11/08/2026 | News release | Distributed by Public on 11/08/2026 07:37
Die Max Grünebaum-Stiftung zeichnet jährlich herausragende Persönlichkeiten der Brandenburgischen Technischen Universität (BTU) Cottbus-Senftenberg und des Staatstheaters Cottbus aus. Am 8. November 2026 fand die Preisverleihung im Großen Haus des Staatstheaters zum 30. Mal statt.
Das Jubiläum fiel in ein besonderes Gedenkjahr: Der Geburtstag des Cottbuser Ehrenbürgers und Tuchfabrikanten Max Grünebaum (1851-1925) jährte sich am 6. November zum 175. Mal. BTU-Präsidentin Prof. Dr. Gesine Grande, Vorsitzende des Kuratoriums der Stiftung, Intendant Berthold Schneider und Oberbürgermeister Tobias Schick eröffneten den Festakt.
"Der Max-Grünebaum-Preis steht beispielhaft für das, was unsere Stadt ausmacht und stark macht: das Engagement für Wissenschaft und Kultur, die Förderung herausragender Talente und die Überzeugung, dass Zukunft dort entsteht, wo Menschen ihre Ideen und Fähigkeiten entfalten können. Dass dieses besondere Engagement der Familie Grünebaum seit Jahrzehnten fortgeführt wird, ist ein großer Gewinn und eine Ehre für Cottbus/Chóśebuz und die gesamte Region. Den Preisträgerinnen und Preisträgern gratuliere ich herzlich zu dieser verdienten Auszeichnung," so der Oberbürgermeister der Stadt Cottbus/Chóśebuz Tobias Schick.
Die folgenden vier herausragenden Nachwuchskräfte wurden ausgezeichnet:
Neben diesen Einzelauszeichnungen finanziert die Stiftung jährlich eine Projektwoche "Forschendes Theater" mit 10.000 Euro. In diesem Jahr erkundete die 10a der Theodor-Fontane-Schule passend zum Thema "Energie" neben den Probebühnen des Staatstheaters den LEAG-Tagebau in Welzow-Süd und das DLR-Institut für CO₂-arme Industrieprozesse.
"Mit diesem pädagogischen Projekt schlagen wir genau jene Brücke, die Max Grünebaum zeitlebens am Herzen lag: Wir bringen junge Menschen mit Wissenschaft und Kunst zusammen, denn wenn Schülerinnen und Schüler auf der Probebühne stehen und zugleich Forschungseinrichtungen unserer Region erkunden, erleben sie kreatives Schaffen und wissenschaftliches Arbeiten unmittelbar," so die BTU-Präsidentin und Vorsitzende
des Kuratoriums der Max Grünebaum-Stiftung Prof. Dr. Gesine Grande.
Erstmalig konnten sich Cottbuser Schulen für die kommenden Projektwochen bewerben. Die Gewinner wurden live bei der Preisverleihung gelost.
Die Max Grünebaum-Stiftung erinnert an den Cottbuser Tuchfabrikanten und Ehrenbürger Max Grünebaum (1851-1925). Seine Familie wurde im Nationalsozialismus enteignet und aus Deutschland vertrieben. Nach der
Wiedervereinigung gründeten seine Nachkommen mit der erhaltenen Entschädigung die Stiftung - als bleibendes Zeichen der Versöhnung.
Seit 1997 zeichnet sie jährlich herausragende Leistungen von Künstlerinnen und Künstlern des Staatstheaters Cottbus und seit 2020 von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern der BTU aus.
Mehr Privatsphäre im Netz: Dr.-Ing. Asya Mitseva (Max-Grünebaum-Preis)
Die Informatikerin wird für ihre mit "summa cum laude" bewertete Dissertation "State of Affairs in Online User Privacy" ausgezeichnet. Sie untersucht, wie gut Anonymisierungsdienste wie das Tor-Netzwerk Menschen
tatsächlich vor Überwachung schützen. Zwar bleiben Inhalte und Identität verborgen, nicht aber Anzahl, Richtung und Zeitpunkt der Datenpakete, und daraus lassen sich Rückschlüsse auf das Surfverhalten ziehen.
Mitseva entwickelte neue Analysemethoden, die bei mehr als der Hälfte der untersuchten Webseiten jeden Besuch fehlerfrei erkennen, und eine kostengünstige, rein nutzerseitige Abwehr, die den Datenverkehr auf
mehrere Tor-Pfade aufteilt. Die Ergebnisse werden bereits beim Schutz von Smart-Meter-Daten im Energieinnovationszentrum der BTU und von Patientendaten in 5G-Campusnetzen (medCS.5) angewendet. Sie wurden unter anderem auf den Spitzenkonferenzen ACM CCS 2020 und USENIX Security 2024 veröffentlicht. Die drei Gutachter, Prof. Dr.-Ing. Andriy Panchenko (BTU), Prof. Dr. Florian Tschorsch (TU Dresden) und Prof. Dr.
Thomas Engel (Université du Luxembourg), bewerteten die Arbeit jeweils mit "sehr gut". Seit Januar 2026 leitet Mitseva die Young Investigator Group "CO-SYS - Control Systems and Cyber Security Lab".
Forschen und engagieren: Klara Richter (Ernst-Frank-Förderpreis)
Klara Richter studiert seit Oktober 2023 Biotechnologie an der BTU und überzeugt durch ihre fachlichen Leistungen und ihr Interesse an der Zellbiologie. Im Praxissemester forschte sie in der Arbeitsgruppe von Prof. Dr.
