03/04/2026 | Press release | Distributed by Public on 03/04/2026 08:55
Der Verband Deutscher Reeder (VDR) bewertet die heute vorgestellte Europäische Maritime Industriestrategie der Europäischen Kommission als wichtiges Signal für die strategische Bedeutung der Schifffahrt für Europa. Die Strategie unterstreicht die zentrale Rolle der europäischen Handelsschifffahrt für Europas Wirtschaft, Versorgungssicherheit und seine strategische Autonomie und betont zugleich die Bedeutung international wettbewerbsfähiger Rahmenbedingungen.
Der VDR begrüßt ausdrücklich, dass die Strategie protektionistische Maßnahmen zurückweist und stattdessen auf offene Märkte sowie gezielte Investitionen setzt. Damit greift die Europäische Kommission eine zentrale Forderung der Schifffahrtsbranche auf. Eine wettbewerbsfähige europäische Schifffahrt ist auf offene Märkte und faire internationale Wettbewerbsbedingungen angewiesen.
Gleichzeitig sieht der VDR mit kritischer Aufmerksamkeit, dass die Strategie eine Prüfung neuer sektorspezifischer Instrumente und Anpassungen im handelspolitischen Instrumentarium vorschlägt. Entscheidend ist, dass daraus keine indirekten Marktschließungen oder diskriminierenden Zugangsbedingungen für europäische Märkte entstehen. Für die global operierende Schifffahrt bleiben offene, nicht-diskriminierende Rahmenbedingungen zentral.
Der Verband bewertet zudem grundsätzlich positiv, dass die Strategie der Dekarbonisierung der Schifffahrt weiterhin Priorität einräumt. Für eine erfolgreiche Transformation ist entscheidend, dass Klimaschutzmaßnahmen die internationale Wettbewerbsfähigkeit der europäischen Reedereien nicht beeinträchtigen und durch gezielte Investitionen unterstützt werden. Einnahmen aus dem europäischen Emissionshandelssystem (EU-ETS) sollten daher für den Hochlauf klimafreundlicher Kraftstoffe und für Investitionen in die Transformation der Schifffahrt zur Klimaneutralität eingesetzt werden.
Zugleich betont die Strategie die Bedeutung von Qualifizierung und Ausbildung maritimer Fachkräfte. Maritimes Know-how in Europa muss erhalten und weiter ausgebaut werden, um die Wettbewerbsfähigkeit der europäischen Schifffahrt langfristig zu sichern.
Als globaler Sektor ist die Schifffahrt zudem auf international abgestimmte Regeln angewiesen, um gleiche Wettbewerbsbedingungen zu gewährleisten. Europäische Maßnahmen sollten daher Übergangslösungen bleiben und zurückgenommen werden, sobald globale Regelungen auf Ebene der Internationalen Seeschifffahrtsorganisation beschlossen sind.
Die europäische Handelsflotte repräsentiert rund 35 Prozent der weltweiten Handelsflotte. Über 75 Prozent des EU-Außenhandels werden über den Seeweg abgewickelt. In der EU beschäftigt die Schifffahrt rund 640.000 Menschen an Bord und an Land. Deutschland zählt zu den führenden Schifffahrtsnationen; rund 60.000 Seeleute arbeiten auf Schiffen in deutschem Eigentum oder unter deutschem Management.
Über den Verband Deutscher Reeder
Der Verband Deutscher Reeder (VDR) vertritt die gemeinsamen wirtschafts- und sozialpolitischen Interessen der deutschen Reedereien auf der Ebene des Bundes und der Länder sowie gegenüber europäischen und internationalen Instanzen. Der VDR wurde 1907 gegründet und hat sich 1994 mit dem Verband der Deutschen Küstenschiffseigner zusammengeschlossen. Mit rund 200 Mitgliedern vertritt der VDR den größten Teil der deutschen Handelsflotte. Mehr Informationen unter www.reederverband.de.
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Fotos von Dr. Gaby Bornheim und Dr. Martin Kröger