eco - Verband der deutschen Internetwirtschaft e.V.

06/01/2026 | News release | Distributed by Public on 06/01/2026 10:42

Christ & Company im Interview: Digitale Souveränität braucht mehr als Regulierung

Wie kann Europa seine technologische Handlungsfähigkeit stärken und welche Rolle spielen Unternehmen dabei? Im eco Interview spricht Tyson Barker, Director Digital Economy bei Christ & Company, über digitale Souveränität, technologische Resilienz und die strategische Bedeutung von Zukunftstechnologien. Christ & Company unterstützt Unternehmen und Institutionen bei strategischer Positionierung, Public Affairs und Kommunikation in digitalen Zukunftsfeldern - von Future Tech, Cyber Security und KI bis hin zu Defence & Geostrategy.

Wie weit ist Europa auf dem Weg zur digitalen Souveränität wirklich gekommen?

Barker: Europa hat Fortschritte gemacht - sowohl regulatorisch als auch politisch und bei konkreten Beschaffungsentscheidungen. Wichtige Schritte wurden unternommen, um Wahlfreiheit zu erhalten und Lock-in-Effekte aufzubrechen. Aber die harte Wahrheit ist: Regulierung allein reicht nicht. Europa erkennt endlich, was die USA und China längst verstanden haben: Wer die digitale Wertschöpfung kontrolliert, hat Macht. Beschaffung ist dabei ein zentrales Instrument. Es braucht klare Präferenzen für europäische digitale Infrastruktur - keine starren Vorschriften, aber gezielte Förderung.

Ein früherer deutscher Wirtschaftsminister sagte: "Im Zeitalter des Internets der Dinge haben die USA das Internet. Wir haben die Dinge." Diese Logik greift nicht mehr. Wer auf der digitalen Ebene keine eigene Wertschöpfung aufbaut, wird auch seine industrielle Stärke nicht halten können.

Was bedeutet technologische Resilienz für Unternehmen und den Staat in der Praxis?

Barker: Resilienz bedeutet nicht, Risiken zu vermeiden, sondern sie zu kennen. Es geht darum zu verstehen, wo Abhängigkeiten entstehen, wann sie zum Engpass werden und wie sie geopolitisch als Druckmittel eingesetzt werden können. Und dann Alternativen zu haben und handlungsfähig zu bleiben.

Das ist keine Theorie, wir sehen es konkret: Bei Cloud-Diensten vor dem Internationalen Strafgerichtshof oder bei der Internetkonnektivität in der Ukraine zeigt sich, wie Staaten Technologieunternehmen gezielt einsetzen, um Abhängigkeiten als geopolitisches Druckmittel zu nutzen.

Was Europa braucht, sind Investitionen in europäische Akteure, eine Exportkontroll- und Marktpolitik nach eigenen strategischen Prioritäten, mehr technoindustrielle Politik in Technologie und Verteidigung - und Lieferketten gezielt abzusichern. Für Unternehmen gilt dasselbe: Wer jetzt keine eigene Resilienzstrategie entwickelt, wird später reagieren statt gestalten.

Welche Zukunftstechnologien sollten bereits heute auf der strategischen Agenda stehen?

Barker: Quantencomputing, Fusionsenergie und neue Entwicklungen in der Gesundheitstechnologie - das sind Felder, deren wirtschaftliche und geopolitische Relevanz gerade rasant wächst. Deutschland hat in jedem dieser Bereiche bereits Weltklasse-Akteure. Aber das hatte es früher auch in der Computertechnik, bei Solartechnologie und Robotik. Das Ergebnis kennen wir.

"Entwicklungen aufmerksam beobachten" reicht nicht mehr. Europa muss die Förderung dieser Schlüsseltechnologien als strategisch zentral begreifen - für nationale Sicherheit genauso wie für wirtschaftliche Zukunftsfähigkeit.

Wie navigieren Unternehmen erfolgreich an der Schnittstelle von Technologie und Politik?

Barker: Die Unternehmen, mit denen wir arbeiten, haben technologisch meist die Nase vorn. Die entscheidende Frage ist: Wie wird daraus strategischer Einfluss? Zwei Hebel sind entscheidend - das regulatorische Umfeld aktiv mitgestalten und den Staat als Förderer und Ankerkunden gewinnen. Beides gelingt nur durch die richtigen Gespräche.

Technologische Expertise ist die Grundlage. Aber wirkliche Wirkung entsteht im Dialog mit politischen Entscheidungsträgern und relevanten Stakeholdern. Wer dort sichtbar und gut positioniert ist, gestaltet Rahmenbedingungen mit, statt sich später daran anpassen zu müssen. Genau das ist der Kern unserer Arbeit.

Über Christ & Company
Christ & Company begleitet Unternehmen und Institutionen bei strategischer Positionierung, Public Affairs und Kommunikation in digitalen Zukunftsfeldern. Das 2018 in Berlin gegründete Unternehmen vereint Spezialist:innen aus den Bereichen Sustainable Strategy & Governance, Communications, New Media, Public Affairs und Ventures, unterstützt von erfahrenen Senior Advisors.

Die Expertise reicht von Future Tech, Cyber Security, AI & Digital Markets über Finance & FinTech, Energy & Sustainability sowie Mobility & Infrastructure bis hin zu Health Care und Defence & Geostrategy.

Als Teil der Christ Group agieren sie gemeinsam mit Joschka Fischer & Company sowie Cosmonauts & Kings und verbinden so politische Erfahrung, strategische Kommunikation und digitale Expertise auf einzigartige Weise. Darüber hinaus hält Christ & Company als Business Angel und Venture Builder Beteiligungen an Wachstumsunternehmen.

Tyson Barker, Director Digital Economy bei Christ & Company Foto Credits: Karoline Wolf
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