Auf der 12. hochrangigen Tagung der Initiative kleiner Länder (SCI) der WHO, die vom 4. bis 5. Juni 2026 in Riga (Lettland) stattfand, haben sich Gesundheitsminister und hochrangige Vertreter der kleinen Länder der Europäischen Region der WHO zu dringenden Maßnahmen zur Stärkung und Aufrechterhaltung des Gesundheits- und Pflegepersonals verpflichtet, indem sie die Abschlusserklärung von Riga verabschiedeten.
Jeder Aspekt der Gesundheitssicherheit - von Routineleistungen bis hin zu Notfallmaßnahmen - hängt davon ab, dass genügend qualifizierte, motivierte und gut unterstützte Fachkräfte zur Verfügung stehen. Doch die Gesundheitssysteme in der gesamten Europäischen Region sehen sich mit einem zunehmenden Personalmangel konfrontiert, da das Gesundheitspersonal immer stärker überlastet ist und den sich wandelnden und steigenden gesundheitlichen Bedürfnissen der Menschen nicht mehr gerecht werden kann.
Die Abschlusserklärung von Riga beinhaltet Verpflichtungen zur Verbesserung der Personalbindung, zum Schutz des Gesundheitspersonals sowie zur Vorbereitung der Gesundheitssysteme und des Gesundheits- und Pflegepersonals auf die Zukunft.
Langfristige Planung
Nach Schätzungen der WHO werden in der Europäischen Region bis 2030 fast 1 Million Fachkräfte im Gesundheitswesen fehlen. Gründe hierfür sind die Bevölkerungsalterung, der steigende Pflegebedarf, die Überalterung der Beschäftigten sowie Schwierigkeiten bei der Gewinnung und Bindung von Ärzten, Pflegepersonal und anderen Fachkräften.
Unter dem Motto "Von der Knappheit zur Nachhaltigkeit: Können kleine Länder Innovationen am Arbeitsmarkt vorantreiben?" einigten sich die Minister darauf, die langfristige Personalplanung zu stärken, die Personalbindung zu verbessern, die digitale Kompetenz zu fördern, für die psychische Gesundheit und das Wohlbefinden der Beschäftigten im Gesundheitswesen zu sorgen und sicherere und unterstützendere Arbeitsumfelder zu schaffen.
"Unser Gesundheitspersonal ist das Rückgrat eines jeden Gesundheitssystems", erklärte Dr. Hans Henri P. Kluge, WHO-Regionaldirektor für Europa. "Ohne ein Gesundheitspersonal, das wertgeschätzt, geschützt und unterstützt wird, kann kein Land eine hochwertige Gesundheitsversorgung gewährleisten, Notlagen bewältigen oder Widerstandsfähigkeit aufbauen."
"Keine Anwerbekampagne allein wird die Krise bei der Personalbindung im Gesundheitswesen lösen", fügte Dr. Kluge hinzu. "Die Länder, die das am frühesten erkennen, werden in den kommenden Jahren über die leistungsfähigsten Gesundheitssysteme verfügen. Kleine Länder haben die nötige Flexibilität, um diesen Wandel voranzutreiben, indem sie die Arbeitsbedingungen verbessern, neue Fachkräfte anwerben und darauf eingehen, was das Gesundheitspersonal wirklich braucht, um im Beruf zu bleiben. Das ist kein geringer Beitrag zur Gesundheit in Europa. Das ist eine Führungsrolle."
Kleine Länder, große Lösungen
Die 2013 gegründete SCI hat sich zu einem der stärksten Foren für praktische Zusammenarbeit in der Europäischen Region entwickelt, indem sie Länder zusammenbringt, die zwar vor ähnlichen Herausforderungen stehen, aber auch über eine ausgeprägte Innovationskraft verfügen.
"Vor zwölf Jahren haben wir einen mutigen Schritt gewagt, als wir in der Europäischen Region der WHO die Initiative kleiner Länder ins Leben riefen. Heute hat sie sich zu einer der erfolgreichsten politischen und fachlichen Plattformen in unserer Region entwickelt", sagte Dr. Kluge. "Die hier versammelten Länder mögen zwar klein sein, doch sie stellen kontinuierlich ein hohes Maß an Initiative und Solidarität unter Beweis, und eine starke Bereitschaft, voneinander zu lernen."
In seiner Rede während der Eröffnungssitzung erklärte Olivér Várhelyi, EU-Kommissar für Gesundheit und Tierwohl: "Ein sicheres und widerstandsfähiges Gesundheitssystem fängt bei den Menschen an: bei den Ärzten, Pflegekräften, Apothekern und den vielen anderen Fachkräften, die sich Tag für Tag um die Patienten kümmern."
"Deshalb brauchen wir entschlossene und koordinierte Maßnahmen zur Stärkung unseres Gesundheitspersonals, um ihm die notwendigen Mittel für die Patientenversorgung an die Hand zu geben, sowie Maßnahmen, die unsere Gesundheitssysteme widerstandsfähiger machen."
Die Teilnehmer betonten, dass kleine Länder wiederholt den Wert eines praxisorientierten Multilateralismus unter Beweis gestellt hätten: Lösungen teilen, sich schnell anpassen und Verpflichtungen in Taten umsetzen.
