03/23/2026 | Press release | Distributed by Public on 03/23/2026 05:36
Auch in diesem Jahr erinnerte die Stadt Hildesheim am 22. März ab 13.10 Uhr in der St. Andreaskirche an die Zerstörung der Hildesheimer Innenstadt durch die alliierten Luftangriffe 1945 und nahm bereits zum zehnten Mal unter dem Titel "Hildesheimer Friedenstag" die Wahrung des Friedens in den Blick.
Annelore Ressel nahm stellvertretend für den Verein Hildesheimer Tafel den Hildesheimer Friedenspreis von Oberbürgermeister Dr. Ingo Meyer (r.) entgegen. Links Friedensredner Ahmad Mansour.© Stadt Hildesheim
Unter großer Anteilnahme der Bevölkerung gedachte Oberbürgermeister Dr. Ingo Meyer in seiner Rede zunächst den Opfern der Luftangriffe auf Hildesheim: "Heute erinnern wir uns an diesen schrecklichen Tag und gedenken all der Opfer, die bei den Luftangriffen auf unsere Stadt gestorben sind. Wir trauern mit denjenigen, die damals Angehörige verloren haben und wir fühlen mit all denen, die auch heute noch die Erinnerungen an diese schlimmen Erlebnisse mit sich tragen." Mit Blick auf die aktuelle Weltlage insbesondere im Nahen und Mittleren Osten sei es erschütternd, dass weltweit mehr als 120 Millionen Menschen gewaltsam aus ihrer Heimat vertrieben worden seien und aufgrund von Krieg, Gewalt oder Menschenrechtsverletzungen fliehen müssten. "Gerade jetzt ist es entscheidend, den gesellschaftlichen Zusammenhalt zu stärken - durch Solidarität und Empathie, durch Inklusion und gegenseitigen Respekt sowie durch das gemeinsame Erinnern, wie wir es heute tun. Die Verantwortung für den Frieden tragen wir alle", mahnte der Oberbürgermeister.
Der Hildesheimer Friedenstag wurde in der gut besuchten Bürgerkirche St. Andreas begangen.© Stadt Hildesheim
Hildesheimer Friedensrede
Dass Demokratie kein Selbstläufer ist und davon lebt, sich mit ihr auseinanderzusetzen, Konflikte offen anzusprechen und gleichzeitig die gemeinsamen Werte unseres Grundgesetzes zu verteidigen, verdeutlichte der israelisch-deutsche Psychologen und Autor arabisch-palästinensischer Herkunft Ahmad Mansour, der in diesem Jahr die Hildesheimer Friedensrede hielt. Mansour, der sich vor Beginn der Veranstaltung im Hildesheimer Rathaus ins Goldene Buch der Stadt eingetragen hatte, verlieh seiner Dankbarkeit Ausdruck, in Deutschland eine neue Heimat gefunden zu haben, in der er eine Familie gründen konnte. Er appellierte vor dem Hintergrund des israelisch-palästinensischen Konfliktes an alle Menschen, sich gegen den Hass und für ein friedliches Miteinander einzusetzen.
Ahmad Mansour (r.) trug sich auf Einladung von Oberbürgermeister Dr. Ingo Meyer ins Goldene Buch der Stadt Hildesheim ein.© Stadt Hildesheim
Friedenspreis
Im Rahmen des Friedenstages wurde auch wieder der Hildesheimer Friedenspreis verliehen, der in diesem Jahr an den Verein Hildesheimer Tafel ging. Diese engagiert sich seit 1998 für Menschen in finanziell schwierigen Lebenslagen. Der Verein hat es sich zur Aufgabe gemacht, noch zum Verzehr geeignete Lebensmittel zu sammeln und an Bedürftige sowie an soziale Einrichtungen weiterzugeben. Stellvertretend für den Verein überreichte Oberbürgermeister Dr. Ingo Meyer Annelore Ressel als Gründerin und Vorsitzenden der Tafel den mit einem Preisgeld in Höhe von 3.000 Euro dotierten Friedenspreis: "Seit über einem Vierteljahrhundert setzen Sie sich mit voller Tatkraft für Menschen ein, die Unterstützung brauchen. Ihr Engagement ist dabei geprägt von einer außergewöhnlichen Beharrlichkeit", so Dr. Meyer. "Sie fordern ein, Sie organisieren, Sie überzeugen - und vor allem: Sie handeln. Mit dieser Haltung haben Sie nicht nur die Hildesheimer Tafel aufgebaut, sondern viele Menschen motiviert, sich ebenfalls zu engagieren. Für dieses herausragende Engagement, das Sie und die zahlreichen Unterstützerinnen und Unterstützer der Hildesheimer Tafel Tag für Tag leben, danke ich Ihnen - im Namen der Stadt Hildesheim - von Herzen." Möglich ist die Dotierung des Friedenspreises aufgrund der jährlichen Spende eines Hildesheimer Ehepaars, das - ebenso wie ein weiterer Hildesheimer Spender - auch die Veranstaltung des Hildesheimer Friedenstags unterstützt. Für beide Spenden bedankte sich der Oberbürgermeister ausdrücklich.
Annelore Ressel bedankte sich für die Auszeichnung und berichtete aus ihren Kindheitserinnerungen an den Zweiten Weltkrieg, an die Zerstörung der Stadt und das daraus resultierende Leid. Hunger sei damals allgegenwärtig gewesen. Diese Erfahrung habe später dazu beigetragen, die Hildesheimer Tafel zu gründen.
Ahmad Mansour (Mitte) mit den Hildesheimer Bürgermeistern/Bürgermeisterinnen (v. l.) Dr. Ulrich Kumme, Dr. Doris Wendt, Oberbürgermeister Dr. Ingo Meyer und Beate Maria König.© Stadt Hildesheim
Zum Hildesheimer Friedenstag
In Kooperation mit den Hildesheimer Hochschulen, der Evangelischen Kirche, der Katholischen Kirche und dem Verein "Hildesheim blüht auf" richtet die Stadt Hildesheim alljährlich am 22. März, den "Hildesheimer Friedenstag" aus, um an die Zerstörung der Stadt im Jahr 1945 zu erinnern und gleichzeitig den Blick auf die Friedenswahrung in Gegenwart und Zukunft zu richten. Der "Hildesheimer Friedenstag" beginnt auch in diesem Jahr um 13.10 Uhr, wenn zum Zeitpunkt des Bombardements 1945 für einige Minuten die Kirchenglocken in der Stadt läuten. Im Anschluss wird in der Bürgerkirche St. Andreas an die Zerstörung der Stadt erinnert, bevor der "Hildesheimer Friedenspreis" an eine Einrichtung oder eine Initiative aus Hildesheim übergeben wird, die sich in ihrem Wirkungs- und Arbeitsbereich in besonderer Weise für ein friedliches Zusammenleben einsetzt. Zentraler Höhepunkt ist schließlich die Hildesheimer Friedensrede, die in Zeiten zunehmender Radikalisierungs- und Abgrenzungstendenzen Menschen sensibilisieren und darin bestärken soll, für demokratische Werte, Toleranz und Respekt einzutreten.
Weitere Informationen zum Friedenstag sind unter https://www.stadt-hildesheim.de/friedenstag erhältlich.