WHO - World Health Organization Regional Office for Europe

03/10/2026 | Press release | Distributed by Public on 03/11/2026 13:57

Neuer gemeinsamer Bericht von WHO/Europa und Europäischem Observatorium skizziert Grundsatzoptionen für die Stärkung der Notfallversorgung in Krankenhäusern

Ein neuer, von WHO/Europa und dem Europäischen Observatorium für Gesundheitssysteme und Gesundheitspolitik gemeinsam veröffentlichter Bericht zeigt praktische Grundsatzoptionen auf, die den Ländern dabei helfen sollen, den zunehmenden Druck auf die Not- und Dringlichkeitsversorgung in Krankenhäusern in der Europäischen Region der WHO zu bewältigen.

In dem Bericht mit dem Titel "Bewältigung der Herausforderungen in der Not- und Dringlichkeitsversorgung: Welche Grundsatzoptionen gibt es?" wird untersucht, wie die Länder die Versorgung besser organisieren, personell besetzen und koordinieren können, damit die Patienten eine zeitnahe und qualitativ hochwertige Versorgung erhalten und gleichzeitig eine unnötige Belastung für die Krankenhäuser vermieden wird.

Eine zentrale Botschaft des Berichts lautet, dass die Leistungsfähigkeit der Not- und Dringlichkeitsversorgung von einer systemweiten Planung und Koordination abhängt.

"Die Not- und Dringlichkeitsversorgung lässt sich nicht durch die Konzentration auf einen Teil des Systems allein reparieren. Vielmehr muss die Politik das gesamte System im Blick haben, d. h. Anreize aufeinander abstimmen, in das Gesundheitspersonal investieren und die primäre Gesundheitsversorgung stärken, damit die Menschen die richtige Versorgung zur rechten Zeit am richtigen Ort erhalten", erklärt Dr. Natasha Azzopardi-Muscat, Leiterin der Abteilung Gesundheitssysteme bei WHO/Europa.

Systeme, die Vertrauen schaffen

Gesundheitsleistungen werden in verschiedenen Umfeldern erbracht, von der kommunalen und primären Gesundheitsversorgung bis hin zu Krankentransporten und Notaufnahmen von Krankenhäusern. Die Not- und Dringlichkeitsversorgung ist für Patienten gedacht, die sofortige Hilfe benötigen, wobei in der Notversorgung die schwersten und lebensbedrohlichsten Fälle behandelt werden.

Die richtige Not- und Dringlichkeitsversorgung ist entscheidend für die Versorgungsqualität, die Aufrechterhaltung des öffentlichen Vertrauens in das Gesundheitssystem und die Verringerung der übermäßigen Inanspruchnahme von Krankenhausleistungen.

"Wie sich ein Gesundheitssystem unter Druck verhält, sagt viel über seine grundlegenden Stärken und Schwächen aus", sagt Dr. Ewout van Ginneken, Direktor des Europäischen Observatoriums. "Die Not- und Dringlichkeitsversorgung befindet sich an der Schnittstelle zwischen diesen Stärken und Schwächen, und eine Reform auf diesem Gebiet ist mit echten Kompromissen verbunden, bei denen manche Maßnahmen die Nachfrage verlagern können, ohne die eigentlichen Ursachen zu beseitigen. Durch die Darstellung der Grundsatzoptionen liefert dieses Kurzdossier politischen Entscheidungsträgern die nötigen Belege für die Schaffung von Systemen, denen die Menschen vertrauen und die wirksam reagieren, wenn es darauf ankommt."

Warum die primäre Gesundheitsversorgung oft umgangen wird

In dem Bericht wird hervorgehoben, dass die primäre Gesundheitsversorgung grundsätzlich die erste Anlaufstelle für einen Großteil der dringend behandlungsbedürftigen Fälle sein sollte. Doch in vielen Ländern umgehen die Patienten die primäre Gesundheitsversorgung und suchen direkt in den Notaufnahmen der Krankenhäuser Hilfe.

Dafür kann es mehrere Gründe geben:
  • unzureichende Kapazitäten, um Termine am selben Tag oder außerhalb der Öffnungszeiten anzubieten;
  • Schwierigkeiten bei der Anwerbung und Bindung von Hausärzten und anderem Fachkräften in der primären Gesundheitsversorgung;
  • mangelndes Vertrauen der Öffentlichkeit in die Qualität der primären Gesundheitsversorgung; und
  • Systemanreize, die unbeabsichtigt die Inanspruchnahme von Krankenhäusern fördern, z. B. Zuzahlungen für die primäre Gesundheitsversorgung, aber nicht für die Notversorgung.
Die Autoren stellen fest, dass eine leistungsstärkere, leicht zugängliche und vertrauenswürdige primäre Gesundheitsversorgung der Schlüssel zur Verbesserung der Art der Inanspruchnahme der Notversorgung ist.