Mit der Abschlusserklärung von Riga verpflichten sich die Länder:
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die Steuerung des Personalbestands im Gesundheitswesen und die langfristige Planung zu verbessern;
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die Nutzung von Daten zu intensivieren, um den künftigen Personalbedarf besser vorhersagen zu können;
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Bildung und Ausbildung an die sich wandelnden gesundheitlichen Bedürfnisse anzupassen;
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die Arbeitsbedingungen und die beruflichen Entwicklungsmöglichkeiten zu verbessern;
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die psychische Gesundheit und das seelische Wohlbefinden der Angehörigen der Gesundheitsberufe zu verbessern;
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die Mobilität des Gesundheitspersonals durch Zusammenarbeit und nachhaltige Lösungsansätze zu verbessern.
Diese Verpflichtungen knüpfen an früheren Maßnahmen der Länder der SCI an, namentlich zur Entwicklung nationaler Personalkonzepte für das Gesundheitswesen, die sich an dem Handlungsrahmen für das Gesundheits- und Pflegepersonal in der Europäischen Region der WHO (2023-2030) orientieren.
Den Beschäftigten im Gesundheitswesen zuhören und sie unterstützen
Ein zentraler Schwerpunkt der Diskussionen in Riga war die Notwendigkeit, das vorhandene Gesundheitspersonal durch eine Verbesserung der Arbeitsbedingungen zu binden.
Neue Erkenntnisse aus der von WHO/Europa durchgeführten Untersuchung zur psychischen Gesundheit von Pflegekräften und Ärzten (MeND) - der bisher größten Erhebung über die psychische Gesundheit des Gesundheitspersonals in Europa - verdeutlichen, dass das Ausmaß an Depressionen und Angstzuständen bei Ärzten und Pflegekräften fünfmal höher ist als in der Allgemeinbevölkerung.
Die Länder erörterten praktische Lösungen zur Bewältigung dieser Belastungen, etwa eine Verringerung übermäßiger Arbeitslasten, die Verbesserung von Schichtplänen, die Stärkung der teamorientierten Versorgung und die Gewährleistung, dass das Gesundheitspersonal über sichere Möglichkeiten verfügt, Rückmeldung zu erstatten und sich Unterstützung zu holen.
Auch Gewalt gegen Gesundheitspersonal wurde als ein dringendes Problem hervorgehoben. Im Durchschnitt gab ein Drittel der Ärzte und Pflegekräfte an, am Arbeitsplatz Mobbing oder gewalttätigen Drohungen ausgesetzt zu sein.
Die Teilnehmer betonten, dass klare Meldemechanismen, strengere Richtlinien am Arbeitsplatz und Unterstützung durch Vorgesetzte unerlässlich sind, damit sich das Gesundheitspersonal sicher und respektiert fühlt und weiterhin für andere sorgen kann.
Gemeindenahe Pflegekonzepte
Auf der Tagung wurde auch erörtert, wie die Länder sicherstellen können, dass medizinisches Personal dort zur Verfügung steht, wo es am dringendsten benötigt wird, auch in ländlichen und unterversorgten Gemeinden.
Lettland stellte seine Strategie zur Personalentwicklung im Gesundheitswesen 2025-2029 vor, deren Schwerpunkte auf Personalplanung und -finanzierung, Ausbildung, Arbeitsbedingungen sowie der Verbesserung des Zugangs zu Fachkräften in allen Regionen liegen.
Das Land verwies auf Maßnahmen wie eine bessere Wohnortplanung, finanzielle Unterstützung für außerhalb von Großstädten tätige Fachkräfte sowie die Stärkung der Rolle von Pflegekräften.
Die jüngste Gesetzgebung zur Einführung der erweiterten Pflegepraxis (APN) in Lettland wurde als wesentlicher Schritt zur Stärkung der primären Gesundheitsversorgung und zur Verbesserung des Zugangs zu Gesundheitsleistungen in der Bevölkerung hervorgehoben.
"Die Ausbildung von mehr Ärzten und Pflegekräften ist unverzichtbar, aber sie ist nur ein Teil der Lösung", sagte Hossam Abu Meri, Gesundheitsminister von Lettland. "Wir müssen auch die Voraussetzungen schaffen, die es Gesundheitsfachkräften ermöglichen, eine nachhaltige berufliche Laufbahn aufzubauen, motiviert zu bleiben und sich während ihres gesamten Berufslebens für die Patienten einzusetzen."
Vorbereitung der Arbeitskräfte von morgen
Die Minister stellten ferner fest, dass der demografische Wandel die Gesundheitssysteme grundlegend verändert. Überall in der Europäischen Region leben die Menschen länger, doch eine alternde Bevölkerung erfordert eine leistungsfähigere primäre Gesundheitsversorgung, mehr Präventionsarbeit und integrierte Leistungsangebote.
Gleichzeitig müssen sich die Gesundheitssysteme auf zunehmende Bedrohungen wie Pandemien, Klimawandel, geopolitische Instabilität, Cyberrisiken und Störungen in Lieferketten einstellen.
In der Abschlusserklärung von Riga wird anerkannt, dass ein gestärktes Gesundheitspersonal die Grundlage für Gesundheitssicherheit bildet und dass die Länder jetzt handeln müssen, damit die Gesundheitssysteme für künftige Generationen nachhaltig bleiben.
Der SCI gehören Andorra, Estland, Island, Lettland, Luxemburg, Malta, Monaco, Montenegro, Nordmazedonien, San Marino, Slowenien und Zypern an.