09/07/2026 | Press release | Distributed by Public on 09/07/2026 08:59
Mit seinen 45 Jahren kann Bernd Maaß bereits auf ein bewegtes Leben zurückblicken. In einem problematischen Elternhaus aufgewachsen, landet er als 16-Jähriger auf der Straße. Fast 20 Jahre lang ist er obdachlos, Erfahrungen mit Alkohol und Drogen prägen seinen Alltag. Mittlerweile hat sich das Blatt gewendet: Er ist bei den Technischen Diensten Ludwigsburg (TDL) fest angestellt und sorgt im Team der Stadtreinigung für die Sauberkeit in Ludwigsburg - als "einer der zuverlässigsten Mitarbeiter", sagt sein Chef Thomas Kaltwasser.
In all den Jahren versucht Bernd Maaß immer wieder beruflich Fuß zu fassen. Eine Ausbildung zum Maler kann er nach vier Jahren abschließen, in dieser Zeit wohnt er bei seiner Freundin. Im Anschluss arbeitet er auf dem Bau, schafft die Tätigkeit aber aufgrund von Alkoholproblemen irgendwann nicht mehr. Wieder steht er auf der Straße, als seine Freundin die Beziehung beendet. Schließlich dann ein kompletter Zusammenbruch - Bernd Maaß wacht eines Tages im Krankenhaus auf und hat keine Erinnerung daran, wie er dorthin gekommen ist. Es folgen eine erste Entgiftung und ein Rückfall, schließlich die zweite Entgiftung.
Nach der zweiten Entgiftung, im August 2017, gelingt endlich die Wende: Das Jobcenter vermittelt Bernd Maaß als AGH-Kraft an die Technischen Dienste in Ludwigsburg. "AGH" steht für "Arbeitsgelegenheit", umgangssprachlich auch "Ein-Euro-Job" genannt. Die Arbeitsgelegenheit soll Menschen die Chance geben, wieder Fuß im Arbeitsleben zu fassen - und im besten Fall wieder in den ersten Arbeitsmarkt eingegliedert zu werden.
AGH-Kräfte arbeiten maximal vier Stunden am Tag, um sich wieder an den Rhythmus des Arbeitslebens zu gewöhnen. Außerdem dürfen sie keine "normalen" Arbeitsplätze ersetzen und die geleistete Arbeit muss im öffentlichen Interesse stattfinden - so werden AGH-Kräfte bei der TDL zur Unterstützung der Stadtreinigung eingesetzt. Bernd Maaß gefällt die Arbeit: Er hat eine Aufgabe, sein Alltag bekommt wieder Struktur und einen Sinn. Über die Wohnungslosenhilfe bekommt er ein Zimmer, von Alkohol und Drogen hält er sich fern. Bernd Maaß bewährt sich, ist zuverlässig und engagiert. Der geregelte Tagesablauf tut ihm gut: "Morgens nach dem Aufstehen wusste ich einfach, wo ich hinmusste." Und er ist mit Herzblut bei der Arbeit - was schließlich, im Jahr 2020, auch mit einem unbefristeten Arbeitsvertrag belohnt wird.
Heute gehört Bernd Maaß wie selbstverständlich zu den insgesamt 44 Mitarbeitenden der Stadtreinigung, die in Ludwigsburg für Sauberkeit sorgen. Wer den 45-Jährigen heute trifft und spricht, kann seine Vorgeschichte kaum glauben. So geht es auch seinem aktuellen Vorgesetzten Thomas Kaltwasser, der ihn seit gut neun Monaten kennt: "In dieser Zeit war Bernd nie krank oder zu spät bei der Arbeit. Er gehört zu den Mitarbeitenden, auf die ich immer zählen kann."
Bernd Maaß hat bei der Stadt den Führerschein gemacht und auch den Anhängerschein, über den Gang in die Privatinsolvenz konnte er schuldenfrei werden. Die Leidenschaft für seinen Beruf, fürs Saubermachen, ist nach wie vor geblieben: "Wenn ich morgens die Bärenwiese gereinigt habe, dann drehe ich mich zum Schluss noch einmal um, um das Ergebnis zu betrachten. Das ist einfach ein schöner Anblick - dann weiß ich, es hat sich gelohnt."
Also ist Bernd Maaß wunschlos glücklich? "Fast", sagt er, denn seine Bleibe hat ihm nach wie vor die Wohnungslosenhilfe vermittelt. "Das ist jetzt noch mein größter Wunsch: als ganz 'normaler' Mieter eine Wohnung auf dem freien Markt zu finden."
Die "Reinigungsprofis" der TDL kümmern sich bei der Stadtreinigung täglich um die Sauberkeit in Ludwigsburg. Sie reinigen Straßen und Gehwege maschinell und per Hand - pro Jahr kommen dabei etwa 35.000 Kehrkilometer zusammen. Außerdem leeren sie rund 1.500 Mülleimer, 150 Edelstahl-Abfallbehälter und 49 Unterflurbehälter, reinigen mehr als 200 Bushaltestellen sowie 144 Treppenanlagen.
Auch das Aufräumen von illegal entsorgtem Müll gehört zum Alltag: Circa 138 Tonnen fallen jährlich an. Hinzu kommen Sonderreinigungen nach Veranstaltungen wie Marktplatzfest oder Pferdemarkt, das Säubern von Parkbuchten, die Betreuung von rund 100 Hundetütenspendern gemeinsam mit Pat*innen, die Laubsammlung im Herbst sowie Einsätze im Winterdienst.