02/25/2026 | Press release | Distributed by Public on 02/25/2026 01:24
Eine neue wissenschaftliche Stellungnahme warnt vor Gesundheitsrisiken für Kinder und Jugendliche durch digitale Medien. Fachgesellschaften fordern klare Altersgrenzen und stärkeren Kinderschutz.
Über ein Social-Media-Verbot für Kinder und Jugendliche wird in Deutschland aktuell breit diskutiert. Dazu liegt nun eine aktuelle wissenschaftliche Stellungnahme vor, an der Professorin Andrea Reiter seit Sommer 2025 als Teil einer Ad-hoc-Experten-Arbeitsgruppe mitgewirkt hat. Andrea Reiter leitet an der Universität Würzburg die Professur für Psychotherapie und Interventionspsychologie.
Die Arbeitsgruppe der Deutschen Gesellschaft für Kinder- und Jugendpsychiatrie (DGKJP) hat die Stellungnahme erarbeitet. Weitere führende Fachgesellschaften und Verbände aus Kinder- und Jugendpsychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie haben sie mit unterzeichnet. Die Stellungnahme basiert auf aktuellen Studien, internationalen Empfehlungen sowie neurobiologischen und entwicklungspsychologischen Erkenntnissen.
Das Papier zeigt: Trotz großer Chancen der Digitalisierung bergen viele digitale Angebote erhebliche Risiken für die psychische, soziale und körperliche Entwicklung junger Menschen. Besonders betroffen sind Kleinkinder, Kinder im Vorschulalter und Schülerinnen und Schüler bis 14 Jahre.
Die Fachverbände fordern deshalb klare Altersgrenzen für Smartphones, Social Media und KI-Chatbots, ein Verbot manipulativer Designmechanismen, verbindliche Medienkonzepte in Kitas und Schulen sowie eine deutlich stärkere Verantwortung der Anbieter digitaler Dienste.
Sie fordern außerdem die Finanzierung weiterer Forschung: "Gerade bei Kindern ist die Studienlage bislang noch begrenzt", sagt Professorin Andrea Reiter. "Wir können bislang zwar mögliche Zusammenhänge beschreiben, aber keine kausalen Aussagen treffen."
Für Säuglinge und Kleinkinder empfehlen die Fachgesellschaften eine weitgehende Bildschirmabstinenz - Ausnahmen sind zum Beispiel Videotelefonate mit Verwandten oder digitale Bilderrahmen.
Hintergrund für diese Empfehlung sind Studien, denen zufolge eine frühe Bildschirmnutzung zusammenhängen kann mit:
Künftig sollten alle Bildschirmgeräte einen Hinweis tragen:
"Nicht geeignet für Kinder von 0-3 Jahren - die Bundesgesundheitsministerin empfiehlt: Dieser Bildschirm schadet der Entwicklung Ihres Säuglings und Kleinkindes."
Kitas sollen bundesweit einheitliche Standards erhalten: keine Bildschirme für 0-3-Jährige, und nur begleitete, reflektierte Mediennutzung für 4-5-Jährige.
Kinder erhalten in Deutschland immer früher ein eigenes Smartphone. Neuere Studien, die in der aktuellen Stellungnahme aufgegriffen werden, zeigen jedoch, dass ein früher Smartphone-Besitz mit höheren Risiken für Depressionen, Schlafprobleme und Übergewicht im Jugendalter einhergeht.
Die Fachgesellschaften fordern daher:
Digitale Spiele sollen nur mit wirksamer Altersverifikation und ohne Kontaktmöglichkeiten zu Fremden erlaubt sein.
Zugleich wird eine Rückbesinnung auf analoge Freizeitaktivitäten gefordert - auch weil viele Kinder inzwischen weniger Zeit draußen verbringen und seltener lesen.
Die Stellungnahme dokumentiert auch Zusammenhänge zwischen problematischer Mediennutzung und
Besonders stark kritisieren die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler manipulative Designmechanismen ("Dark Patterns") wie Lootboxen (digitale Überraschungspakete in Videospielen), Endlos-Scrollen oder personalisierte Werbung. Diese sollen für Minderjährige verboten werden.
Für Schulen gilt laut der Empfehlung: Keine privaten Smartphones im Schulalltag. Stattdessen sollen pädagogisch verwaltete Geräte genutzt werden.
Die wissenschaftlichen Fachgesellschaften fordern unter anderem:
Wissenschaftliche Stellungnahme "Nutzung digitaler Medien und psychische Gesundheit von Kindern und Jugendlichen" (pdf)
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