Landkreis Ilm-Kreis

06/22/2026 | Press release | Distributed by Public on 06/22/2026 03:34

Wenn das Telefon klingelt, ist sie bereit

22.06.2026

Wenn das Telefon klingelt, ist sie bereit

Um die 100 Pflegekinder Kinder hat Angelika Finke schon betreut, zu den meisten hat sie noch heute Kontakt, was für ihre Geduld, ihr Einfühlungsvermögen, ihr großes Herz und eine große innere Kraft spricht. Viele davon als Bereitschaftspflegemutter. Aktuell sucht das Jugendamt des Ilm-Kreises wieder Bereitschaftspflegeeltern. Sie haben die sehr wichtige Aufgabe, Kindern und Jugendlichen, die nicht in ihrer Herkunftsfamilie verbleiben können, wieder familiäre Geborgenheit, Sicherheit und Vertrauen zu geben.

Erzieherin war schon immer ihr Traumberuf. Als Jugendliche half sie sehr gern bei ihrer Schwester aus, die als Heimerzieherin arbeitete. Sie ging mit den Kindern spazieren, half beim Baden und Wickeln. Dennoch beschritt sie einen ganz anderen beruflichen Weg. Sie lernte Elektromonteur, arbeitete lange Zeit in dem technischen Beruf.

Erst viele Jahre später fügte es sich, dass Angelika Finke zu ihrer eigentlichen Berufung zurückfand. 2003 nahm sie ihr erstes Dauerpflegekind auf, 2004 folgte schon das zweite. Da waren ihre drei eigenen Kinder schon fast erwachsen.

"Von Anfang an hat mich meine ganze Familie unterstützt, als ich mich entschloss, Pflegemutter zu werden. Das ist immer noch so, wenn ich mal Hilfe brauche", erklärt Angelika Finke und lächelt stolz. Sie weiß, das ist keine Selbstverständlichkeit. Denn sie übernimmt seit 2012 auch Aufgaben der Bereitschaftspflege.

Wie es dazu kam? Angelika Finke überlegt kurz. "Eigentlich lag es an den Pflegeelterntreffen, die das Jugendamt immer organisiert. Das ist nicht nur sehr schön, weil man sich austauschen kann, man trifft auch die Kinder, die man zur Pflege hatte, sieht, wie sie sich entwickeln und die Schatten mehr und mehr aus ihrem Leben verschwinden", erzählt sie. Dort kam sie auch mit den Bereitschaftspflegeeltern in Kontakt. "Anfangs habe ich sie immer bewundert, dann dachte ich, eigentlich kann ich das doch auch und habe beim Jugendamt angefragt, und es hat ganz schnell geklappt", sagt sie, während sie den Kinderwagen durch den Schlosspark schiebt.

Heute hat sie ihren neuesten Zugang dabei, einen kleinen 4 Monate alten Schatz, der im Kinderwagen liegt und zufrieden kräht, als sie mit ihm durch die Alleen fährt. Die beiden kennen sich erst eine Woche und sind schon ein eingespieltes Team. Manchmal hat sie auch 2 Babys zur gleichen Zeit. "Das geht schon, ich hatte schon öfter zwei zugleich", sagt sie bescheiden und verrät, dass sie auch noch eine 10-jährige Pflegetochter hat, die ihrer Pflegemutter schon jetzt nacheifert und sich nichts Schöneres vorstellen kann, als später selbst Kinder zu begleiten, die einen schwierigen Start ins Leben hatten.

Wer die Bereitschaftspflege übernimmt, muss immer damit rechnen, dass das Telefon klingelt. Beim Einkaufen oder Putzen, nachts. "Einmal habe ich mir gerade die Haare gefärbt, als der Anruf kam", erzählt sie und lacht. Und dann geht es oft ganz schnell. Da ist Flexibilität gefragt. Manche Kinder bleiben nur wenige Tage, andere hat sie für einige Monate.

Manchmal vergeht kaum eine Stunde nach dem Anruf, da hat sie schon ein neues Kind bei sich zu Hause. Zwischen 0 und 12 Jahren sind sie alt, wenn sie zu ihr kommen. Schwer ist es, wenn sie es gemeinsam mit Mitarbeitern des Jugendamtes direkt bei der Familie abholen muss. Dennoch setzt sie auf ein gutes Miteinander mit den leiblichen Eltern, dank ihrer ruhigen zugewandten, sehr sympathischen Art gelingt ihr das sehr gut.

Dennoch weiß Angelika Finke, dass die Pflege emotional durchaus belastend sein kann. "Es ist nicht leicht, ein Kind wieder herzugeben, wenn man es das ganze erste Lebensjahr betreut und eine enge Bindung aufgebaut hat, aber ich weiß, das nächste kleine Leben wartet schon auf mich, und ich bin da, um zu helfen." Für Menschen, die ihren unerfüllten Kinderwunsch über die Arbeit als Pflegeeltern kompensieren möchten, ist das oft besonders schwer.

Auf die Frage, was man als Bereitschaftspflegemutter mitbringen muss, sagt sie ganz klar: "Geduld, viel Geduld. Es ist wichtig, Ruhe auszustrahlen, die Kinder sind gestresst, haben oft Angst, schließlich kommen sie aus Krisensituationen. Da ist es wichtig, Geborgenheit und Sicherheit zu vermitteln." Sie verweist auf die notwendige Flexibilität, die man haben muss: "Man sollte sich schon über eins im Klaren sein: Wenn man die Bereitschaftspflege übernimmt, muss man sehr schnell reagieren. Bei einer 40-h-Woche ist das nicht machbar. Meist hat man die Kinder auch nur für einen kurzen Zeitraum, dann gehen sie im Idealfall in ihre Familie zurück oder bekommen einen Langzeitplatz bei Pflegeeltern."

Bereitschaftspflegeeltern gesucht

Aktuell sucht das Jugendamt des Ilm-Kreises wieder Bereitschaftspflegeeltern. Sie haben die sehr wichtige Aufgabe, Kindern und Jugendlichen, die nicht in ihrer Herkunftsfamilie verbleiben können, wieder familiäre Geborgenheit, Sicherheit und Vertrauen zu geben. Welche Voraussetzungen zu erfüllen sind, wie sie durch das Jugendamt unterstützt werden und wie individuelle Hilfen aussehen, darüber informieren Mitarbeiter des Jugendamtes, Bereich Pflegeelternwesen, gern per Telefon unter 03628 738-637. Weitere Informationen unter https://www.pflegeeltern-ilm-kreis.de

Angelika Finke übernimmt Aufgaben der Bereitschaftspflege für das Jugendamt des Ilm-Kreises.

V. i. S. d. P. Anke Roeder-Eckert, Büro Landrätin

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