10/01/2026 | Press release | Distributed by Public on 10/01/2026 00:17
01.10.2026 - Es beginnt oft schleichend: der Rücken, der nach der Schicht immer etwas länger schmerzt. Das Knie, das sich bei Kälte meldet. Die Erkältung, die nicht mehr in drei, sondern in acht Tagen ausgeheilt ist. Millionen Beschäftigte in Deutschland spüren den Wandel des Älterwerdens am eigenen Körper - lange bevor sie in Rente gehen. Und mit dem demografischen Wandel wird das zu einer zentralen Frage unserer Arbeitswelt und der zuletzt angestoßenen Debatten: Wie bleiben Menschen gesund, wenn sie länger arbeiten müssen und/oder sollen?
BKK_Dachverband_Pressemitteilung_International_Day_of_Older_People.pdf
Der International Day of Older People am heutigen 1. Oktober steht in diesem Jahr unter dem Motto "What's on your doorstep?" und wirft einen Blick auf das unmittelbare Lebensumfeld als Schlüssel für gesundes Altern.
Die aktuellen Daten der Betriebskrankenkassen aus dem betrieblichen Alltag zeigen: Gesundes Altern beginnt nicht erst im Ruhestand, sondern wird über das gesamte Erwerbsleben hinweg entschieden.
Blick in die Zahlen: Seltener krank, aber länger raus
Die Auswertung der Arbeitsunfähigkeitsdaten der Betriebskrankenkassen zeigt ein klares Muster: Mit zunehmendem Alter der Beschäftigten sinkt die Zahl der Krankschreibungen - ältere Beschäftigte fehlen also seltener. Doch wenn sie ausfallen, dann leider deutlich länger. Der Grund liegt in der Art der Erkrankungen: Während bei jüngeren Beschäftigten kurze Infekte und Atemwegserkrankungen das Bild prägen, dominieren im höheren Erwerbsalter oft Krankheiten mit vergleichsweise langwierigen Verläufen wie etwa Muskel-Skelett-Erkrankungen bzw. sogenannte "Verschleißkrankheiten" und andere chronische Erkrankungen.
Die Größenordnung ist dabei erheblich: Bei den Beschäftigten ab 55 Jahren entfielen 2024 mehr als die Hälfte aller Fehltage (54,7 Prozent) auf Langzeitfälle mit über sechs Wochen Dauer. Bei den unter 25-Jährigen liegt dieser Anteil gerade mal bei 19,5 Prozent - hier dominieren mit 45,9 Prozent die Kurzzeitfälle von bis zu einer Woche.
Auffällig: Ab 65 sinken die Fehlzeiten wieder
Ein weiterer Befund gibt zu denken: Bei Beschäftigten ab 65 Jahren gehen sowohl die Zahl der Krankschreibungen als auch die Fehltage zurück. Der Grund ist allerdings wenig überraschend, aber bezeichnend: Wer mit stärkeren gesundheitlichen Einschränkungen zu kämpfen hat, ist zu diesem Zeitpunkt häufig bereits aus dem Erwerbsleben ausgeschieden. Die Statistik zeigt also nicht weniger Belastung, sondern eine vorherige Auslese. Das ist der sogenannte Healthy-Worker-Effekt, der unterstreicht, dass die gesundheitliche Belastung im Erwerbsleben eher unterschätzt als überschätzt wird, wenn man nur auf die Zahlen der noch Erwerbstätigen schaut.
"Der Rückgang der Fehlzeiten ab 65 sollte nicht als gutes Zeichen, sondern als Warnsignal interpretiert werden: Er zeigt, dass viele Menschen mit gesundheitlichen Einschränkungen den Arbeitsmarkt längst verlassen haben, bevor sie überhaupt das reguläre Rentenalter erreichen. Wenn wir über längeres Arbeiten sprechen, müssen wir zuerst über gesunde Arbeitsbedingungen sprechen - alles andere bleibt sonst Theorie", betont Anne-Kathrin Klemm, Vorständin des BKK Dachverbandes. (siehe Grafik im PDF)
Der Beruf entscheidet mit
Besonders deutlich wird der Zusammenhang zwischen Arbeitsbedingungen und Gesundheit im Berufsvergleich: Über alle Berufe hinweg liegen die Fehlzeiten älterer Beschäftigter 50+ im Schnitt um etwa das 1,5-Fache höher als bei jüngeren. Am stärksten ausgeprägt ist dieser Unterschied in körperlich fordernden Berufen - etwa im Baugewerbe, in Land-, Forst- und Gartenbauberufen sowie im Lebensmittel- und Gastgewerbe.
"Unsere Daten zeigen eindrücklich: Alter allein macht nicht krank - entscheidend ist auch, unter welchen Bedingungen Menschen über Jahrzehnte hinweg arbeiten. Das zeigt der Blick auf die körperlich fordernden Berufe. Wenn wir wollen, dass Menschen in diesen Berufen überhaupt bis zur Rente durchhalten können, brauchen wir gezielte Entlastung genau dort, wo die Belastung am größten ist. Das heißt: Wer heute in Prävention und gesunde Arbeitsbedingungen investiert, verhindert morgen genau diese Langzeitausfälle, die wir bei älteren Beschäftigten beobachten. Angesichts des demografischen Wandels ist dieser unternehmerische Weitblick eine wirtschaftliche Notwendigkeit", so Anne-Kathrin Klemm weiter. (siehe Grafik im PDF)
Der demografische Hintergrund: Ein Wandel mit Ansage
Die Dringlichkeit einer gesundheitspolitischen Auseinandersetzung mit diesen Zahlen erschließt sich vollends im Kontext des demografischen Wandels: Laut Statistischem Bundesamt wird bereits 2035 in Deutschland jede vierte Person 67 Jahre oder älter sein. Das hat beispielsweise auch einen erheblichen Effekt auf die Arzneimittelversorgung und die Kosten, denn ab 60 Jahren steigen die definierten Tagesdosen und damit auch die Kosten rasant an.
Der diesjährige Gesundheitsreport der Betriebskrankenkassen widmet sich daher dem Schwerpunktthema "Gesund und länger arbeiten?" und beleuchtet die Chancen, Herausforderungen und Voraussetzungen einer längeren Erwerbstätigkeit aus verschiedenen Perspektiven.
Der BKK Gesundheitsreport 2026 wird am 01. Dezember veröffentlicht.
Torsten Dittkuhn
Referent Kommunikation & Social Media
Torsten Dittkuhn betreut die Social Media-Accounts des BKK Dachverbandes. Darüber hinaus verantwortet er das Social Media- und Online-Monitoring und gehört zum Website-Team, das sich um die Redaktion, Pflege und Weiterentwicklung der Verbands-Webseite kümmert.
Nach seinem Soziologie-Studium arbeitete er als Projektkoordinator im Bereich ÖPNV und für verschiedene Agenturen als Projekt- und Kampagnenmanager für Kunden wie die Hans-Böckler-Stiftung und das BMBF.
Diese Funktion befindet sich zur Zeit noch in der Entwicklung.
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