Seit 1534 Tagen herrscht Krieg in der Ukraine, und in dieser Zeit war das Gesundheitssystem wiederholt Angriffen ausgesetzt. Die WHO hat in diesem Zeitraum über ihr Überwachungssystem für Angriffe auf das Gesundheitswesen mehr als 3000 Angriffe auf das Gesundheitswesen bestätigt; dabei wurden globale Überprüfungsstandards angewandt und die Vorfälle systematisch erfasst, überprüft und gemeldet.
Aufgrund von Ausmaß und Häufigkeit dieser Vorfälle sind Patienten und Gesundheitspersonal einer ständigen Gefahr ausgesetzt, und die Bereitstellung lebensrettender Leistungen wird beeinträchtigt. Nach dem humanitären Völkerrecht müssen Verwundete und Kranke, medizinisches Personal, Gesundheitseinrichtungen und Transporte geachtet und geschützt werden. Die Mitgliedstaaten sind auch gehalten, angemessene Vorkehrungen zu treffen, um Zivilisten und zivile Objekte, einschließlich Einrichtungen des Gesundheitswesens, zu schützen und vorbehaltlich der geltenden Kontrollen eine zügige und ungehinderte Bereitstellung humanitärer Hilfe für bedürftige Zivilisten zu ermöglichen.
Von den Zentren für primäre Gesundheitsversorgung bis hin zu Entbindungsstationen und von Rettungsdienstteams bis hin zu Arzneimittellagern - jede Komponente des Systems ist betroffen. Dies gilt insbesondere für Gesundheitseinrichtungen: rund 80 % der bestätigten Angriffe auf das Gesundheitswesen richteten sich gegen Ambulanzen, Krankenhäuser und andere Gesundheitseinrichtungen. Abgesehen von den unmittelbaren Opfern führen solche Angriffe zu Störungen der Versorgung, zur Beschädigung kritischer Infrastruktur und auf Dauer zur Schwächung der Leistungsfähigkeit des Gesundheitssystems.
"Jeder einzelne dieser Angriffe stellt einen Verstoß gegen das humanitäre Völkerrecht dar, und jeder einzelne bedeutet, dass Patienten nicht erreicht werden können, Gesundheitspersonal gefährdet wird und eine Gemeinde ohne Versorgung bleibt", erklärte Dr. Hans Henri P. Kluge, WHO-Regionaldirektor für Europa. "Das darf nicht zur Normalität werden. Nach dem humanitären Völkerrecht ist die Gesundheitsversorgung geschützt. Das ist keine Richtlinie oder Empfehlung. Es ist eine für alle Konfliktparteien verbindliche Verpflichtung. Die WHO wird weiterhin jeden Angriff auf das Gesundheitswesen dokumentieren und sich für den Schutz des Gesundheitspersonals in der Ukraine einsetzen."
Krankentransporte gehören nach wie vor zu den Bereichen des Systems, die in Bezug auf die Auswirkungen auf die Menschen besonders anfällig sind. So richteten sich etwa 20 % der registrierten Angriffe auf das Gesundheitswesen gegen Rettungswagen und andere Fahrzeuge des Gesundheitswesens, wobei fast jeder dritte dieser Vorfälle zu Verletzten oder Todesopfern führte; damit sind Krankentransporte einer der Bereiche mit dem höchsten Verletzungs- und Todesrisiko.
"Allein seit Anfang dieses Jahres haben 186 von der WHO bestätigte Angriffe auf die Gesundheitsversorgung insgesamt 15 Todesopfer gefordert, und mindestens 81 Menschen wurden verletzt, und die Zahlen steigen weiter. Gegenüber dem Vergleichszeitraum im Jahr 2025 hat sich die Zahl der Todesfälle fast vervierfacht und die Zahl der Verletzten fast verdoppelt. Diese Trends bringen nicht nur ein erhöhtes Risiko für das Gesundheitspersonal mit sich, sondern beeinträchtigen auch die Kontinuität der Versorgung derjenigen, die darauf am meisten angewiesen sind", sagte Dr. Jarno Habicht, Repräsentant der WHO in der Ukraine.
