05/28/2026 | News release | Distributed by Public on 05/28/2026 05:00
Header
Gemäss der Studie nutzen die jungen Erwachsenen täglich im Durchschnitt etwa 400 Minuten lang ihr Smartphone, 170 Minuten davon widmeten sie Social Media. Nur gerade 7 Minuten lang riefen sie Online-Nachrichten aus Politik, Wirtschaft, Kultur, Human Touch, Sport oder anderen Themenbereichen auf. «Das ist sehr wenig», kommentiert Medienforscher Mark Eisenegger, «das reicht nicht, um eine ganze ‹Tagesschau› anzusehen.» Am häufigsten wurden News-Webseiten von «20 Minuten» aufgerufen, gefolgt von srf.ch. Nur gerade 2% der jungen Erwachsenen widmeten den journalistisch aufbereiteten Nachrichten täglich 30 Minuten oder mehr.
An der Studie waren neben Eisenegger auch Adrian Rauchfleisch (Taiwan State University), Pascal Jürgens (Universität Trier) und Karl Aberer (EPFL) beteiligt. Sie erfassten für die Studie systematisch sämtliche Domains, die die 18- bis 25-Jährigen Studienteilnehmenden Tag für Tag auf dem Smartphone aufriefen. Die Domains wurden mit einer breiten Liste von 3500 nationalen und internationalen News-Websites abgeglichen, auf denen möglichst alle möglichen News-Websites, auch unseriöse wie beispielsweise «Breitbartlegitim.ch» oder «Fisch und Fleisch uncut-news.ch», vertreten waren.
Als positiv wertet Eisenegger die Tatsache, dass nur sehr wenige der User:innen problematische News-Websites aufriefen, auf denen Verschwörungstheorien oder Desinformationen verbreitet wurden: «Das ist für eine Demokratie ein zentraler Befund: Junge Erwachsene scheinen ein Gespür dafür zu haben, welchen Informationsquellen sie vertrauen können.» Einen weiteren Aspekt konnte die Studie zeigen: Im Vorfeld von politischen Abstimmungen griffen junge Erwachsene vermehrt auf etablierte, journalistische News-Websites zu.
KI ist zurzeit erst für 18% der jungen Erwachsenen eine zentrale Quelle für Nachrichten, mit Aufwärtstrend, so Medienforscher Eisenegger. Er gibt zu bedenken, dass der wachsende Konsum von KI-Content den journalistischen Medien das Wasser abgräbt - weil viele Konsument:innen nur mehr die Antwort der KI überfliegen und nicht auf die Links mit den Quellen klicken. Dadurch verliert der Journalismus weiter an Reichweite - und damit auch an Einnahmen.
Brigitte Blöchlinger, Redaktorin UZH News
Lesen Sie auch das Interview mit dem UZH-Informatikprofessor Abraham Bernstein, der die Leitungskommission des NFP 77 präsidierte:
«Wir müssen eine KI-Fehlerkultur entwickeln», UZH News, 28.5.2026
Die Studie «Die Bedeutung des Journalismus für das digitale Informationsverhalten junger Erwachsener» (2020-24) ist eine von neun Forschungsprojekten, die im Rahmen des Nationalen Forschungsprogramms «Digitale Transformation» (NFP 77) an der UZH durchgeführt wurden. Die Untersuchung, die innovative Tracking-Methoden und automatisierte Inhaltsanalysen nutzte, wurde am 28. Mai 2026 an der Medienkonferenz in Bern zum Abschluss des NFP 77 von UZH-Medienforscher Mark Eisenegger vorgestellt.
Studie «Die Bedeutung des Journalismus für das digitale Informationsverhalten junger Erwachsener»
Mark Eisenegger, Institut für Kommunikationswissenschaft und Medienforschung (IKMZ), UZH
Nationales Forschungsprogramm «Digitale Transformation» (NFP 77)
Footer
© 2023 Universität Zürich