DMSG - Deutsche Multiple Sklerose Gesellschaft Bundesverband e.V.

11/04/2026 | News release | Distributed by Public on 11/04/2026 05:57

Diagnosesicherheit bei Multipler Sklerose - Stellungnahme des Ärztlichen Beirates der DMSG

MS-Therapien Mittwoch 4.11.2026

Diagnosesicherheit bei Multipler Sklerose - Stellungnahme des Ärztlichen Beirates der DMSG

Zuletzt wurde bekannt, dass die Schauspielerin Christina Applegate nach eigenen Angaben doch keine MS habe. Die Diagnose sei vor fünf Jahren gestellt worden. Der Fall hat eine öffentliche Diskussion darüber ausgelöst, wie sicher die Diagnose einer MS ist. Der Ärztliche Beirat der Deutschen Multiple Sklerose Gesellschaft, Bundesverband e.V., nimmt dazu ausdrücklich Stellung.

Tatsächlich zeigte eine frühere Studie aus Nordamerika, dass sich eine vorbestehende MS-Diagnose bei fast einem Fünftel der Betroffenen bei einer Überprüfung in spezialisierten MS-Zentren nicht bestätigen ließ [1]. Ein Grund ist, dass es keinen einzelnen Test gibt, der eine MS sicher nachweist. Die Diagnose ergibt sich vielmehr aus mehreren Untersuchungen, und andere Erkrankungen müssen bestmöglich ausgeschlossen werden. Hinzu kommt, dass die Diagnosekriterien in den letzten Jahren mehrfach angepasst wurden, damit eine MS früher erkannt und behandelt werden kann [2]. Dadurch steigt allerdings auch das Risiko von Fehldiagnosen, vor allem wenn die Kriterien nicht konsequent angewendet oder nicht alle diagnostischen Möglichkeiten genutzt werden.

Um die Diagnose abzusichern, empfehlen die für Deutschland gültigen Leitlinien eine hochauflösende Kernspintomographie (MRT) von Gehirn und Rückenmark sowie bei allen Betroffenen eine Untersuchung des Nervenwassers (Liquor) [3]. Gerade die Liquoruntersuchung, die in den USA häufig nicht eingesetzt wird, kann die Diagnose bestätigen und andere mögliche Ursachen ausschließen. Bei Personen mit Vorerkrankungen, die potenziell Veränderungen im Gehirn verursachen können, wie Migräne oder Gefäßerkrankungen des Gehirns, sind für die Diagnosestellung strengere Kriterien anzuwenden, um Fehldiagnosen auszuschließen.

Im Verlauf der Erkrankung sollte die Diagnose kritisch überprüft werden, wenn ungewöhnliche Beschwerden oder auffällige Befunde in der Bildgebung auftreten oder wenn die Behandlung nicht ausreichend wirkt. In solchen Fällen kann eine Zweitmeinung in einem Zentrum mit besonderer Erfahrung bei MS und verwandten Erkrankungen des Nervensystems hilfreich sein.

Wir gehen davon aus, dass Fehldiagnosen in Deutschland sehr selten sind, wenn alle diagnostischen Möglichkeiten ausgeschöpft und die Leitlinien zur Diagnose und Therapie der Multiplen Sklerose, Neuromyelitis-optica-Spektrum-Erkrankung (NMOSD) und MOG-IgG-assoziierten Erkrankung (MOGAD) konsequent angewendet werden.

Federführende Autoren: Prof. Dr. med. Bernhard Hemmer, Prof. Dr. med. Achim Berthele, Prof. Dr. med. Antonios Bayas (alle drei Autoren sind aktiv an der Erstellung der deutschen Leitlinien beteiligt)

für den Vorstand des Ärztlichen Beirats der DMSG:

Mitglieder des Vorstandes des Ärztlichen Beirats, DMSG-BV

  • Ehrenvorsitz: Prof. Dr. med. Klaus V. Toyka, Neurologische Universitätsklinik Würzburg

  • Vorsitzender: Prof. Dr. med. Ralf Gold, Neurologische Klinik der Ruhr-Universität Bochum am St. Josefs-Hospital

  • 1. Stellvertretender Vorsitzender: Prof. Dr. med. Ralf Linker, Neurologische Klinik, Universität Regensburg

  • 2. Stellvertretende Vorsitzende: Priv.-Dozentin Dr. med. Anke Salmen, Neurologische Klinik, Universitätsambulanz Klinikum Bochum

  • Schriftführer: Prof. Dr. med. Peter Flachenecker, Neurologisches Rehabilitationszentrum Quellenhof, Bad Wildbad

  • Prof. Dr. med. Judith Haas, Vorsitzende der DMSG, Bundesverband e.V.

  • Prof. Dr. med. Bernhard Hemmer, Direktor der Neurologischen Klinik im Klinikum rechts der Isar, TU München

  • Dr. med. Boris-A. Kallmann, Facharzt für Neurologie Kallmann Neurologie, Multiple Sklerose Zentrum Bamberg (MSZB)

  • Prof. Dr. med. Heinz Wiendl, Klinik für Neurologie und Neurophysiologie im Neurozentrum, Universitätsklinikum Freiburg

  • Prof. Dr. med. Frauke Zipp, Klinik und Poliklinik für Neurologie, Universität Mainz

Literatur:

[1] Kaisey M, Solomon AJ, Luu M, Giesser BS, Sicotte NL. Incidence of multiple sclerosis misdiagnosis in referrals to two academic centers. Mult Scler Relat Disord. 2019;30:51-56. doi:10.1016/j.msard.2019.01.048

[2] Montalban X, Lebrun-Frénay C, Oh J, Arrambide G, Moccia M, Amato MP, et al. Diagnosis of multiple sclerosis: 2024 revisions of the McDonald criteria. Lancet Neurol. 2025;24(10):850-865. doi:10.1016/S1474-4422(25)00270-4

[3] Hemmer B, Gehring K, et al. Diagnose und Therapie der Multiplen Sklerose, Neuromyelitis-optica-Spektrum-Erkrankung (NMOSD) und MOG-IgG-assoziierten Erkrankung (MOGAD). S2k-Leitlinie, 2026. In: Deutsche Gesellschaft für Neurologie (Hrsg.), Leitlinien für Diagnostik und Therapie in der Neurologie. AWMF-Registernummer 030-050. Online: www.dgn.org/leitlinien.

Downloadlink der Stellungnahme:

Redaktion: DMSG-Bundesverband - 04.11.2026

DMSG - Deutsche Multiple Sklerose Gesellschaft Bundesverband e.V. published this content on November 04, 2026, and is solely responsible for the information contained herein. Distributed via Public Technologies (PUBT), unedited and unaltered, on November 04, 2026 at 11:57 UTC. If you believe the information included in the content is inaccurate or outdated and requires editing or removal, please contact us at [email protected]