Bundesland Niedersachsen

01/14/2026 | Press release | Distributed by Public on 01/14/2026 04:32

Niedersachsen setzt starkes Zeichen für Prävention und Schutz: Start der landesweiten Kampagne „Kein Raum für häusliche Gewalt“

Häusliche Gewalt ist ein gesamtgesellschaftliches Problem und betrifft Menschen unabhängig von Alter, Herkunft oder sozialem Status. In Niedersachsen ist die Zahl der polizeilich registrierten Fälle in den vergangenen Jahren deutlich gestiegen: Im Jahr 2024 etwa wurden 32.545 Fälle erfasst - ein Anstieg um rund 9 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Diese Entwicklung weist auf eine gestiegene Sensibilisierung und Anzeigebereitschaft hin, macht aber zugleich den weiterhin hohen Handlungsbedarf deutlich - zumal das Dunkelfeld deutlich größer ist und viele Fälle unentdeckt bleiben.

Hier setzt die Kampagne "Kein Raum für häusliche Gewalt" an, um insbesondere im Wohnumfeld für das Thema zu sensibilisieren und Betroffene niedrigschwellig zu unterstützen.

"Häusliche Gewalt passiert dort, wo Menschen sich eigentlich sicher fühlen sollten: in den eigenen vier Wänden. Gemeinsam mit Wohnungsunternehmen, Polizei, Beratungsstellen und starken Partnern setzen wir ein Zeichen für ein sicheres und gewaltfreies Wohnumfeld und machen deutlich: Wegschauen ist keine Option. Gewalt geht uns alle an", sagt Dr. Susanne Schmitt, Direktorin des Verbandes der Wohnungs- und Immobilienwirtschaft Niedersachsen Bremen (vdw).

"Häusliche Gewalt ist kein Randphänomen und umfasst alle Formen von Gewalt im privaten Umfeld - insbesondere in Partnerschaften und Familien. Mit der Kampagne setzen wir ein deutliches Zeichen: Gewalt darf in keinem Zuhause Platz haben. Ziel der Kampagne ist, häusliche Gewalt im unmittelbaren Wohnumfeld sichtbar zu machen und den Betroffenen beizustehen. Die steigenden Fallzahlen zeigen, dass immer mehr Menschen den Mut finden, Hilfe zu suchen und Straftaten anzuzeigen. Zugleich ist dies ein klarer Auftrag, Prävention und Unterstützung weiter auszubauen und nachhaltige Strukturen zu schaffen", betont Staatssekretär Dr. Thomas Smollich.

Gemeinsames Signal gegen häusliche Gewalt:

Die Initiative wurde vom vdw Niedersachsen Bremen angestoßen und gemeinsam mit dem Landespräventionsrat Niedersachsen (LPR) sowie der Agentur Hunger & Koch umgesetzt. Eingebunden sind zudem die Polizei Niedersachsen sowie der Verbund der niedersächsischen Frauen- und Mädchenberatungsstellen gegen Gewalt.

Staatssekretär Dr. Thomas Smollich erklärt weiter: "Wir danken dem vdw Niedersachsen Bremen für die Initiative zu dieser Kampagne, die auf Zusammenarbeit und Vernetzung setzt. Die Koordinierungsstelle "Häusliche Gewalt" des Landespräventionsrates Niedersachsen wird weiterhin die behörden- und institutionenübergreifende Zusammenarbeit fördern und ihr Know­how einsetzen, um Betroffene zu schützen und die Präventionsarbeit auszubauen."

Verbandsdirektorin Dr. Susanne Schmitt ergänzt: "Wohnung, Haus und Nachbarschaft müssen sichere Orte bleiben. Gewalt kann jeden treffen. Deshalb lassen wir niemanden allein. Unsere Botschaft lautet: Häusliche Gewalt ist keine Privatsache. Wir stärken Mitarbeitende, Nachbarschaften und Hausgemeinschaften darin, hinzusehen, richtig zu reagieren und Hilfe zu ermöglichen. Der vdw bündelt mit der Kampagne seine langjährige präventive Arbeit und bringt sie dorthin, wo sie dringend gebraucht wird - in Wohnquartiere und Hausgemeinschaften."

Ziele und Maßnahmen der Kampagne:

Neben der Sichtbarmachung häuslicher Gewalt im Wohnumfeld sollen Betroffene niedrigschwellige Unterstützung erhalten. Dies umfasst die Sensibilisierung von Mitarbeitenden in Wohnungsunternehmen sowie deren Vernetzung mit örtlichen Akteuren - insbesondere den sog. Runden Tischen gegen häusliche Gewalt. Daneben wird eine mehrsprachige Website mit Hilfetelefonnummern bereitgestellt. Kampagnenmaterialien (Plakate, Postkarten, Banner) werden zur Information und Aktivierung von Mieterinnen und Mietern in Mehrfamilienhäusern und im öffentlichen Raum verteilt, um Zivilcourage und Hilfsbereitschaft zu fördern.

Hintergrund:

Häusliche Gewalt umfasst Gewalt in engen persönlichen Beziehungen, die körperlicher, sexueller, psychischer oder ökonomischer Natur sein kann und auf Macht und Kontrolle abzielt. Sie betrifft vor allem Frauen, aber auch Männer und Kinder. Bundesweit ist jede dritte Frau mindestens einmal von Gewalt betroffen; diese Zahlen spiegeln sich auch in Niedersachsen wider.

Das Land Niedersachsen engagiert sich bereits umfassend bei der Bekämpfung häuslicher Gewalt und in der Präventionsarbeit. Grundlage ist der Niedersächsische Aktionsplan gegen Häusliche Gewalt, der sich an den Vorgaben der Istanbul-Konvention orientiert. Die Koordinierungsstelle "Häusliche Gewalt" wurde 2002 eingerichtet und ist organisatorisch bei dem Landespräventionsrat Niedersachsen im Niedersächsischen Justizministerium angebunden. Die Koordinierungsstelle unterstützt Netzwerke und Fachkräfte verschiedener Bereiche bei der Entwicklung und Verstetigung der Interventions- und Präventionsarbeit vor Ort. Zudem fungiert sie als Informations- und Servicestelle für Fachkräfte und Gremien.

Zum vdw Niedersachsen Bremen gehören 180 sozial orientierte Wohnungsgenossenschaften und -gesellschaften, die über einen Bestand von rund 400.000 Wohnungen verfügen. Ihre Aufgabe ist es, bezahlbaren Wohnraum für alle Bevölkerungsgruppen anzubieten. Schon seit mehr als 25 Jahren ist der vdw im Niedersächsischen Landespräventionsrat engagiert und zählt zu den Gründungsmitgliedern der "Sicherheitspartnerschaft im Städtebau" im Jahr 2005 sowie des "Bündnisses für gute Nachbarschaften" im Jahr 2021.

Die Kampagne "Kein Raum für häusliche Gewalt" startet am 15. Januar 2026 in 13 Wohnungsunternehmen an 12 Standorten. Durch die interdisziplinäre Zusammenarbeit werden Kompetenzen aus Wohnungswirtschaft, Prävention, Beratung und polizeilicher Arbeit gebündelt, um wirksame Strukturen für Prävention und Hilfe im Wohnumfeld zu schaffen. Nach einer erfolgreichen Pilotphase ist ein landesweiter Rollout vorgesehen. Bereits jetzt haben weitere Wohnungsunternehmen ihr Interesse an einer Beteiligung bekundet.

Weitere Informationen und Materialien finden Sie auf der Kampagnenwebsite: gegen-häusliche-gewalt.de

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