Julia von Maltzahn (Stammzellbiologie des Alters) zu Signalwegen bei der Differenzierung von Muskelzellen. Zuvor untersuchte sie als studentische Hilfskraft in der technischen Mikrobiologie, wie sich Lebensmittelabfälle
mithilfe eines Pilzes als Grundlage für Garnelenfutter verwerten lassen.
Ihre Bachelorarbeit schreibt sie am Institute of Cancer Research in London, in der Arbeitsgruppe von Prof. Janet Shipley, die auf dem Gebiet der Rhabdomyosarkom-Forschung führend ist, einer hochbösartigen Weichteiltumorerkrankung. Dort möchte sie moderne Methoden wie Lineage-Tracing in Kombination mit Einzelzell-RNA-Sequenzierung kennenlernen. Der Ernst-Frank-Förderpreis macht diesen Aufenthalt möglich. Daneben engagiert sie sich im Fachschaftsrat und im Studierendenrat am Standort Senftenberg, wirkte in einer Berufungskommission mit und half unter anderem bei der Organisation des Schneeflockenballs der BTU (2025 und 2026), des studentischen Weihnachtsmarkts und der Erstsemesterwoche.
Alyosa Forlini (Max-Grünebaum-Preis)
Der Tänzer Alyosa Forlini ist seit der Spielzeit 2019/20 Mitglied des Ballettensembles am Staatstheater Cottbus und glänzte in zahlreichen Hauptrollen, darunter Arbeiten weltbekannter Choreografen. Der gebürtige Italiener
begann seine Ausbildung an der Ballettschule der Accademia Teatro alla Scala und setzte sie an der Staatlichen Ballettschule Berlin fort. Seit der Spielzeit 2015/16 gehörte er zum Ballettensemble des Mecklenburgischen
Staatstheaters, bevor er 2019 nach Cottbus wechselte. Hier konnte Alyosa Forlini seine außergewöhnliche und einzigartige Tanzsprache mit hypnotischer Kraft entwickeln. Seine Auftritte bleiben immer im Gedächtnis,
ob er kraftvoll Freddie Mercury ein tänzerisches Denkmal setzt oder als geheimnisvoller Ballettmeister in Giorgio Madias Version von "Der Nussknacker" die Fäden zieht. In "Endstation Sehnsucht" von Martin Chaix
brachte er im Pas de Deux zusammen mit Stefan Kulhawec die Tragik einer verhinderten Liebe eindrucksvoll auf die Bühne. Choreograf Douglas Lee fand in Alyosa Forlini einen idealen Conferencier für seine Kreation
"Fade outs", deren charismatisches Zentrum der Tänzer bildet. Aktuell tanzt er in "Aschenbrödel", "Da Vinci", "Im Verborgenen" und steht als Tybalt in der Tragödie in vier Künsten "Romeo und Julia" auf der Bühne.
Als langjähriges Mitglied des Ballettvorstands hat Alyosa Forlini das Ensemble maßgeblich mitgeformt.
Die Auszeichnung mit dem Max-Grünebaum-Preis 2026 würdigt die Leistung eines Künstlers, der in den vergangenen Jahren an der Cottbuser Bühne Maßstäbe setzte und dessen Ausdruckskraft sich beim Publikum in
die Herzen und das Gedächtnis eingebrannt hat.
Die aus Münster stammende Dramaturgin Leonora Mense schloss ihren Bachelor in Germanistik und Theaterwissenschaft mit einem musikwissenschaftlichen Schwerpunkt an der Ruhr-Universität Bochum mit Bestnote ab. Anschließend folgte 2022 ein Masterstudium in Critical Dance Studies an der Freien Universität Berlin. Seit der Spielzeit 2023/24 hält sie Einführungsvorträge zu Produktionen des Staatsballetts Berlin.
Mit Beginn der Spielzeit 2025/26 kam sie als Dramaturgin für Musiktheater, Ballett und Konzert ans Staatstheater Cottbus. Leonora Mense hat sich in kürzester Zeit in die anspruchsvollen Stücke der Interimsspielzeit
von Hasko Weber ebenso eingearbeitet wie in die Struktur des Hauses.
Kommunikativ in alle Richtungen, vermittelnd, zugewandt sowie mit wachem Auge und Geist hat sie die Vorbereitungen der Musiktheater-Produktionen "AscheMOND oder The Fairy Queen" von Helmut Oehring in
der Regie von Sebastian Baumgarten und Verdis "Nabucco" in der Regie von Armin Petras als Stückdramaturgin übernommen und die intensiven Probenprozesse begleitet. Es ist ihr dabei gelungen, schnell ein wichtiger
Teil des jeweiligen Regie-Teams zu werden. Bereits in ihre erste Arbeit, das Ballett "Aschenbrödel" in der Choreografie von Xenia Wiest, ist sie auf Augenhöhe mit dem Team eingestiegen. In der aktuellen Saison betreut
sie als Dramaturgin u.a. die Viersparten-Produktion "Romeo und Julia" und die Ballett-Uraufführung "Dracula Dracula Dracula".
Ihre Offenheit für neue Perspektiven und Impulse weiß sie produktiv in ihre Arbeit zu integrieren. Als genaue Beobachterin, die klare Schlüsse ziehen kann, trifft sie auch in der Vermittlung stets den "richtigen Ton",
sei es unter Kolleg*innen, sei es dem Publikum gegenüber.
Der Preis würdigt eine junge Theatermacherin, die das Menschliche als die zukunftsfähigste Ressource des Theaters zu begreifen und einzubringen versteht.