Stadt Weimar

02/18/2026 | Press release | Archived content

Nachdenken über Erinnerung

Nachdenken über Erinnerung

Rathauskurier 03/2026 | Deutsches Nationaltheater

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Der Relevanz und Subjektivität von Erinnerung als eine Form der Geschichtsschreibung widmet sich die diesjährige Ausgabe der Weimarer Reden, die das Deutsche Nationaltheater Weimar gemeinsam mit der Stadt Weimar veranstaltet. Woran machen sich Erinnerungen fest? Wie wird überhaupt erinnert? Und gibt es so etwas wie eine objektive Erinnerung? Verändern sich Erinnerungen im Zuge sich wandelnder sozialer und politischer Konstellationen? Passen wir unser Erinnern an die äußeren Gegebenheiten an? Angesichts der Möglichkeiten künstlicher Intelligenz wird auch die Frage dringlich, wie sich eine Manipulation des Erinnerten verhindern lässt.

Mit diesen unterschiedlichen Fragestellungen werden sich die Rednerinnen und Redner an den drei Märzsonntagen beschäftigen und aus ihren jeweiligen Blickwinkeln die Zuhörer zum Mit- und Nachdenken einladen: Zu Gast sind der Autor Christoph Peters, die Rechtswissenschaftlerin, Rechtsphilosophin und Autorin Frauke Meta Rostalski und Meron Mendel, Professor für Soziale Arbeit und Direktor der Bildungsstätte Anne Frank in Frankfurt am Main. Die Moderation der drei Veranstaltungen übernimmt erneut die Journalistin und Autorin Liane von Billerbeck, die jeweils zu Beginn die Redner im persönlichen Gespräch vorstellen wird.

Kuratiert werden die Weimarer Reden, deren Hauptsponsoren die Thüringer Netkom GmbH und die Weimarer Wohnstätte GmbH sind, von Beate Seidel und Tabea Lamberti. Das Dorint Hotel unterstützt die Veranstalter bei der Unterbringung der Rednerinnen und Redner. Präsentiert wird die diesjährige Ausgabe von der Thüringischen Landeszeitung und MDR Thüringen.

Karten für die drei Veranstaltungen jeweils 11 Uhr, Großes Haus, sind an der DNT-Theaterkasse sowie online erhältlich unter www.dnt-weimar.de.

8. März: Christoph Peters

Christoph Peters gehört zu den wichtigsten deutschsprachigen Autoren der Gegenwart. Nach der Schulzeit studierte Malerei an der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste Karlsruhe. Um sich seinen Lebensunterhalt zu verdienen, arbeitete er zwischen 1995 bis 2000 als Fluggastkontrolleur am Frankfurter Rhein-Main-Flughafen. Diese Tätigkeit beschreibt er später als Lebensschule, weil sie seinen Blick auf die Menschen und ihre Verhaltensweisen geschärft hat.

Mit dem Roman »Ein Zimmer im Haus des Krieges«, in dem das Schicksal eines zum Islam konvertierten deutschen jungen Mannes beschrieben wird, der sich radikalisiert und in einen Terroranschlag auf den ägyptischen Luxortempel verwickelt ist, löste er eine heftige Debatte darüber aus, ob ein Verstehen der Motive seines Protagonisten schon als Einverständnis mit denselben missverstanden werden könnte. Zwischen 2022 und 2024 veröffentlichte er in Anlehnung an Wolfgang Koeppens Romantrilogie seine »Trilogie des gegenwärtigen Scheiterns«. Auch hier scheut sich Christoph Peters nicht, die Ambivalenz und Fragilität unseres aktuellen Gesellschaftszustandes in allen Facetten zu beschreiben. Ihm gelingt damit ein furioses, scharf gezeichnetes Zeitbild, das den drängenden Fragen der Gegenwart nicht ausweicht. Christoph Peters wurde mit zahlreichen Preisen für sein Werk ausgezeichnet.

15. März: Frauke Meta Rostalski

Prof. Dr. Dr. Frauke Meta Rostalski ist eine deutsche Rechtswissenschaftlerin, Rechtsphilosophin und Autorin. Sie hat seit 2018 den Lehrstuhl für Strafrecht, Strafprozessrecht, Rechtsphilosophie und Rechtsvergleichung an der Universität zu Köln inne und ist seit 2020 Mitglied des Deutschen Ethikrats. Ihre Forschungsschwerpunkte liegen insbesondere im Grenzbereich zwischen Strafrecht, Medizin und Ethik. Zugleich widmet sie sich den aus dem Fortschritt auf dem Gebiet der Künstlichen Intelligenz ergebenden Fragen für Recht und Moral.

Mit ihrem Buch »Die vulnerable Gesellschaft. Die neue Verletzlichkeit als Herausforderung der Freiheit« war sie 2024 für den Deutschen Sachbuchpreis nominiert. Darin setzt sie sich u. a. anhand der Corona-Pandemie mit der Verhältnismäßigkeit von staatlichen Eingriffen und Verordnungen und persönlicher, durch den Staat zu garantierender Freiheit als einem im Grundgesetz verbrieften Bürgerrecht auseinander. Die Analyse dieses Verhältnisses spielt auch in ihren zahlreichen Interviews und Artikeln eine wichtige Rolle. Zuletzt erschien ihr Buch »Wer soll was tun? Warum wir nicht zum Klimaschutz verpflichtet sind und worin unsere Verantwortung eigentlich besteht«.

22. März: Meron Mendel

Prof. Dr. Meron Mendel ist Professor für Soziale Arbeit an der Frankfurt University of Applied Sciences und Direktor der Bildungsstätte Anne Frank in Frankfurt am Main. Mendel zählt heute zu den profiliertesten Stimmen in den Debatten über Erinnerungskultur, Identitätspolitik und Antisemitismus und prägt diese mit seinen besonnenen, moderierenden Positionen.

Er veröffentlichte zahlreiche Fachbeiträge und Bücher, darunter »Über Israel reden. Eine deutsche Debatte« (Kiepenheuer & Witsch 2023), das für den Deutschen Sachbuchpreis nominiert war, sowie den gemeinsam mit Heinz Bude herausgegebenen Sammelband »Kunst im Streit« (2024). Regelmäßig schreibt er Essays und Kommentare für Der Spiegel, die Süddeutsche Zeitung, Die Zeit und weitere Leitmedien. Gemeinsam mit seiner Ehefrau Saba-Nur Cheema verfasst er seit 2021 die FAZ-Kolumne »Muslimisch-Jüdisches Abendbrot«, die 2024 als Essayband bei Kiepenheuer & Witsch erschien. Für sein Engagement für Demokratie, interreligiösen Dialog und gesellschaftliche Teilhabe wurde Mendel unter anderem mit dem Bundesverdienstkreuz und der Buber-Rosenzweig-Medaille ausgezeichnet.

Artikel vom 18. Februar 2026
Stadt Weimar published this content on February 18, 2026, and is solely responsible for the information contained herein. Distributed via Public Technologies (PUBT), unedited and unaltered, on February 23, 2026 at 12:05 UTC. If you believe the information included in the content is inaccurate or outdated and requires editing or removal, please contact us at [email protected]