Überbrückungsmodelle und Krankentransporte

In manchen Systemen wurden Einheiten für kleinere Verletzungen oder sog. "Gesundheitskioske" als zusätzliche Schicht zwischen der primären Gesundheitsversorgung und den Krankenhäusern eingeführt, die oft auch außerhalb der Öffnungszeiten arbeiten, um die Notaufnahmen zu entlasten.

Auch wenn diese Modelle den Zugang verbessern und Engpässe abbauen können, so wird doch in dem Bericht darauf hingewiesen, dass sie auch die primäre Gesundheitsversorgung an den Rand drängen oder zusätzliche Nachfrage erzeugen können, wenn sie nicht sorgfältig konzipiert und integriert werden.

Ein weiterer wesentlicher Bestandteil der Notversorgung sind Krankentransportdienste. In dem Bericht werden folgende Notwendigkeiten hervorgehoben:
  • die Fähigkeit, Patienten am Einsatzort zu beurteilen und zu behandeln, einschließlich sachgerechter Entscheidungen darüber, wann ein Transport ins Krankenhaus nicht erforderlich ist;
  • sichere und gut organisierte Übergabemodalitäten in Krankenhäusern;
  • die Integration in das allgemeine Gesundheitssystem, einschließlich des Zugangs zu Patientenakten und der Fernberatung durch Fachärzte; und
  • eine angemessene Personalausstattung, einschließlich gut ausgebildeter Sanitäter.

Notaufnahmen in Krankenhäusern: eine wesentliche Voraussetzung

In den Notaufnahmen der Krankenhäuser lassen sich die richtigen Fertigkeiten und Ressourcen an einem Ort bündeln. Allerdings ist die Einrichtung von Notaufnahmen kostspielig und komplex.

In dem Bericht wird hervorgehoben, dass sie am besten funktionieren, wenn folgende Voraussetzungen gegeben sind:
  • ein engagiertes Team von gut ausgebildeten Ärzten und Pflegekräften;
  • geeignete Einrichtungen und eine klare interne Organisation; und
  • enge Verbindungen zu anderen Krankenhausabteilungen und kommunalen Diensten, um eine kontinuierliche Versorgung der Patienten zu gewährleisten.

Systemweite Planung und intelligentere Anreize

Wie in dem Bericht festgestellt, erfordert die Verbesserung der Not- und Dringlichkeitsversorgung eine bessere systemweite Koordinierung. Besser gesteuerte Patientenströme und eine stärkere Integration hängen von einer evidenzbasierten Leistungsgestaltung, einem Verständnis dafür, wie Menschen Dienstleistungen in Anspruch nehmen, der Berücksichtigung lokaler Gegebenheiten und der Erwartungen der Öffentlichkeit sowie von einer intelligenteren Mittelzuweisung ab.

Ebenso wichtig ist die Personalplanung. Die Länder brauchen den richtigen Qualifikationsmix, ergänzt durch geeignete Anreize und Schulungen für Fachkräfte in der primären Gesundheitsversorgung - insbesondere in abgelegenen Gebieten - sowie ggf. für Sanitäter und Notfallmediziner.

Das Vertrauen der Öffentlichkeit gewinnen

In dem Bericht wird unterstrichen, dass die Verbesserung des Vertrauens der Öffentlichkeit in das Gesundheitssystem, insbesondere in die primäre Gesundheitsversorgung, die Inanspruchnahme von Leistungen erheblich beeinflussen kann. Eine klare Kommunikation darüber, wie das System funktioniert und wann die verschiedenen Arten von Leistungen in Anspruch zu nehmen sind, trägt dazu bei, dass die Patienten die jeweils am besten geeigneten Leistungen wählen.

"Die Notversorgung ist oft das Druckventil für die Probleme im Gesundheitssystem insgesamt", erklärt Dr. Tomas Zapata, Regionalbeauftragter für Personal und Leistungserbringung im Gesundheitswesen bei WHO/Europa, einer der Autoren des Kurzdossiers. "Die Stärkung der Dringlichkeitsversorgung bedeutet daher, dass wir an den personellen Kapazitäten, dem Zugang zur primären Gesundheitsversorgung und der Koordinierung des Systems als Teil einer umfassenderen Reformanstrengung ansetzen müssen, die dazu beiträgt, das Vertrauen der Öffentlichkeit zu gewinnen."

In dem Bericht wird eine Reihe von evidenzgeleiteten Grundsatzoptionen vorgestellt, mit denen die Länder dabei unterstützt werden sollen, komplexe Reformentscheidungen zu treffen und widerstands- und reaktionsfähigere Systeme für die Not- und Dringlichkeitsversorgung aufzubauen.

WHO - World Health Organization Regional Office for Europe published this content on March 10, 2026, and is solely responsible for the information contained herein. Distributed via Public Technologies (PUBT), unedited and unaltered, on March 11, 2026 at 19:58 UTC. If you believe the information included in the content is inaccurate or outdated and requires editing or removal, please contact us at [email protected]