CAU - Christian-Albrechts-Universität

07/14/2026 | Press release | Distributed by Public on 07/14/2026 04:02

Verlockung KI: „Intellektuelle Souveränität statt bequeme Vereinfachungen“

Umrahmt wurde die Feierstunde von studentischen Rückblicken, musikalischen Einlagen und herzlichen Glückwünschen. Doch bevor die frischgebackenen Akademikerinnen und Akademiker ihre Auszeichnungen entgegennehmen durften, nahm Professor Eggert ihnen das Akademische Versprechen ab, das angesichts der Verlockungen durch KI kaum aktueller sein könnte: Es gehe darum "nach bestem Wissen und Gewissen die Wahrheit zu suchen und zu bekennen". Der wissenschaftliche Nachwuchs verpflichtete sich außerdem, "den verliehenen akademischen Grad in Ehren zu halten".

Mit Glückwünschen, aber auch mit mahnenden Worten verabschiedete der Prodekan die Absolventinnen und Absolventen: Schnelle, scheinbar stimmige Ergebnisse der KI-Programme wie ChatGPT stehen den Forderungen nach Wissenschaftlichkeit entgegen. Denn wie diese Erkenntnisse quasi in einer "Black Box" entstehen, sei für den Nutzer nicht erkennbar. "Reine Technikgläubigkeit darf in der Wissenschaft keinen Platz haben", betonte Eggert. Denn der entscheidende Maßstab von Wissenschaftlichkeit sei die Nachprüfbarkeit der Forschungsergebnisse. Deshalb sei es umso wichtiger, der KI eine "intellektuelle Souveränität" und kritische Reflexion entgegenzusetzen, wie es die Empfehlungen des Wissenschaftsrates formulieren.

"Wissenschaftliche Arbeit ist anstrengend. An ihrer Masterarbeit arbeiten Studierende viele Monate, für ihre Dissertation sogar Jahre. Da fragen Viele: Geht das nicht auch schneller?" Die Antwort lieferte Professor Eggert gleich mit: "Denken lernt man nur beim Denken - wie beim Training im Sport. Abkürzungen helfen auch hier nicht weiter." Alle Fakultäten der CAU seien derzeit damit beschäftigt, Prüfungen in Zeiten von KI zu überdenken. Der Prodekan erinnerte an die Bedeutung des Wortes "Studium", was im Deutschen "sich bemühen" bedeute. Es gehe nicht um den leichtesten Weg zur Erkenntnis. Deshalb sei in der wissenschaftlichen Arbeit nicht zuletzt Ehrlichkeit zu sich selbst und zu anderen gefragt.

Mit Humor und Herzblut ließen der Master-Absolvent Alexander Dentler (Lehramt Deutsch) und die Promovierte Ariba Hidayet Khan (Linguistik und Phonetik) in ihren Reden das Studium und die Promotionszeit Revue passieren. Neben anspruchsvollen Vorlesungen und Seminaren sei es auch um profane Dinge wie die richtigen "Sportkurse im FIZ" und die Qualität von "Currywurst und Pommes in der Mensa I" gegangen, hieß es. Dank ging an die Eltern, die den Studierenden nicht selten emotionalen und finanziellen Rückhalt gegeben haben. "Kiel und die CAU werden fortan Teil unseres Lebens bleiben", betonte Alexander Dentler: "Ich bin voller Zuversicht für das, was da noch kommt."

Text: Joachim Welding

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