Universität Bielefeld

03/05/2026 | Press release | Distributed by Public on 03/05/2026 03:48

Autonomie zwischen Freiheit und Fürsorge

Selbstbestimmung gilt als Grundrecht, auch bei Entscheidungen über medizinische Behandlungen. Doch was passiert, wenn Menschen Unterstützung brauchen, um Entscheidungen zu treffen? Der Workshop "Die Ambivalenz der Autonomie als theoretische Herausforderung" widmet sich am 13. März am Zentrum für interdisziplinäre Forschung (ZiF) der Universität Bielefeld der Frage, wie diese Spannung überbrückt werden kann.

Autonomie ist ein hohes Gut. Gerade bei medizinischen Maßnahmen sollen Menschen selbst entscheiden dürfen. Für Menschen mit kognitiven Einschränkungen - also mit Beeinträchtigungen beim Denken, Erinnern oder Verstehen - gerät dieses Prinzip jedoch schnell unter Druck. Denn das Recht auf Entscheidung knüpft häufig an die sogenannte Entscheidungsfähigkeit. Betroffene müssen Informationen verstehen, abwägen und Folgen einschätzen können.

© Ralf Stoecker

Der Bielefelder Philosoph Professor Dr. Ralf Stoecker leitet den Workshop am ZiF.

Wie kann man diese Menschen unterstützen, ohne ihr Recht auf Selbstbestimmung zu untergraben? "In der Ethik und der inklusiven Medizin wurde dafür das Konzept der assistierten Autonomie entwickelt", erklärt der Bielefelder Philosoph Professor Dr. Ralf Stoecker, der den Workshop leitet. Gemeint ist eine unterstützte Entscheidungsfindung: Menschen erhalten Hilfe, etwa durch verständliche Informationen, vertraute Begleitpersonen oder technische Assistenzsysteme, behalten aber die Kontrolle über ihre Entscheidung.

Forschende aus Philosophie, Medizinethik, Informatik, Soziologie, Psychologie und Gesundheitswissenschaften sowie Expert*innen aus eigener Erfahrung, also Menschen mit kognitiven Beeinträchtigungen, werden diskutieren, ob die assistierte Autonomie ein tragfähiger Weg ist oder ob sich dahinter neue Widersprüche verbergen.

Der Workshop ist zugleich die Auftaktveranstaltung der Fokusgruppe "Die Ambivalenz der Autonomie und ihre Auflösung durch die Assistierte Autonomie", die im März am ZiF arbeitet. Ziel der Gruppe ist es unter anderem, Leitlinien für den Umgang mit assistierter Autonomie zu formulieren und partizipative sowie interdisziplinäre Forschungswege für die Weiterentwicklung des Bielefelder Fokusbereichs AI*IM zu etablieren.

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