02/18/2026 | Press release | Archived content
Die Gesundheitssysteme stehen wegen des Mangels an Pflegekräften, der steigenden Anforderungen an die Pflege und der zunehmenden Zahl von Burnout-Fällen unter wachsendem Druck. Deshalb hat WHO/Europa heute erstmals ein Kurzdossier für die Europäische Region herausgegeben, in dem konkrete Maßnahmen zur Bewältigung der Krise beschrieben werden. Im Kern definiert der Leitfaden eine sichere Personalausstattung als die richtige Anzahl und Mischung von angemessen ausgebildeten und unterstützten Pflegekräften, um eine sichere Pflege zu gewährleisten. Es gibt übereinstimmende Belege dafür, dass die Risiken für die Patienten steigen, wenn es nicht ausreichend Pflegekräfte mit den richtigen Qualifikationen gibt, und dass auch Stressbelastung, Verletzungen und psychische Erkrankungen beim Personal zunehmen.
2022 warnte WHO/Europa davor, dass der Personalmangel im Gesundheitswesen eine "tickende Zeitbombe" sei. Nach neuen Schätzungen für die gesamte Europäische Region werden bis zum Jahr 2030 fast 1 Million Gesundheitsfachkräfte fehlen. Weitere Erkenntnisse aus mehreren Mitgliedstaaten der Europäischen Union (EU) belegen, wie sich verschlechternde Arbeitsbedingungen und die zunehmende psychische Belastung des Pflegepersonals zu mehr Burnout, Fluktuation und Personalmangel führen - mit direkten Folgen für die Patientensicherheit.
"Pflegekräfte machen mehr als die Hälfte - 56 % - des Personals im Gesundheitswesen aus, die meisten von ihnen sind Frauen. Eine sichere Personalausstattung im Pflegewesen ist daher kein Luxus und kein administratives Detail", erklärt Dr. Hans Henri P. Kluge, WHO-Regionaldirektor für Europa. "Vielmehr ist sie eine für die Sicherheit unverzichtbare Investition - für die Patienten und für das gesamte Gesundheitssystem. Wenn es uns mit der Patientensicherheit in unseren Gesundheitssystemen ernst ist, müssen wir konkrete Maßnahmen ergreifen, um für eine angemessene Personalausstattung zu sorgen und die Beschäftigten zu unterstützen. In der EU herrscht bereits ein gravierender Mangel an Pflegekräften; wir können es uns einfach nicht leisten, sie aus ihrem Beruf zu vertreiben."
"Pflegekräfte bilden das Rückgrat unserer Gesundheitssysteme, gehören aber zu den Gruppen, die am stärksten von Personalmangel und hoher beruflicher Belastung betroffen sind", sagte Dr. Sandra Gallina, Generaldirektorin für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit bei der Europäischen Kommission. "Überall in der EU gibt es einen Mangel an Gesundheits- und Pflegepersonal, und die Beschäftigten leiden unter einer hohen Arbeitsbelastung und stehen unter hohem psychischem Druck, und das Interesse an den Pflegeberufen ist rückläufig. Die Kommission unterstützt die Mitgliedstaaten bei der Bewältigung dieser Herausforderung durch Initiativen im Rahmen von EU4Health, wie Nursing Action [Maßnahmen im Pflegewesen], die Gemeinsame Aktion HEROES, verschiedene Schulungsprojekte sowie Unterstützung bei der Bewältigung von psychischen Gesundheitsproblemen. Andere Finanzierungsinstrumente wie Erasmus+, die Aufbau- und Resilienzfazilität und Mittel der Kohäsionspolitik ergänzen diese Bemühungen."
Allzu oft werden Entscheidungen über die Personalausstattung im Pflegewesen unter Druck getroffen, ohne dass hinreichende Daten, eine angemessene Unterstützung für psychische Gesundheit und Wohlbefinden, ausreichende finanzielle Investitionen oder eine langfristige Planung vorliegen. Das neue Kurzdossier von WHO/Europa gibt politischen Entscheidungsträgern einen klaren, praktischen Rahmen an die Hand, um dies zu ändern.
Auf der Grundlage weltweiter Erkenntnisse sowie konkreter Beispiele aus den 21 Ländern im Rahmen des von der EU finanzierten Projekts "Nursing Action" wird in diesem Dokument erläutert, wie Investitionen in eine sichere Personalausstattung im Pflegewesen messbare Vorteile bringen, wie etwa eine geringere Patientensterblichkeit, eine bessere Versorgungsqualität, ein Zugewinn an Wohlbefinden für das Personal und eine bessere Leistungsfähigkeit des Gesundheitssystems insgesamt.
In dem Kurzdossier wird hervorgehoben, dass eine sichere Personalausstattung in den Pflegeberufen von der Personalplanung auf nationaler Ebene bis hin zu den täglichen Entscheidungen in Krankenhäusern und Pflegeeinrichtungen reicht.
"Wir haben Belege für die negativen Auswirkungen einer unsicheren Personalausstattung auf die psychische Gesundheit und das Wohlbefinden aller Angehörigen der Gesundheitsberufe, insbesondere für das Pflegepersonal. Diese Auswirkungen dürfen nicht ignoriert werden", erklärt Margrieta Langins, Regionalbeauftragte für das Pflege- und Hebammenwesen bei WHO/Europa. "Dieses neue Kurzdossier bietet nun die Gelegenheit, konkrete Maßnahmen zum Schutz und zur Förderung des seelischen Wohlbefindens von Millionen von Pflegekräften in unserer Region zu ergreifen."
In dem Kurzdossier werden acht vorrangige Grundsatzmaßnahmen zur Unterstützung einer wirksamen Umsetzung in den Mitgliedstaaten genannt:
Das Kurzdossier ist Teil des Projekts Nursing Action, einer dreijährigen Initiative, die 2024 unter der Regie von WHO/Europa begann und von der Europäischen Kommission im Rahmen des Programms EU4Health finanziert wird. In Zusammenarbeit mit 21 EU-Mitgliedstaaten unterstützt das Projekt die Entwicklung und Umsetzung evidenzbasierter Strategien zur Anwerbung und Bindung von Pflegekräften, zur Verbesserung der Arbeitsbedingungen und zur Stärkung des Pflegepersonals in der gesamten Europäischen Region.