05/19/2026 | Press release | Distributed by Public on 05/19/2026 08:54
Nr.150/2026 | 19.05.2026 | LM | Ministerium für Klimaschutz, Landwirtschaft, ländliche Räume und Umwelt
Anlässlich des parlamentarischen Abends des Forschungsinstituts für Nutztierbiologie (FBN) betont Agrar- und Klimaschutzminister Dr. Till Backhaus die Bedeutung der Wissenschaft für den Agrarsektor:
"Über viele Entwicklungsstufen hinweg hat sich die Einrichtung etabliert, die heute national und international hohe Anerkennung genießt. Bund und Land haben diesen Standort kontinuierlich unterstützt. Allein rund 45 Mio. EUR wurden in die bauliche Infrastruktur investiert. Hinzu kommen jährlich rund 22 Mio. EUR für den laufenden Betrieb. Das ist gut angelegtes Geld. Denn Nutztierhaltung bleibt ein tragender Pfeiler unserer Landwirtschaft und unserer Ernährungssicherung.
Deutschlandweit arbeiten rund 1 Mio. Fachkräfte in etwa 270.000 landwirtschaftlichen Betrieben. Sie erzeugen Waren im Wert von rund 59 Mrd. EUR. Jeder 10. Arbeitsplatz in Deutschland steht direkt oder indirekt mit dem Agribusiness in Verbindung. Besonders bemerkenswert ist: Der Produktionswert tierischer Erzeugnisse ist zuletzt nochmals deutlich gestiegen, auf ein Rekordniveau von über 39 Mrd. Euro. Damit stammt mehr als die Hälfte des landwirtschaftlichen Produktionswertes aus der Tierhaltung.
Und dennoch erleben wir gesellschaftlich häufig eine sehr verkürzte Debatte über Nutztierhaltung. Dabei wissen wir alle, ohne Tierhaltung gibt es keine funktionierende Kreislaufwirtschaft, ohne Tierhaltung fehlen organische Nährstoffkreisläufe. Und ohne Tierhaltung verlieren viele ländliche Räume erhebliche Wertschöpfung und Arbeitsplätze.
Gerade MV zeigt, wie leistungsfähig moderne Landwirtschaft sein kann. Unsere Betriebe sind groß, effizient und innovativ. Die durchschnittliche Betriebsgröße liegt bei 283 Hektar, etwa viereinhalbmal höher als im Bundesdurchschnitt. Gleichzeitig liegt die Bruttowertschöpfung pro Arbeitskraft rund 30 Prozent über dem Bundesdurchschnitt. Solche Strukturen brauchen exzellente Forschung.
Das Nutztier wird als komplexes biologisches System verstanden, von der molekularen Ebene bis zum Verhalten, im Zusammenspiel mit Umwelt, Tiergesundheit, Leistungsfähigkeit und ökonomischen Anforderungen. Denn die Herausforderungen wachsen: Es gibt steigende Anforderungen beim Tierwohl, beim Klimaschutz und der Emissionsminderung. Es geht um Ressourceneffizienz und Biodiversität, die gesellschaftliche Erwartungen an Transparenz. Es geht um veränderte Konsumgewohnheiten und zugleich um die Sicherung der Ernährungssouveränität Europas.
Gerade in Krisenzeiten sehen wir, wie systemrelevant Landwirtschaft und Ernährungssicherung tatsächlich sind. Kriege, geopolitische Spannungen und gestörte Lieferketten führen uns das täglich vor Augen. Deshalb brauchen wir resiliente Systeme und diese entstehen durch Wissen, Innovation und Praxisnähe.
Besonders hervorheben möchte ich dabei die enge Zusammenarbeit zwischen dem FBN und der Landesforschungsanstalt für Landwirtschaft und Fischerei MV. Hier werden Wissenschaft und Praxis zusammengebracht. Hier entstehen Lösungen, die Betrieben tatsächlich helfen. Das reicht von Fragen der Tiergesundheit über Datenmanagement bis hin zu One-Health-Ansätzen und nachhaltigen Haltungssystemen. Beeindruckend ist auch die europäische und internationale Vernetzung des Instituts, etwa in den Bereichen Forschungsdateninfrastruktur, Tiergesundheit und Genotyp-Phänotyp-Forschung.
Wir müssen aufpassen, dass Deutschland seine Kompetenz in der Nutztierforschung nicht verspielt. Denn eines sage ich sehr klar: Ohne das FBN gäbe es in Deutschland keine vergleichbare Forschungseinrichtung, die das Nutztier so umfassend und systemisch betrachtet. Das FBN ist ein unverzichtbares Puzzleteil der deutschen Agrarforschung und kann auf hervorragende Arbeitsergebnisse verweisen: zum Beispiel bei der Emissionsminderung in der Nutztierhaltung. Das FBN hat wesentliche Beiträge zur wissenschaftlichen Einordnung von Methanemissionen (Vergleich Methanemissionen vor der industriellen Revolution 1889 vs heute) aus der Nutztierhaltung geleistet. Hervorzuheben ist eine patentierte Schätzformel für individuelle Methanemissionen bei Milchkühen auf Basis von Milchinhaltsstoffen. Diese Methode wird bereits von der deutschen Zuchtwertschätzorganisation vit Verden sowie weiteren Forschungseinrichtungen genutzt.
Sowie bei der Anpassung der Tierhaltung an den Klimawandel: Das FBN untersucht physiologische Mechanismen von Hitzestress bei Nutztieren und leitet daraus konkrete Fütterungsempfehlungen für die Praxis ab.
Das FBN hat ebenfalls innovative Verfahren entwickelt, um Tierwohl messbar zu machen: Es entwickelt innovative Verfahren für ein objektives Tierwohlmonitoring, unter anderem durch Bioakustik zur Analyse von Lautäußerungen bei Schweinen. Darauf beruht ein patentiertes Stressmessverfahren, das neue Möglichkeiten für eine tiergerechte Haltung eröffnet.
Und das FBN betreibt Spitzenforschung in Genomik und Tierzucht: Das FBN ist die einzige deutsche Einrichtung in europäischen und internationalen Initiativen zur funktionellen Genomforschung bei Rind, Schwein und Huhn. Zudem gelang dem FBN die Sequenzierung des Genoms des Zanders als wichtigem Aquakulturfisch; entsprechende Arbeiten zum Afrikanischen Wels laufen derzeit.
Das sind nur einige Gründe aus denen MV ausdrücklich den weiteren Entwicklungsprozess des Instituts unterstützt. Das Land steht auch bei der Aufnahme in die Wissenschaftsgemeinschaft Leibniz eng an der Seite des FBN."