Ministry for Economic Cooperation and Development of the Federal Republic of Germany

02/24/2026 | Press release | Archived content

Rede der Bundesentwicklungsministerin Reem Alabali Radovan zur Veranstaltung „Zukunft zusammen global gestalten“

24. Februar 2026 Rede der Bundesentwicklungsministerin Reem Alabali Radovan zur Veranstaltung "Zukunft zusammen global gestalten"

Es gilt das gesprochene Wort

Exzellenzen,
sehr geehrte Abgeordnete,
sehr geehrte Frau Kramp-Karrenbauer,
sehr geehrte Gäste,

schön, Sie alle heute Abend hier im BMZ zu haben. Was für ein tolles Bild, ein volles Haus. Vielen Dank, dass Sie unserer Einladung gefolgt sind.

Sehr geehrte Damen und Herren,

wir treffen uns in schwierigen Zeiten. Die tektonischen Platten der Weltpolitik verschieben sich. Und sie tun es nicht leise, wie wir im Iran, in Grönland, in Venezuela, in der Ukraine und an vielen anderen Orten der Welt gesehen haben. Wir leben in einer geopolitischen Umbruchszeit.

Alte Allianzen werden fragiler, neue Machtzentren entstehen. Die Länder des Globalen Südens treten selbstbewusst auf, mit einem starken eigenen Gestaltungsanspruch.

Und Angebote westlicher Partner sind nicht mehr der selbstverständliche Referenzpunkt, sondern eine Option unter mehreren. Alte Gewissheiten tragen nicht mehr. Dafür müssen wir nur in die USA schauen.

Dass die Welt im Umbruch ist, ist Realität. Gute Politik beginnt damit, diese Realität anzuerkennen. Und die Chance, die sich daraus ergeben, zu nutzen. Dabei geht es nicht um Fragen von Aufstieg oder Niedergang. Sondern um Gestaltungskraft und Neuordnung.

In dieser sich neu ordnenden Welt wächst ein Bedürfnis ganz besonders: das Bedürfnis nach Verlässlichkeit, nach Vertrauen. Nach Partnern, die ihr Wort halten. Nach Zusammenarbeit, die nicht heute so und morgen ganz anders aussieht. Genau hier liegt die große Stärke deutscher Entwicklungspolitik: In über sechzig Jahren haben wir weltweit Vertrauen aufgebaut. Unsere Partner erleben Deutschland als berechenbar, als pragmatisch, als verlässlich.

Dieses Vertrauen schafft Einfluss und Gestaltungsspielraum. Gerade in Zeiten globaler Umbrüche ist dieses Vertrauen eine der wertvollsten Ressourcen, über die Deutschland verfügt. In einer fragmentierten Welt wird Glaubwürdigkeit zu unserem Kapital.

Die Bedeutung von Entwicklungspolitik für Deutschlands Rolle in der Welt wurde - und wird immer noch - oft übersehen. In außenpolitischen Debatten wurde Entwicklungspolitik lange als "soft power" unterschätzt. Als moralisches Beiwerk zur harten Sicherheitspolitik. Diese Sicht ist überholt. Was ehemals als "soft power" galt, kann- wenn man die Chance richtig nutzt - eine richtige Superpower werden.

Diese Perspektive habe ich in der letzten Woche auch bei der Münchner Sicherheitskonferenz (MSC) eingebracht. Einem Ort, an dem sich die Umbrüche unserer Zeit besonders klar abzeichnen. Dort wurde intensiv über Abschreckung, Verteidigungsfähigkeit und geopolitische Rivalitäten gesprochen. Wir haben das alle gemeinsam verfolgt und ich war auch mit Vor Ort. Aber ebenso deutlich wurde bei der MSC: Militärische Stärke allein schafft keine nachhaltige Sicherheit. Auch das erleben wir gerade.

In meinen vielen Gesprächen mit internationalen Partnerinnen und Partnern wurde sehr klar: Es braucht die "Three D", den Dreiklang von Verteidigung, Diplomatie und Entwicklung - Defense, Diplomacyund Development. Es braucht eine starke Entwicklungspolitik für Prävention, für Resilienz und für langfristige Stabilisierung - wie zum Beispiel im Sudan oder in Gaza. Die vielen Panels, Townhalls und Bilatsauf der MSC haben deutlich gezeigt: Entwicklungspolitik ist gefragt. Sie ist ein strategischer Kernbestandteil unserer Sicherheitsarchitektur.

Denn Sicherheit beginnt nicht an Grenzen und nicht mit militärischem Eingreifen. Sie beginnt dort, wo Staaten funktionieren. Wo Regierungen liefern. Wo Kinder zur Schule gehen können. Wo alle Menschen gleichberechtigt teilhaben können. Wo junge Menschen eine Zukunft haben, eine Perspektive in ihrem Land, für die es sich zu bleiben lohnt. Wir alle wissen: wo diese Grundlagen fehlen, wachsen Instabilität, Radikalisierung und Fluchtbewegungen. Entwicklungspolitik stabilisiert Gesellschaften, bevor sie kollabieren. Sie entschärft Krisen, bevor sie global werden.

