Werk, Dr. Jens Boßmeyer von Bruker Daltonics, Dr. Andreas Wulfes von DOYMA und Dr.-Ing. Claudio Uriarte von cellumation. Bei Roland Werk standen die Kinderlaufräder "nick" und "mika" der Marke smoovotech auf der Leinwand. An ihnen machte Heiko Plorinn sichtbar, dass schon ein einzelnes Produkt ganz unterschiedliche Ansatzpunkte für Schutz bieten kann - vom Namen über technische Lösungen bis zur Gestaltung und Konstruktion. Sein Fazit: "Neue Ideen brauchen Mut - und Schutzrechte!"

Dr. Jens Boßmeyer brachte mit Bruker Daltonics die Perspektive eines international tätigen Hightech-Unternehmens ein. Hier geht es längst nicht mehr um das einzelne Patent, sondern um die strategische Funktion eines Portfolios: Investitionen absichern, Handlungsspielräume erhalten, Verhandlungspositionen stärken - und Patentinformationen zugleich nutzen, um technologische Entwicklungen und Wettbewerber im Blick zu behalten. Bei DOYMA führte das Beispiel zu einem Bauteil, an dem wohl die wenigsten zunächst eine umfassende IP-Strategie vermuten würden: einer Wanddurchführung für Wärmepumpenleitungen.

Dr. Andreas Wulfes zeigte daran, wie viele Entscheidungen von der Entwicklung bis zum Markt zusammenkommen - von frühen technischen Anmeldungen und möglichen Umgehungslösungen über die Auswahl relevanter Auslandsmärkte bis zur passenden Markenstrategie. Und bei cellumation begann alles mit einer Forschungsidee. Dr.-Ing. Claudio Uriarte zeichnete den Weg "von der Forschungsidee zum geschützten Geschäftsmodell" nach. Patente, Marken, Geschäftsgeheimnisse und Verträge können dabei unterschiedliche Aufgaben übernehmen. Doch bevor über das passende Instrument entschieden wird, steht eine andere Frage: Wofür? Was soll aus der Idee werden? Welchen Kundennutzen schafft sie? Wo liegt der Wettbewerbsvorteil? Und wie lässt sich daraus ein Geschäftsmodell entwickeln? Damit war die Frage gestellt, die auch im anschließenden Podium immer wieder auftauchte.

"Ein Patent ist eine Wette"

Denn ein Patent beantwortet diese Fragen nicht automatisch. Uriarte brachte die Unsicherheit, mit der gerade junge Unternehmen umgehen müssen, auf einen prägnanten Satz: "Ein Patent ist eine Wette." Zum Zeitpunkt der ersten Anmeldung weiß niemand, ob aus einer technologisch überzeugenden Idee später tatsächlich ein erfolgreiches Produkt wird. Trotzdem müssen früh Entscheidungen getroffen, Ressourcen eingesetzt und Weichen gestellt werden. Mit zunehmender Erfahrung, Kundenwissen und Marktkenntnis kann eine Schutzrechtsstrategie gezielter werden.

Genau hier wurde in der Podiumsdiskussion ein Unterschied deutlich, der den Bremer Abend prägte: Eine Innovation lässt sich aus verschiedenen Blickwinkeln betrachten. Der Entwickler schaut auf die technische Lösung. Was kann sie? Was ist neu? Wie lässt sie sich noch besser machen? Der unternehmerische Blick fügt andere Fragen hinzu: Was lässt sich daraus machen? Gibt es einen Markt? Welchen wirtschaftlichen Wert kann die Idee entwickeln? Welche Investitionen sind dafür notwendig - und was davon soll geschützt werden? Die Initialzündung für diese Überlegungen kann durchaus von außen kommen: durch Beratung, einen Patentanwalt, ein Patent- und Markenzentrum oder andere Unterstützer.

Auch Dr. Andreas Wulfes machte deutlich, wie wichtig es ist, das Potenzial einer Idee überhaupt erst zu erkennen. Die unternehmerische Entscheidung aber kann niemand abnehmen. Am Ende muss die Unternehmensleitung entscheiden, welches Ziel verfolgt wird, welche Ressourcen eingesetzt werden - und welches Risiko sie dafür eingehen will. Damit bekam auch Uriartes "Wette" eine zweite Ebene: Nicht das Patent entscheidet über den wirtschaftlichen Erfolg einer Idee. Entscheidend ist, wofür ein Unternehmen es einsetzt. Ein Schutzrecht kann ein starkes Business-Werkzeug sein - wenn klar ist, welches unternehmerische Ziel es unterstützen soll. Und dieses "Wofür?" sieht je nach Unternehmen anders aus. Ein Start-up mit begrenztem Budget muss andere Prioritäten setzen als ein Unternehmen mit einem gewachsenen Patentportfolio. Ein international tätiges Technologieunternehmen trifft andere Entscheidungen als ein Mittelständler in einem klar umrissenen Markt. IP-Strategie gibt es deshalb nicht von der Stange.

