03/03/2026 | Press release | Distributed by Public on 03/03/2026 05:00
Zehn Jahre, nachdem die FRA die erste wegweisende Studie der EU zu Gewalt gegen Frauen veröffentlicht hat - und trotz erheblicher Fortschritte in Gesetzgebung und Politik - ist Gewalt gegen Frauen in der EU nach wie vor weit verbreitet.
Der neue Bericht "EU gender-based violence survey - Evidence for policy and practice " (EU-Erhebung zu geschlechtsspezifischer Gewalt - Fakten für Politik und Praxis) bietet eine ausführliche Analyse der Ergebnisse der zweiten EU-weiten Erhebung zu diesem Thema. Jede dritte Frau in der EU hat körperliche und/oder sexuelle Gewalt erfahren. Gewalt in der Partnerschaft, psychische Übergriffe, wirtschaftliche Gewalt und Online-Gewalt geschehen viel zu häufig und zählen dennoch zu den am wenigsten erkannten Gewaltkategorien.
"Gewalttaten gegen Frauen sind eine Verletzung ihrer Grundrechte", so die Direktorin der FRA, Sirpa Rautio. "Das Recht der Frauen auf Würde, Sicherheit und Gleichheit wird in der gesamten EU nach wie vor in erheblichem Umfang verletzt. Wenn Gewalt und Missbrauch normalisiert, vertuscht oder ignoriert werden, spiegelt dies systemische Mängel bei der Gewährleistung der Rechte wider. Die Mitgliedstaaten haben klare Verpflichtungen, Gewalt zu verhindern, Opfer zu schützen und den Zugang zur Justiz zu gewährleisten. Die Ergebnisse zeigen jedoch, dass noch viel zu tun bleibt."
Die meisten Gewalttaten werden nicht erfasst. Nur 6,1 % der betroffenen Frauen brachten körperlichen oder sexuellen Missbrauch durch ihre Partner bei der Polizei zur Anzeige, bei Angriffen durch andere Personen waren es 11,3 %. Scham, Selbstvorwürfe, Angst und mangelndes Vertrauen in die Polizei sind die am häufigsten genannten Gründe für die Nichtanzeige. Fehlendes Wissen sowie ein begrenzter Zugang zu Unterstützungsnetzwerken tragen ebenfalls dazu bei.
"Wenn Frauen sich nicht darauf verlassen können, dass die Behörden sie schützen, müssen wir uns die Frage stellen, was wir ändern müssen - und nicht, was die Frauen noch tun müssen", so die EIGE-Direktorin Carlien Scheele. "Aus den Ergebnissen der Erhebung lässt sich ein klarer Weg für die Regierungen ableiten: Prävention, frühzeitiges Eingreifen, spezialisierte, geschlechtersensible und opferzentrierte Dienste müssen der Standard werden und dürfen nicht optional sein."
Aus dem Bericht gehen u. a. folgende wichtige Schlussfolgerungen hervor:
Um die Umsetzung der Gesetzgebung zu gewährleisten, hat die EU ihren Rechtsrahmen unter anderem durch die Richtlinie zur Bekämpfung von Gewalt gegen Frauen und häuslicher Gewalt und durch die EU-weite Ratifizierung des Übereinkommens von Istanbul gestärkt. Doch Gesetze allein reichen nicht aus.
Die Umfrage zeigt klare Prioritäten auf: Verbesserung der opfersensiblen und geschlechtergerechten Meldesysteme, Gewährleistung des Zugangs zu ganzheitlicher Unterstützung, einschließlich Gesundheits- und spezialisierter Dienste, Einstufung von sexueller Gewalt aufgrund fehlender Einwilligung als Straftat, Ausweitung des strafrechtlichen Schutzes auf wirtschaftliche und psychische Gewalt, Stärkung der Reaktionen auf technologiegestützte Gewalt und Investitionen in Frühpräventions-, Kinderschutz- und traumasensible Systeme.
Dieser Bericht enthält detaillierte Ergebnisse der EU-Erhebung über geschlechtsspezifische Gewalt und ergänzt den Bericht von 2024 über die wichtigsten Ergebnisse über die allgemeine Prävalenz, Gewalt durch Partner und außerhalb der Partnerschaft sowie Belästigung am Arbeitsplatz.
Die Erhebung wurde von Eurostat, der FRA und dem EIGE gemeinsam durchgeführt und stützt sich auf über 114 000 Befragungen, die zwischen September 2020 und März 2024 geführt wurden.
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