Und gerade in diesen Zeiten, die von Umbrüchen und Instabilität geprägt ist, brauchen wir starke Entwicklungspolitik mehr denn je. Für Deutschland und für die Welt. Und Sie alle hier im Saal wirken genau daran mit. Sie in der Zivilgesellschaft, in den Kirchen, in Gewerkschaften und Verbänden, in den internationalen Organisationen. Sie alle gestalten unsere internationalen Partnerschaften. Sie alle prägen die Rolle Deutschlands in der Welt. Jede und jeder von Ihnen auf Ihre Weise. Etwa indem Sie Menschen in Not unterstützen und ihnen Perspektiven bieten. Indem Sie Räume für Demokratie öffnen. Indem Sie sich für globale Gerechtigkeit und Solidarität einsetzen. Oder indem Sie Investitionen tätigen und Wertschöpfung vor Ort schaffen. Sie alle sind Teil Netzwerks, das Deutschlands Rolle in der Welt positioniert.

Und gerade dann, wenn die Welt im Wandel ist, machen wir klar, wofür die deutsche Entwicklungspolitik steht. Welche Angebote von unserer Seite zu erwarten sind. Welche Interessen wir verfolgen. Und welche Werte wir vertreten. Mein Ziel - auch mit der Reform - ist ein klares Profil der deutschen Entwicklungspolitik. Deshalb richten wir die deutsche Entwicklungspolitik neu aus. Nicht, um mit der Vergangenheit zu brechen. Sondern um den Herausforderungen unserer Zeit zu begegnen. Um in handlungsfähig zu sein für diese neue Zeit.

Die deutsche Entwicklungspolitik wird deshalb strategischer, fokussierter und partnerschaftlicher. Lassen Sie mich ganz kurz auf diese drei Punkte näher eingehen.

Strategischer heißt: Wir differenzieren klarer. Mit aufstrebenden Volkswirtschaften arbeiten wir zum Beispiel anders zusammen als mit least developed countries(Lexikon-Eintrag zum Begriff aufrufen). Wir analysieren für jedes Partnerland gemeinsame Interessen und politische Ziele und leiten daraus unsere Zusammenarbeit ab. Wir stärken die politische Steuerung, definieren politische Ziele präziser, verschlanken Strategien und setzen auf mehr Monitoringund Evidenz. Das bedeutet auch: klare politische Leitplanken und starke strategische Steuerung durch das BMZ, dabei aber weniger Detailsteuerung der Umsetzung.

Fokussierter heißt: Wir priorisieren, regional und thematisch. Wir ziehen uns aus keinem Partnerland zurück. Das war mir wichtig und daher möchte ich das unterstreichen. Vielmehr fokussieren wir unser Engagement: Mit Schwellenländern(Lexikon-Eintrag zum Begriff aufrufen)wie Brasilien oder Mexiko stehen die wirtschaftliche Zusammenarbeit und globale öffentliche Güter im Mittelpunkt. Bei der Unterstützung von Geflüchteten und Aufnahmegemeinden und beim Wiederaufbau setze ich einen klaren regionalen Fokus auf die Europäische Nachbarschaft, die MENA-Region, den Sahel und das Horn von Afrika. Das ist keine Entscheidung gegen einzelne Themen oder Regionen, sondern für einen differenzierten und passgenauen Einsatz von Instrumenten.

Fokussierung ist Ausdruck politischer Klarheit. Sie bedeutet, dass wir uns auf unsere Stärken besinnen und Verantwortung wirksamer wahrnehmen.

Und partnerschaftlicher heißt: Wir begreifen Zusammenarbeit als Ko-Autorenschaft. Unsere Partner im Globalen Süden(Lexikon-Eintrag zum Begriff aufrufen)- und heute sind sehr viele Botschafterinnen und Botschafter aus unseren Partnerländern hier, schön, dass Sie heute hier sind - wollen Mitgestaltung. Sie wollen Beziehungen, die nicht auf Abhängigkeit beruhen, sondern auf gegenseitigem Nutzen und Vertrauen. Deshalb benennen wir auch unsere eigenen Interessen klarer. Deutschland braucht stabile Partner, verlässliche Märkte, strategische Allianzen für eine regelbasierte Ordnung.

Nach meiner festen Überzeugung ist diese neue Offenheit über eigene Interessen ein Zeichen von Respekt. Sie ist Voraussetzung für belastbare Beziehungen auf Augenhöhe. Unsere Partner erwarten das von uns. Partnerschaft bedeutet nämlich auch Mitverantwortung.

Klar ist: Reformen bedeuten Veränderung. Aber eines bleibt: Für eine handlungsfähige und wirksame Entwicklungspolitik braucht es starke Allianzen. Es braucht starke Partner. Und viele dieser starken Partner sind heute hier im Raum.

Meine Damen und Herren,

In einer Welt der Machtverschiebungen, in der Vertrauen zur knappen Ressource wird, ist eine starke Entwicklungspolitik eine strategische Notwendigkeit. Sie ist Sicherheitspolitik und sie ist Friedenspolitik. Und ich weiß, dass Veränderung nur gelingt, wenn sie gemeinsam getragen wird, mit vereinten Kräften. Lassen Sie uns also diesen globalen Umbrüchen mit einer starken deutschen Entwicklungspolitik gemeinsam begegnen.

Denn Stillstand ist keine Option. Entweder wir gestalten - oder wir werden gestaltet. Und ich bin überzeugt: Wir werden gestalten, gemeinsam und erfolgreich.

Herzlichen Dank.

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