Regierung des Landes Mecklenburg-Vorpommern

08/31/2026 | Press release | Distributed by Public on 08/31/2026 05:22

Wenn das Smartphone zum Dauerbegleiter wird: Ausstellung zu Social Media und Sucht startet in Stralsund

Nr.204 | 31.08.2026 | SM | Ministerium für Soziales, Gesundheit und Sport

Wann wird aus intensiver Social-Media-Nutzung ein Problem? Mit der interaktiven Wanderausstellung "BE.LIKE.ME. - Social Media und ich" will Mecklenburg-Vorpommern Kinder und Jugendliche für einen bewussten Umgang mit digitalen Medien sensibilisieren. Gesundheitsministerin Stefanie Drese eröffnete die Ausstellung heute in der Alten Fischfabrik in Stralsund. Sie verbindet wissenschaftliche Erkenntnisse mit Kunst und interaktiven Elementen und lädt Jugendliche dazu ein, den eigenen Medienkonsum zu hinterfragen. Das Land fördert die Ausstellung mit 120.000 Euro aus dem Sonderprogramm "Gesundheitsförderung und Prävention 2.0". Schirmherrin ist Ministerpräsidentin Manuela Schwesig.

Wie wichtig das Thema ist, zeigen die Ergebnisse der vom Land geförderten wissenschaftlichen Erhebung "KiJuSucht2025" der Universität Greifswald, an der 576 junge Menschen aus Mecklenburg-Vorpommern teilgenommen haben. Die Studie zeigt deutliche regionale Unterschiede: Während im ländlichen Raum eher der Konsum von Alkohol, Cannabis und anderen Suchtmitteln im Vordergrund steht, ist problematische Medien- und Smartphonenutzung insbesondere in den Städten ausgeprägt. Zugleich benennt die Studie wichtige Schutzfaktoren: Eine starke Bindung an die Schule sowie eine gute Beziehungs- und Interaktionsqualität im Elternhaus gehen mit einer geringeren und weniger problematischen Smartphonenutzung einher. Häufige Fehlzeiten und ein Umfeld, in dem problematisches Verhalten anerkannt wird, können dagegen eine exzessive Nutzung begünstigen.

"KiJuSucht2025 zeigt uns sehr konkret, wo wir hinschauen und wo wir ansetzen müssen. Wir dürfen junge Menschen mit ihren digitalen Lebenswelten nicht alleinlassen. Prävention ist mehr als die Aufforderung, das Handy wegzulegen. Wir müssen junge Menschen stark machen, damit sie digitale Medien selbstbestimmt, kritisch und gesund nutzen können", sagte Drese. "BE.LIKE.ME. setzt genau dort an: Die Ausstellung kommt ohne erhobenen Zeigefinger aus, regt zum Nachdenken an und macht erlebbar, welche Mechanismen hinter Likes, Feeds und dem Drang stehen, immer wieder zum Smartphone zu greifen."

Bundesweit ist die Entwicklung ebenfalls alarmierend: Nach der DAK-Suchtstudie 2025 nutzen mehr als ein Viertel der 10- bis 17-Jährigen soziale Medien in riskantem oder pathologischem Ausmaß. Im Durchschnitt verbringen Kinder und Jugendliche an einem Wochentag mehr als zweieinhalb Stunden mit sozialen Medien. "Unsere Antwort darf nicht darin bestehen, jungen Menschen einfach die digitale Welt zu verbieten. Wir brauchen Befähigung: Medienkompetenz, kritische Reflexionsfähigkeit und die Fähigkeit, mit digitalen Reizen und den eigenen Emotionen umzugehen. Gleichzeitig müssen die Plattformbetreiber stärker in die Verantwortung genommen werden", so Drese.

Birgit Grämke, Geschäftsführerin der Landeskoordinierungsstelle für Suchtthemen MV (LAKOST), betonte die Bedeutung eines niedrigschwelligen Präventionsangebots: "KiJuSucht2025 zeigt, dass wir bei der Prävention genau hinschauen müssen. Mediennutzung ist Teil des Alltags junger Menschen und kann sich je nach Lebenswelt unterschiedlich entwickeln. Deshalb müssen wir Jugendliche dort erreichen, wo sie leben und lernen. BE.LIKE.ME. schafft einen Raum, in dem sie ohne erhobenen Zeigefinger über ihr eigenes Nutzungsverhalten nachdenken und gemeinsam darüber sprechen können."

Die Ausstellung greift damit auch Empfehlungen der interdisziplinären Expertenkommission des Landes zum Schutz von Kindern und Jugendlichen in den Sozialen Medien auf. Diese setzt statt pauschaler Verbote auf "Befähigungsgerechtigkeit" - also auf Medienkompetenz, kritische Reflexionsfähigkeit und einen bewussten Umgang mit den eigenen Emotionen.

"Wir wollen nicht, dass Jugendliche einfach lernen, weniger auf ihr Smartphone zu schauen. Sie sollen verstehen, warum sie immer wieder danach greifen und wie Plattformen Aufmerksamkeit binden. Erst wenn ich die Mechanismen kenne, kann ich auch selbstbestimmt damit umgehen", sagte Grämke.

Die Wanderausstellung ist bis zum 9. Oktober 2026 in der Alten Fischfabrik in Stralsund zu sehen und zieht anschließend vom 2. November bis 18. Dezember 2026 ins E-Werk nach Schwerin weiter. Sie richtet sich insbesondere an Schulklassen, aber auch an die Öffentlichkeit. Schulen können sich für einen Besuch bei der LAKOST MV anmelden.

Drese appellierte an die Schulen im Land, das Angebot zu nutzen: "BE.LIKE.ME. ist kein Frontalunterricht und keine Verbotsveranstaltung. Die Ausstellung bietet Raum für Fragen, Diskussionen und eine ehrliche Auseinandersetzung mit dem eigenen Medienkonsum. Ich wünsche mir deshalb, dass möglichst viele Schulklassen diese Chance nutzen und gemeinsam ins Gespräch kommen."

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