Landkreis Cuxhaven

01/30/2026 | Press release | Distributed by Public on 01/30/2026 02:13

Erinnerungskultur - Autorin Susanne Siegert las in der Burg Bederkesa aus ihrem Buch »

30.01.2026

Erinnerungskultur - Autorin Susanne Siegert las in der Burg Bederkesa aus ihrem Buch

© Ina Lebedjew / Piper
Susanne Siegert ©ï¿œIna Lebedjew / Piper

Am 22. Januar fand in der Burg Bederkesa eine beeindruckende Lesung mit anschließender Gesprächsrunde mit der Autorin Susanne Siegert zu ihrem Buch "Gedenken neu denken. Wie sich unser Erinnern an den Holocaust verändern muss" statt. Rund 70 Besucherinnen und Besucher im Alter von etwa 15 Jahren bis zu einer Gruppe der örtlichen "Omas gegen rechts" hatten sich dazu im Festsaal der Burg eingefunden.
In ihrem Vortrag bezog sich Susanne Siegert auch auf lokale Begebenheiten: Belege für die Deportation jüdischer Mitmenschen aus Cuxhaven oder die Abbildung eines Schildes mit der Aufschrift "Juden unerwünscht in Bederkesa" sind beklemmende Zeugnisse des Naziregimes. Die historischen Fakten mit unmittelbarem Lokalbezug machen die Ereignisse auch heute für die Nachgeborenen greifbar und sollten neben den zentralen Gedenkorten eine größere Rolle spielen.

Siegert: Umgang mit der Erinnerung an den Holocaust muss sich entwickeln

Siegert plädiert für einen sich entwickelnden Umgang mit der Erinnerung an den Holocaust - jenseits von bloßem "Erinnerungstheater", hin zu echter, tiefgehender Gedenkarbeit.
Sie machte deutlich, dass das Erinnern an den Holocaust nicht instrumentalisiert werden solle - ein griffiger Hashtag wie #weremember zu feststehenden Gedenktagen wie dem Holocaustgedenktag am 27. Januar ersetze nicht die Aufarbeitung mit der Geschichte aus der Täterperspektive. In ihren Ausführungen rückte sie auch die Stimmen der unbequemen, wütenden Überlebenden in den Fokus, die in der bisherigen Auseinandersetzung nicht ausreichend Gehör gefunden hätten.

Holocaustgedenken braucht keine Rechtfertigung

Kritisch sieht Siegert Vergleiche zwischen den 1930er Jahren und heute: Eine Aufklärung über den Holocaust verhindere keine Wahl rechtsextremer Parteien. Der Vergleich vereinfache sowohl die aktuellen Entwicklungen wie auch die Geschichte. Holocaustgedenken brauche keine Rechtfertigung, es sei immer relevant. Dies zeige sich auch daran, dass rechte Kräfte institutionelles Gedenken wie etwa Gedenkstätten angriffen. Besonders bemerkenswert war ihr Hinweis darauf, dass die emotionale Distanz der Urenkel der Tätergeneration eine Chance sein könne - nicht zur Passivität, sondern zur echten Aufarbeitung historischer Verantwortung - auch in der eigenen Familie.
Im Anschluss an den Vortrag entwickelte sich ein angeregter Austausch zwischen Autorin und Publikum, der sich bei der abschließenden Signierstunde in kurzen Einzelgesprächen fortsetzte.

Signierte Exemplare des Titels "Gedenken neu denken. Wie sich unser Erinnern an den Holocaust verändern muss" sind in der Buchhandlung Schließke in Bad Bederkesa erhältlich.

Autor/in: Presse- und InformationsDienst des Landkreises Cuxhaven
Landkreis Cuxhaven published this content on January 30, 2026, and is solely responsible for the information contained herein. Distributed via Public Technologies (PUBT), unedited and unaltered, on January 30, 2026 at 08:13 UTC. If you believe the information included in the content is inaccurate or outdated and requires editing or removal, please contact us at [email protected]