03/05/2026 | Press release | Distributed by Public on 03/05/2026 08:50
Gewalt beginnt nicht immer mit einem Schlag. Oft beginnt sie viel früher - mit Kontrolle, Abwertung oder Besitzdenken. Genau hier setzt die Ausstellung "HerzSchlag - wenn aus Liebe Gewalt wird" an, die jetzt im Rathaus Cloppenburg eröffnet wurde. Zu sehen ist sie bis zum 13. März.
[Link]Zahlreiche Interessierte schauten sich in der Ausstellung um und kamen miteinander ins Gespräch.© Stadt Cloppenburg/Westerkamp
"Mutig sein heißt nicht, alles alleine zu lösen, sondern nicht wegzusehen!" Das steht auf einem Plakat an der Wand zu lesen. Und bringt eine der Kernaussagen der "Herz-Schlag"-Kampagne auf den Punkt. Die interaktive Ausstellung - organisiert vom Familienbüro und der Gleichstellungsbeauftragten der Stadt Cloppenburg gemeinsam mit der Polizeiinspektion Cloppenburg/Vechta und dem DRK-Gewaltschutzzentrum - widmet sich dem Thema Partnerschaftsgewalt und zeigt, wie Gewaltbeziehungen entstehen, welche Warnsignale es gibt und wo Betroffene Hilfe finden können. Noch bis zum 13. März ist sie während der Öffnungszeiten des Rathauses im 1. Obergeschoss vor dem großen Sitzungssaal zu sehen.
[Link]Eröffneten Die "HerzSchlag"-Ausstellung im Rathaus (v.l.): Lena Kramer vom LKA, Bürgermeister Neidhard Varnhorn, Polizeidirektor Hendrik Vieth, die städtische Gleichstellungsbeauftragte Katharina Benz und Daniela Hölscher von der Initiative Prävention.© Stadt Cloppenburg/WesterkampBürgermeister Neidhard Varnhorn dankte den Initiatoren und Machern der Ausstellung, die "man nicht einfach konsumiert. Sie fordert uns heraus. Sie berührt. Und sie fordert uns auf, Verantwortung zu übernehmen." Partnerschaftsgewalt finde oft im Verborgenen statt - hinter geschlossenen Türen und begleitet von Schweigen. "Und dieses Schweigen ist Teil des Problems!" Die Ausstellung mache sichtbar, was sonst im Verborgenen bleibe, und lade dazu ein, hinzuschauen, aufmerksam zu sein und den Mut zu finden, darüber zu sprechen.
Polizeidirektor Hendrik Vieth machte deutlich, dass Partnerschaftsgewalt kein Randphänomen ist. Sie komme in allen gesellschaftlichen Schichten vor. Auch im Oldenburger Münsterland: Die Fallzahlen bei häuslicher Gewalt seien um 18 Prozent gestiegen. Während familiäre Gewalt eher rückläufig sei, nehme insbesondere die Gewalt in Partnerschaften bzw. von Ex-Partnern zu.
Dabei sei von einer hohen Dunkelziffer auszugehen. Und: "Hinter jedem einzelnen Fall steht mindestens ein Opfer", betonte Vieth. Gewalt lasse sich durch nichts rechtfertigen. Prävention und Bekämpfung seien eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe. Trotz intensiver polizeilicher Arbeit steige die Zahl der Fälle weiter - umso wichtiger sei der Appell an alle, hinzuschauen und nicht wegzusehen.
Die Wander-Ausstellung wurde vom Landeskriminalamt Niedersachsen entwickelt. Lena Kramer vom LKA beschrieb bei der Eröffnung die vielen Gesichter von Gewalt in Beziehungen: körperliche, psychische, sexualisierte, digitale und auch ökonomische Gewalt. Nicht selten überschneiden sich diese Varianten.
Psychische Gewalt beginne häufig schon deutlich vor der strafrechtlichen Grenze - etwa durch Kontrolle, Herabwürdigung oder Einschränkungen im Alltag. Auch die immer häufiger werdende digitale Gewalt wie Stalking, Online-Bedrohungen, unerlaubte Veröffentlichungen privater Bilder oder sogenannter "Revenge Porn" belaste die Seele der Opfer schwer.
[Link]An einem Medien-Tisch mit Kopfhörern können Interessierte Audio-Berichte von Betroffenen anhören.Landesweit seien die Zahlen von Partnerschaftsgewalt zwischen 2021 und 2024 deutlich gestiegen und hätten 2025 auf hohem Niveau stagniert. Etwa 70 Prozent der Opfer sind Frauen, rund 70 Prozent der Tatverdächtigen Männer. Und rund 70 Prozent der Tatverdächtigen besitzen die deutsche Staatsangehörigkeit.
Eine niedersächsische Dunkelfeldstudie zeige zudem, dass besonders junge Menschen zwischen 16 und 34 Jahren und Frauen betroffen seien. Viele Opfer erlitten psychische Beeinträchtigungen, doch nur ein sehr kleiner Teil der Taten werde überhaupt angezeigt.
Die Ausstellung verfolgt bewusst einen präventiven Ansatz. Sie soll nicht nur über Gewalt informieren, sondern auch zeigen, wie gesunde Beziehungen aussehen können und wo Hilfe zu finden ist. Hauptzielgruppe sind Jugendliche und jungen Erwachsene. Für Schulklassen ab Jahrgang 9 werden auch Führungen angeboten. Begleitend gibt es informative Vorträge und Informationsangebote zum Thema Gewaltprävention. Weitere Informationen sowie das komplette Begleitprogramm samt Anmeldemöglichkeiten sind online unter https://www.cloppenburg.de/ausstellung-herzschlag zu finden.
• Die Ausstellung ist Teil der gleichnamigen landesweiten Kampagne. Auf der begleitenden Website: https://herzschlag-kampagne.de/ finden sich unter anderem:
- der Kurzfilm "HerzSchlag"
- Expertenbeiträge,
- ein interaktives Spiel,
- sowie Audiodateien mit Betroffenengeschichten.
Noch bis zum 13. März ist die Ausstellung im Rathaus zu sehen und verfolgt ein klares Ziel: informieren, sensibilisieren, vorbeugen und Betroffenen Mut machen.