Landwirtschaftliche Rentenbank

07/15/2026 | Press release | Distributed by Public on 07/15/2026 03:07

„Bioeconomy Deep Dive“: Bio-LNG kann Deutschlands Widerstandsfähigkeit in der Energieversorgung stärken und die ländliche Wertschöpfung steigern

"Bioeconomy Deep Dive": Bio-LNG kann Deutschlands Widerstandsfähigkeit in der Energieversorgung stärken und die ländliche Wertschöpfung steigern

Pressemitteilung |

15. Juli 2026

Frankfurt am Main. Angesichts geopolitischer Spannungen, volatiler Energiemärkte und der weiterhin hohen Abhängigkeit Deutschlands von fossilen Energieimporten gewinnt die Suche nach widerstandsfähigen und klimafreundlichen Alternativen zunehmend an Dringlichkeit. Eine neue Studie, die im Rahmen der "Bioeconomy Deep Dives" vom Innovationshub RootCamp im Auftrag der Rentenbank und des Bundesministeriums für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat (BMLEH) durchgeführt wurde, zeigt: Heimisch produziertes Bio-LNG könnte eine bislang unterschätzte Rolle spielen, indem es Versorgungssicherheit, Klimaschutz und regionale Wertschöpfung miteinander verbindet. Bio-LNG wird dabei aus Biomethan gewonnen und kann insbesondere aus landwirtschaftlichen Reststoffen wie Gülle, Mist oder organischen Abfällen hergestellt werden. Die Analyse der gesamten Wertschöpfungskette zeigt vor allem im Schwerlastverkehr sowie in der Schifffahrt Potenziale, fossile Energieträger zumindest teilweise zu ersetzen und so Emissionen im Verkehrssektor zu senken sowie die Importabhängigkeit von fossilen Kraftstoffen zu reduzieren.

"Die vergangenen Jahre haben deutlich gemacht, wie verletzlich energieabhängige Volkswirtschaften sind. Heimisch produziertes Bio-LNG kann dazu beitragen, unsere Energieversorgung unabhängiger und damit widerstandsfähiger gegenüber geopolitischen Konflikten zu machen, Wertschöpfung in ländlichen Räumen zu stärken und den Verkehrssektor klimafreundlicher aufzustellen", sagt Nikola Steinbock. "Gerade im Schwerlastverkehr brauchen wir technologieoffene Lösungen, die kurzfristig verfügbar sind und einen realistischen Beitrag zur Emissionsminderung leisten können."

Die Untersuchung kommt zu dem Ergebnis, dass Bio-LNG insbesondere dort Potenzial besitzt, wo batterieelektrische Lösungen derzeit noch an technische oder infrastrukturelle Grenzen stoßen. Gleichzeitig verweisen die Autorinnen und Autoren auf erhebliche Hürden für den Markthochlauf in Deutschland. Dazu zählen insbesondere regulatorische Unsicherheiten, langwierige Genehmigungsverfahren, Wettbewerbsnachteile gegenüber subventionierten Importen sowie fehlende Planungssicherheit für Investitionen.

Zudem betont die Studie, dass ein nachhaltiger Ausbau nur gelingen kann, wenn vor allem Rest- und Nebenstoffe konsequent genutzt und hohe Nachhaltigkeitsstandards eingehalten werden. Auch die Vermeidung von Methanschlupf entlang der gesamten Wertschöpfungskette sowie transparente Zertifizierungs- und Kontrollsysteme werden als zentrale Voraussetzungen für eine glaubwürdige Klimawirkung und gesellschaftliche Akzeptanz der Technologie hervorgehoben.

Hans-Henning Schuur, Geschäftsführer des RootCamps betont: "Bio-LNG aus organischen Reststoffen wie Wirtschaftsdünger oder Haushaltsabfälllen bietet ein hohes Potenzial für die Transformation zur Bioökonomie. Damit diese Chancen wirtschaftlich und nachhaltig genutzt werden können, müssen bestehende Innovationslücken geschlossen und Skalierungshürden überwunden werden. In unserem kollaborativen Deep-Dive-Format konnten wir gemeinsam mit Akteuren entlang der gesamten Wertschöpfungskette konkrete Maßnahmen für Politik und Praxis aufzeigen."

Die Autorinnen und Autoren empfehlen daher unter anderem verlässliche politische Rahmenbedingungen, wettbewerbsfähige Förder- und Kostenstrukturen für heimische Produzenten sowie stärkere Anreize für klimafreundliche Kraftstoffe im Schwerlastverkehr. Darüber hinaus sehen sie erhebliches Potenzial in regionalen Wertschöpfungsclustern, die Landwirtschaft, Energieproduktion und Logistik enger miteinander vernetzen und so zusätzliche Synergien heben können.

Die Studie entstand im Rahmen der "Bioeconomy Deep Dives" und basiert auf Interviews und Workshops mit mehr als 40 Expertinnen und Experten aus Landwirtschaft, Energiewirtschaft, Industrie, Logistik und Forschung. Ziel des Formats ist es, Innovationslücken und Skalierungshemmnisse in zentralen bioökonomischen Wertschöpfungsketten systematisch zu identifizieren und gemeinsam mit den Akteuren praxisnahe Lösungsansätze zu entwickeln. Mit den "Bioeconomy Deep Dives" analysieren das RootCamp und die Landwirtschaftliche Rentenbank Zukunftstechnologien und Wertschöpfungsketten der Bioökonomie. Nach den Themen Nutzhanf und Lignin steht nun Bio-LNG im Fokus der dritten Ausgabe des Formats.

Die Studie "Bioeconomy Deep Dives - Bio-LNG" ist unter folgendem Link auf der Homepage der Rentenbank abrufbar: https://www.rentenbank.de/deep-dive-bio-lng

Die nächste Ausgabe der "Bioeconomy Deep Dives" wird sich mit Protein aus Biomassefermentation beschäftigen und Ende 2026 erscheinen.


Hintergrund:

Die Landwirtschaftliche Rentenbank ist die deutsche Förderbank für die Agrarwirtschaft und den ländlichen Raum. Der Förderauftrag schließt neben der Land- und Forstwirtschaft sowie der gesamten Wertschöpfungskette Lebensmittel den Ausbau erneuerbarer Energien ebenso ein wie die Förderung der Bioökonomie. Besonderes Gewicht liegt auf der Innovationsförderung. Sie reicht von der Forschung und Entwicklung an Hochschulen über die Start-up-Förderung bis hin zur Markt- und Praxiseinführung neuer Technologien und Produkte. Die Förderinstrumente der Rentenbank sind Zuschüsse und Programmkredite. Die Programmkredite werden wettbewerbsneutral über die Hausbanken der Endkreditnehmer vergeben. Die Rentenbank refinanziert Banken, Sparkassen und Gebietskörperschaften mit Bezug zum ländlichen Raum. Die Bank ist eine bundesunmittelbare Anstalt des öffentlichen Rechts, deren Grundkapital von der Land- und Forstwirtschaft der Bundesrepublik Deutschland aufgebracht wurde. Sie unterliegt dem KWG und wird von der BaFin und der Bundesbank beaufsichtigt. Die Förderbank refinanziert sich an den Finanzmärkten und gehört zu den wenigen Triple-A-Adressen Deutschlands.

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