08/25/2026 | News release | Distributed by Public on 08/25/2026 00:41
Mit der Übergabe des Förderbescheids am 5. August 2026 ist am Kassel Airport der offizielle Startschuss für das Hessische Drohnenkompetenzzentrum (HDKZ) gefallen. Das von der TU Darmstadt geleitete Innovationszentrum soll Forschung, Erprobung, Qualifizierung und Anwendung von Drohnentechnologien an einem Standort zusammenführen und noch 2026 vollständig in Betrieb gehen. Mit dem HDKZ, das als Plattform zur Vernetzung von Forschung, Anwendern, Start-ups, Sicherheitsbehörden und Industrie konzipiert ist, entsteht in Nordhessen ein neues Innovationscluster, das für Beschaffung, Supplier Scouting und den Aufbau resilienter Defence-Lieferketten zunehmend an Bedeutung gewinnen wird.
Für Einkauf, Supply Chain Management und die Sicherheits- und Verteidigungsindustrie lohnt sich ein genauer Blick auf das Projekt, das Forschung, Erprobung, Qualifizierung und industrielle Anwendung erstmals an einem Standort bündelt.
Als aktiver Verkehrsflughafen dient der Kassel Airport als Reallabor, in dem neue Systeme unter echten Betriebs- und Sicherheitsbedingungen getestet werden können. Damit schließt das Zentrum eine Lücke zwischen Forschung und Markteinführung, die bislang viele Innovationen im Bereich unbemannter Luftfahrtsysteme ausbremste.
Im HDKZ arbeiten Wissenschaft, Wirtschaft, Sicherheitsbehörden sowie Betreiber Kritischer Infrastrukturen eng zusammen. Die Kompetenzen reichen von Forschung und Technologietransfer über Qualifizierung und Training bis hin zur Entwicklung eines umfassenden Innovationsökosystems. Das Projekt wird mit acht Millionen Euro gefördert, davon stammen 4,8 Millionen Euro aus dem hessischen Förderprogramm Distr@l und 3,2 Millionen Euro aus Mitteln des Europäischen Fonds für regionale Entwicklung (EFRE).
Chance für den Einkauf
Neben ihrer Möglichkeit zur militärischen Anwendung, eröffnen unbemannte Systeme auch für Einkauf und Logistik neue Möglichkeiten. Bereits heute werden sie für die Inspektion kritischer Infrastrukturen, das Infrastruktur-Monitoring, die Vermessung, die Lager- und Bestandskontrolle, den Katastrophenschutz sowie zunehmend für Logistikaufgaben eingesetzt.
Für Unternehmen gewinnen dabei insbesondere drei Aspekte an Bedeutung:
· Resiliente Lieferketten: Drohnen ermöglichen neue Formen der Überwachung und Absicherung kritischer Transportwege und Infrastrukturen
· Datengestützte Entscheidungen: Moderne Sensorik liefert Echtzeitinformationen über Anlagen, Lagerbestände und Infrastrukturzustände
· Technologische Souveränität: Europäische Unternehmen und öffentliche Auftraggeber suchen gezielt nach unabhängigen Lösungen für sicherheitskritische Anwendungen
Anschub für SVI-Industrie durch Vernetzung de Akteure
Das HDKZ reiht sich in eine Entwicklung ein, die derzeit in ganz Deutschland zu beobachten ist: Innovationszentren werden zunehmend zu Knotenpunkten zwischen Start-ups, Forschungseinrichtungen, etablierten Industrieunternehmen und öffentlichen Auftraggebern.
Für die Verteidigungs- und Sicherheitsindustrie (SVI) sind solche Ökosysteme von besonderer Bedeutung. Technologische Innovationen entstehen heute häufig außerhalb klassischer Defence-Lieferketten, etwa in der Robotik, Künstlichen Intelligenz, Sensorik oder Luftfahrttechnik. Die Herausforderung besteht darin, diese Innovationen schnell in einsatzfähige Lösungen und belastbare Lieferketten zu überführen.
Genau hier setzt das Kasseler Modell an. Das HDKZ verbindet Forschung, Erprobung, Training und Anwender frühzeitig miteinander. Neue Technologien können gemeinsam mit späteren Nutzern getestet und weiterentwickelt werden. Dies reduziert Entwicklungsrisiken, verkürzt Innovationszyklen und erleichtert die industrielle Skalierung.
2. BME-Netzwerktreffen Defence in Kassel
Dass das zweite BME-Netzwerktreffen Defence ebenfalls in Kassel stattfindet, ist demnach kein Zufall: Die Region entwickelt sich zunehmend zu einem Standort, an dem Fragen der technologischen Resilienz, Innovationsfähigkeit und sicherheitsrelevanten Wertschöpfung praktisch erprobt werden. "Die Zukunft der Verteidigungsfähigkeit wird nicht allein in Forschungseinrichtungen oder Unternehmen entschieden, sondern an den Schnittstellen zwischen Innovation, Beschaffung und industrieller Umsetzung. Das Hessische Drohnenkompetenzzentrum zeigt beispielhaft, wie solche Ökosysteme entstehen können. Für das BME-Netzwerktreffen Defence in Kassel ist dies ein spannender Rahmen, um über neue Technologien, resilientere Lieferketten und die Rolle des Einkaufs bei der Stärkung des Verteidigungsstandorts Deutschland zu diskutieren", sagt Mirjam Zeller, Leiterin Competence Center Defence Procurement beim Bundesverband Materialwirtschaft, Einkauf und Logistik e.V. (BME).
Diskutiert werden beim Netzwertreffen u.a. die folgenden Herausforderungen:
· Wie können innovative Technologieanbieter frühzeitig identifiziert und qualifiziert werden?
· Welche neuen Lieferanten entstehen im Umfeld von Drohnen-, Robotik- und KI-Technologien?
· Wie lassen sich Innovationspartnerschaften zwischen Industrie, Forschung und öffentlicher Hand gestalten?
· Welche Anforderungen ergeben sich künftig an Resilienz, Sicherheit und technologische Souveränität innerhalb der Lieferketten?
Das Hessische Drohnenkompetenzzentrum liefert darauf noch keine fertigen Antworten. Es schafft jedoch die notwendigen Rahmenbedingungen und Chancen, um Lösungen zu finden. Es ist derzeit eines der sichtbarsten neuen Innovationsprojekte an der Schnittstelle von Drohnen, kritischen Infrastrukturen, Sicherheitsbehörden, Defence-Technologien und resilienten Lieferketten in Deutschland. Gerade für die Defence-Industrie dürfte daraus mittelfristig ein Netzwerk aus Unternehmen der Bereiche Drohnen und UAS, Sensorik, KI, Kommunikationstechnologie, Cybersicherheit, Robotik, kritische Infrastruktur, Luftfahrt und Verteidigung entstehen.
Weiter Infos erhalten Sie auf dem 2. BME-Netzwerktreffen Defence in Kassel