05/31/2026 | Press release | Distributed by Public on 05/31/2026 04:14
DiscorsoPubblicato il 31 maggio 2026
Baden, 31.05.2026 - Rede von Bundespräsident Guy Parmelin Vorsteher des Eidgenössischen Departements für Wirtschaft, Bildung und Forschung (WBF) Sonntag, 31.05.2026 | Katholische Stadtkirche Baden
Es gilt das gesprochene Wort!
Meine Damen und Herren,
Erst kürzlich war ich wieder in der «Arena» - Sie kennen diese Sendung. Es wird diskutiert, debattiert, manchmal sogar gestritten, am Schluss gibt es eine versöhnliche Schlussrunde, aber selten eine Lösung.
Anders im Bundesrat. Hier geht es etwas gesitteter zu und her. Und oft haben wir am Schluss eine Lösung. Ob sie gut oder schlecht ist, entscheidet sich häufig erst später.
Dieses Miteinander ist nicht immer ganz einfach. Das gehört zum politischen Leben.Es gibt Momente in der Geschichte, die uns zeigen, wie anspruchsvoll das Miteinander sein kann. Echte Gespräche entstehen aus der Bereitschaft, dem Gegenüber Raum zu geben. Raum für seine Sicht. Raum für seine Wahrheit. Raum für die Möglichkeit, dass er Recht haben könnte.
Mit diesem Gedanken blicken wir auf die Badener Disputation vor 500 Jahren. Die Debatte war leidenschaftlich und brillant. Sie war folgenreich.
Aber sie war kein Dialog im heutigen Sinn. Die Gelehrten suchten nicht das Gemeinsame. Sie suchten die Abgrenzung.
Und so entstand hier ein Graben, der unser Land über Jahrhunderte und bis heute geprägt hat.
Gerade deshalb ist es bedeutsam, dass wir heute hier stehen. Nicht um den Streit zu feiern. Sondern die Aussöhnung. Die Fähigkeit, Unterschiede auszuhalten. Vielfalt zu leben. Und aus Gegensätzen Stärke zu gewinnen.
Der konfessionelle Gegensatz hat die Schweiz geprägt wie kaum ein anderer Konflikt.
Er hat zum Beispiel Menschen daran gehindert, jene zu heiraten, die sie liebten. Und doch sind aus dieser Trennung zwei Glaubenskulturen entstanden. Kulturen, die sich über die Jahrhunderte gegenseitig bereichert haben. So wie auch unsere Sprachregionen. So wie Stadt und Land.
Die Badener Disputation war ein Schlüsselmoment unserer Geschichte. Sie hatte weitreichende Folgen.
Umso mehr freue ich mich, heute bei Ihnen zu sein. Und ich würdige all jene, die seither für Frieden gearbeitet haben. Für Verständigung. Für Aussöhnung. Zwischen Konfessionen - und weit darüber hinaus.
Meine Damen und Herren,
wir leben heute in einem Land, in dem eine jüdische Frau Bundesrätin war. In dem schwule und lesbische Paare heiraten können.
Und in dem ich als freier Waadtländer vor Ihnen stehe - und nicht als Untertan der Herren von Bern.
Und als ein Reformierter, der eine Frau katholischen Glaubens heiraten konnte.
Viele Forderungen nach Gerechtigkeit wurden erfüllt. Durch lange Kämpfe. Durch innere Aussöhnung. So wurde die Schweiz zu einem stabilen und wohlhabenden Land.
Zu einem Land, das sich international für den Frieden einsetzen kann. Frieden und Menschenrechte zu fördern ist ein Auftrag unserer Verfassung.
Genf ist heute ein Zentrum für Friedensverhandlungen. Das gelingt uns auch deshalb, weil wir im Innern gelernt haben, Konflikte auszuhalten. Und Wege der Verständigung zu suchen.
Mesdames et Messieurs,
nous vivons aujourd'hui dans un pays où il a été possible à une femme de confession juive d'être conseillère fédérale. Où les couples homosexuels ont le droit de se marier.
Et où je me tiens devant vous en tant que Vaudois libre - et non en tant que sujet des baillis bernois. Et en tant que réformé ayant pu épouser une femme de confession catholique.
De nombreux appels à la justice ont été entendus. Au terme de longs combats. Grâce à une réconciliation intérieure. C'est ainsi que la Suisse est devenue un pays stable et prospère. Un pays capable de s'engager en faveur de la paix sur la scène internationale.
« Promouvoir la paix et les droits de l'homme est une mission inscrite dans notre Constitution. Genève est aujourd'hui un centre dédié aux négociations pour la paix. Si nous nous y entendons dans ce domaine, c'est aussi parce que nous avons appris, à l'intérieur de notre pays, à supporter les conflits et à rechercher des voies de compréhension mutuelle. »
Doch wir leben erneut in einer Zeit des Umbruchs. Geopolitische Spannungen nehmen zu. Neue Kriege erschüttern die Welt. Technologische Entwicklungen verändern unsere Gesellschaft tiefgreifend. In solchen Zeiten bröckelt oft der Konsens. Die Gefahr wächst, dass Andersdenkende zu Gegnern werden. Und wie vor 500 Jahren belasten falsche Informationen unsere Gesprächskultur.
Darum braucht es Mahnungen. Dass wir faktentreu bleiben. Dass wir unsere Werte vertreten, ohne anderen ihre Werte abzusprechen. Und dass wir starke Institutionen pflegen, die Gegensätze aushalten.
Vor kurzem sprach ich mit Papst Leo XIV. über ein anderes 500 Jahr Jubiläum: den Sacco di Roma. Ein reformierter Bundespräsident im Gespräch mit dem Oberhaupt der katholischen Kirche.
In bestem Einvernehmen.
Und gegenseitiger Hochachtung. Das zeigt, wie weit wir gekommen sind. Manchmal dauert es lange, bis Gräben sich schliessen. Bis Gerechtigkeit sich durchsetzt. Bis Frieden entsteht. Aber es ist immer richtig, darauf hinzuarbeiten.