IP-Wissen - besser früher als später

Bemerkenswert war vor diesem Hintergrund auch die Antwort auf die Frage, wann die vier Unternehmensvertreter erstmals mit gewerblichen Schutzrechten in Berührung gekommen waren: bei allen erst nach Studium oder Ausbildung. Gerade in technischen und naturwissenschaftlichen Studiengängen sei das zu spät, so der Tenor. Wer entwickelt und forscht, sollte nicht erst im Unternehmen erfahren, welche wirtschaftliche Bedeutung geistiges Eigentum haben kann. Dabei reicht es nicht, zu vermitteln, wie eine Patentanmeldung funktioniert. Ebenso wichtig ist das Verständnis dafür, wofür Schutzrechte eingesetzt werden können. Auch Marken kamen dabei in den Blick. Wer einen Unternehmens- oder Produktnamen entwickelt, sollte nicht erst kurz vor dem Marktstart prüfen, ob ältere Rechte entgegenstehen oder die gewünschte Domain überhaupt verfügbar ist. Technischer Schutz, Marke, Geschäftsgeheimnis und vertragliche Regelungen sind unterschiedliche Instrumente - und müssen zum jeweiligen Ziel passen.

Veröffentlichen oder patentieren?

Eine Frage aus dem Publikum führte zurück zum Ausgangspunkt vieler Innovationen: in die Wissenschaft. Was kommt zuerst - die wissenschaftliche Veröffentlichung oder die Patentanmeldung? Hier ist die Reihenfolge entscheidend: Soll eine Erfindung patentiert werden, muss sie grundsätzlich vor ihrer Veröffentlichung angemeldet werden. Andernfalls kann die eigene Publikation der Neuheit entgegenstehen. Gerade im Wissenschaftsbetrieb entsteht damit ein Spannungsfeld: Publikationen sind für wissenschaftliche Karrieren wichtig, zugleich kann eine vorschnelle Veröffentlichung eine spätere wirtschaftliche Verwertung erschweren oder verhindern.

Weitere Publikumsfragen reichten von Gebrauchsmustern und Marken über Verfahrensdauern bis zur Frage, wie kleine Unternehmen mit begrenzten Ressourcen überhaupt eine sinnvolle Schutzstrategie entwickeln können. Und wieder führte vieles zurück zum Bremer "Wofür?": Nicht mit der Frage beginnen, was sich alles schützen lässt, sondern damit, was aus einer Idee werden soll. Erst daraus ergibt sich, welches Schutzinstrument sinnvoll ist, welche Märkte wichtig sind und an welcher Stelle externe Expertise gebraucht wird.

Und wann gibt es die nächste?

Dass diese Fragen mit dem Ende des offiziellen Programms keineswegs erledigt waren, zeigte das anschließende Get-together. Gespräche wurden weitergeführt, konkrete Fälle diskutiert und Kontakte zu den anwesenden Fachleuten geknüpft. Und auch eine inzwischen beinahe vertraute Frage fiel wieder: Wann gibt es eine Wiederholung der Veranstaltung? Ein schönes Signal für die Roadshow - und vor allem dafür, dass Unternehmen den Austausch über den strategischen Umgang mit geistigem Eigentum suchen.

Ein besonderer Dank des DPMA gilt der Handelskammer Bremen - IHK für Bremen und Bremerhaven, InnoWi - Patent- und Markenzentrum Bremen, der IHK Niedersachsen, dem VPP sowie allen beteiligten Unternehmen und Mitwirkenden für den offenen Austausch und die Einblicke aus der Praxis.

Vielleicht bleiben aus Bremen damit vor allem zwei Fragen im Kopf: Was soll aus meiner Idee werden? Und was kann ein Schutzrecht dazu beitragen? Oder, mit Claudio Uriarte: "Ein Patent ist eine Wette."

Deine Idee. Dein Schutz. Dein Business. - Nächste Station: Hannover.

Vorherige Stationen

Hier geht es zu den vorherigen Stationen der Innovations-Roadshow!

Stand: 08.09.2026

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