09/25/2026 | Press release | Distributed by Public on 09/26/2026 04:18
Nachruf
Die Stadt Pforzheim trauert um ihre Ehrenbürgerin Waltraud Steinle, die im Alter von 104 Jahren verstorben ist. Waltraud Steinle war die einzige noch lebende Ehrenbürgerin Pforzheims. Erst im Mai dieses Jahres hatte Oberbürgermeister Peter Boch ihr die höchste Auszeichnung der Stadt verliehen - als erster Frau nach dem Zweiten Weltkrieg überhaupt.
"Eine große Pforzheimerin ist von uns gegangen", zeigt sich Oberbürgermeister Peter Boch betroffen. "Die Nachricht von Waltraud Steinles Tod erfüllt die gesamte Stadtgesellschaft und auch mich persönlich mich mit tiefer Trauer." Umso dankbarer sei er, dass er Waltraud Steinle noch in diesem Jahr das Ehrenbürgerrecht verleihen durfte. "Es war mir eine große Ehre, ihr diese besondere Wertschätzung noch entgegenbringen zu können. Diese Auszeichnung war ein Dankeschön für ein beeindruckendes Lebenswerk, das unsere Stadt stark geprägt hat und noch lange nachwirken wird. Der Name Waltraud Steinles wird - wie schon der Name ihres Mannes Ewald Steinle - für immer mit dem Wildpark, dem grünen Juwel unserer Stadt, verbunden bleiben. Dort hat sie mit großer Beharrlichkeit, Hingabe und tiefer Verbundenheit zu unserer Stadt immer neue Projekte initiiert und vorangetrieben - und ist so zur 'Mutter des Wildparks' geworden. Ohne dieses außerordentliche, jahrzehntelange Engagement wäre der Wildpark heute nicht der wunderbare Ort, der er ist: ein Aushängeschild der Stadt, das Generationen von Familien, Kindern und Gästen verbindet. Meine Gedanken sind bei Waltraud Steinles Familie und allen, die ihr nahestanden", so der Oberbürgermeister abschließend.
Waltraud Steinle wurde am 2. März 1922 in Pforzheim geboren. Sie erlebte die Zerstörung ihrer Heimatstadt im Zweiten Weltkrieg und half beim Wiederaufbau. Gemeinsam mit ihrem Mann Ewald Steinle, der im Jahr 2006 starb, baute sie sich im zerstörten Pforzheim eine neue Existenz auf. Von Beginn an teilte sie seine Begeisterung für die Idee eines Wildparks, die er als Stadtrat maßgeblich vorantrieb. 1967 wurde der Wildparkförderkreis gegründet, 1968 der Wildpark eröffnet. Auch nach dem Tod ihres Mannes unterstützte Waltraud Steinle den Wildpark Pforzheim unermüdlich. Sie pflegte enge Kontakte zum Wildparkteam und zum Förderverein und unterstützte den Park ideell und finanziell. Zu den Projekten, die mit ihrem Engagement verwirklicht wurden, gehören ein neues Gehege im Zentrum des Wildparks aus dem Jahr 2009 und eine begehbare Volierenanlage für Uhus und Waldrappen, die 2019 eröffnet wurde.
"Waltraud Steinle war dem Wildpark bis zuletzt eng verbunden. Sie kannte die Menschen dort, verfolgte seine Entwicklung und setzte sich auch im hohen Alter für neue Projekte ein", sagt Baubürgermeister Tobias Volle, in dessen Zuständigkeit der Wildpark fällt. "Was sie für diesen Ort getan hat, werden wir nicht vergessen. Der Waltraud-Steinle-Platz erinnert künftig jeden Tag an sie."
Im Jahr 2014 wurde die Ewald und Waltraud Steinle Stiftung gegründet. Sie soll den Wildpark dauerhaft unterstützen und seine Eintrittsfreiheit für kommende Generationen sichern. Noch zu ihrem 100. Geburtstag sammelte Waltraud Steinle Spenden für den Park. Mit Nachdruck setzte sie sich auch für den Neubau des Besucherzentrums ein, das bislang größte Projekt in der Geschichte des Wildparks. Im Frühjahr 2024 nahm sie mit 102 Jahren am Spatenstich teil. Das Besucherzentrum wurde im Herbst 2025 eröffnet. Sein zentraler Platz trägt ihren Namen: Waltraud-Steinle-Platz.