06/04/2026 | Press release | Distributed by Public on 06/04/2026 11:46
Kulturministerin Dr. Manja Schüle hat heute Abend die Foyerausstellung "Diene Ehrlich Friedlichem Aufbau" anlässlich des 80-jährigen Gründungsjubiläums der DEFA in diesem Jahr eröffnet:
"Propagandainstrument, Kunstwerke, Spiegel der DDR-Gesellschaft - und für Millionen Menschen Kindheitserinnerung, Sehnsucht und ja, auch Heimat. All das macht DEFA-Filme aus. Das Filmmuseum schaut mit seiner spannenden Ausstellung auf die Anfänge der DEFA. Ein Neuanfang aus Trümmern: Menschen, die gerade den schlimmsten Krieg der Geschichte und die schlimmste Unmenschlichkeit überlebt hatten, machten Filme. Nicht als Ablenkung, sondern als Antwort. 'Die Mörder sind unter uns' - das war kein Titel, das war eine Anklage. Das beeindruckt mich bis heute. Dieser Idealismus nach der Katastrophe, dieser Impuls, mit dem Medium Film eine bessere Gesellschaft nicht nur zu träumen, sondern zu entwerfen. Wir wissen, es blieb nicht so. Schon 1951 wurde der sozialistische Realismus als Kunstprinzip verordnet - in der Folge wurden Filme verboten, Regisseure gemaßregelt, Drehbücher umgeschrieben. Und dennoch: Es gab weiter großartige Filme. Wer gesehen hat, wie die kürzlich verstorbene Angelica Domröse als Paula mit einem Lächeln gegen alles ankämpft, was die Gesellschaft ihr abverlangt, versteht: Das war nicht nur Schauspiel. Das war Widerstand in Schönheit. Und steht sinnbildlich dafür, warum Potsdam die erste und einzige "UNESCO Creative City of Film" in Deutschland ist. Danke der DEFA-Stiftung, dem Filmmuseum, der Filmuniversität Babelsberg und allen, die dieses Erbe lebendig halten! Und zur Frage, was ein DEFA-Film ist: Er ist Beweis, dass Kunst länger lebt als jede Macht, die sie zu kontrollieren versucht."
Die Ausstellung "Diene Ehrlich Friedlichem Aufbau" wirft ein Licht auf die historisch einmaligen Leistungen der ersten Nachkriegsjahre und lädt dazu ein, sich mit dieser Umbruchzeit und den damaligen Filmen zu beschäftigen. Im Jahr 1945 ist Deutschland nach zwölf Jahren nationalsozialistischer Diktatur weitgehend zerstört, es herrschen Hunger und Not. Filmenthusiasten gründen das Filmaktiv, die Keimzelle der zukünftigen DEFA. Neben dokumentarischen Filmen und Wochenschauen entstehen auch erste Spielfilme. Mit Filmen wie "Die Mörder sind unter uns", "Ehe im Schatten" oder "Freies Land" versuchen die Filmemacherinnen und Filmemacher, Antworten auf die drängenden Fragen der Umbruchszeit zu finden. Allen voran: Wie konnte es geschehen, dass so viele Menschen der NS-Ideologie folgten? Das Filmmuseum Potsdam wendet sich anlässlich des DEFA-Jubiläums zahlreichen Themen, Filmen und Personen zu, die das spätere staatliche Filmstudio der DDR geprägt haben. In Zusammenarbeit mit dem Förderverein des Filmmuseums und der DEFA-Stiftung sind zwei Ausstellungen entstanden, die von einer umfassenden Film- und Veranstaltungsreihe begleitet werden. Im Jubiläumsjahr ist zudem eine Auswahl aus den zwischen 1946 und 1992 entstandenen Spielfilmen und Dokumentar- und Kurzfilmproduktionen zu sehen.
Das 1981 gegründete Filmmuseum Potsdam ist das älteste Filmmuseum in Deutschland. Es befindet sich seit 1991 in der Trägerschaft des Landes Brandenburg und ist seit 2011 ein Institut der Filmuniversität Babelsberg KONRAD WOLF. Es verfügt über mehr als eine Million Objekte aus mehr als 100 Jahren Filmgeschichte in Babelsberg, darunter Requisiten, Kostüme, Drehbücher und Filmtechnik. Neben einer Dauerausstellung und Wechselausstellungen werden regelmäßig Filme gezeigt. Das 1912 gegründete Studio Babelsberg ist das älteste Filmstudio der Welt.
Weitere Informationen: https://www.filmmuseum-potsdam.de