Er fügte hinzu: "Das Überwachungssystem der WHO für Angriffe auf das Gesundheitswesen beobachtet und überprüft die Auswirkungen solcher Angriffe auf die Gesundheitsversorgung, um die systemweite Lobbyarbeit für die Einhaltung des humanitären Völkerrechts und den Schutz des Gesundheitswesens zu unterstützen, und zwar im Einklang mit der Resolution 2286 (2016) des Sicherheitsrats der Vereinten Nationen und der Resolution 65.20 (2012), in denen Angriffe auf Gesundheitspersonal und -einrichtungen verurteilt und Maßnahmen zur Verhinderung von Gewalt und zur Gewährleistung von Rechenschaftslegung gefordert werden."
Zunehmender Bedarf an Gesundheitsleistungen in der Ukraine
Durch die ständige Beschädigung der Gesundheitsinfrastruktur wurden die Möglichkeiten des Personals zur Erbringung unentbehrlicher Gesundheitsleistungen erheblich eingeschränkt, was eine ständige Anpassung der humanitären Gesundheitsmaßnahmen erforderlich macht. Dies geschieht vor dem Hintergrund eines immer dringender werdenden Versorgungsbedarfs: nach Angaben der Vereinten Nationen benötigen 12,7 Mio. Menschen in der Ukraine humanitäre Hilfe, darunter 9,2 Mio., die medizinische Versorgung benötigen. Die Zahl der zivilen Opfer ist im Vergleich zum Vorjahr (2025) um geschätzt 31 % gestiegen.
"Nach neuesten Schätzungen belaufen sich die Kosten für den Wiederaufbau des Gesundheitswesens in den nächsten zehn Jahren bereits auf 23,6 Mrd. US-$. Gleichzeitig tun wir alles, was in unserer Macht steht, damit die Patienten Zugang zu der notwendigen medizinischen Versorgung erhalten. Wir sind der WHO und all unseren Partnern für ihre systematische Unterstützung dankbar, die dazu beiträgt, das Gesundheitssystem unter diesen äußerst schwierigen Bedingungen aufrechtzuerhalten und zu stärken", sagte Viktor Liashko, Gesundheitsminister der Ukraine.
Langfristige, dauerhafte Unterstützung für das ukrainische Gesundheitssystem
Trotz anhaltender Angriffe und wachsender humanitärer Not ist es nach wie vor unbedingt erforderlich, das ukrainische Gesundheitssystem aufrechtzuerhalten und zu stärken, um für Millionen von Menschen einen ununterbrochenen Zugang zu lebensrettenden Leistungen zu gewährleisten.
Allein im vergangenen Jahr hat die WHO in der Ukraine mit folgenden Maßnahmen zur Unterstützung beigetragen:
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Bereitstellung von unentbehrlichen Leistungen für 1,9 Mio. Menschen;
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Lieferung von Medikamenten und Ausrüstung an knapp 1000 Gesundheitseinrichtungen;
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Schulungen für mehr als 2500 Mitarbeiter im Gesundheitswesen;
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Evakuierung von über 6400 Patienten zur fachärztlichen Behandlung ins Ausland.
In enger Abstimmung mit dem Gesundheitsministerium, den kommunalen Behörden sowie Partnerorganisationen passt die WHO ihre Unterstützung weiterhin an die sich verändernde Lage an und trägt dazu bei, die Funktionsfähigkeit der Einrichtungen aufrechtzuerhalten, das Gesundheitspersonal zu schützen, wo immer dies möglich ist, und die Widerstandsfähigkeit des Gesundheitssystems zu stärken.
Die WHO ist seit 1994 in der Ukraine vor Ort präsent und unterstützt das Gesundheitssystem des Landes. Diese Bemühungen dienen sowohl der Stärkung der unmittelbaren humanitären Hilfe als auch dem Wiederaufbau, der Wiederherstellung der durch den Krieg unterbrochenen Grundversorgung und der Förderung institutioneller Reformen, die das ukrainische Gesundheitssystem für die nächsten Jahrzehnte prägen werden und einen besseren Zugang zur Gesundheitsversorgung sowie eine verbesserte Gesundheit der Bevölkerung gewährleisten sollen.