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03/19/2026 | News release | Distributed by Public on 03/19/2026 03:16

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19.03.2026 Arbeitsgesundheit

KI als Ressource und Herausforderung

KI soll die Arbeit erleichtern, doch sie erzeugt auch Unsicherheit. Wie lässt sich die mentale Gesundheit in unserer KI-geprägten Arbeitswelt erhalten? Über dieses Thema spricht UZH-Psychologieprofessor Laurenz L. Meier im Rahmen des «After the Algorithm»-Festivals am 24. März in Zürich.
Brigitte Blöchlinger
KI kann in der Arbeitswelt unterstützend wirken, ruft bei Arbeitnehmenden und Berufseinsteiger:innen aber auch Unsicherheiten hervor, erklärt Arbeitspsychologe Laurenz L. Meier. (Bild: NFP 77)

Laurenz Meier, fühlen sich Arbeitnehmende von KI gestresst?

Laurenz Meier: Aktuell würde ich KI noch nicht als grossen Stressfaktor einstufen, höchstens insofern, als dass wir uns alle vor grossen Veränderungen tendenziell eher fürchten. Viele Berufstätige nutzen KI bereits - sowohl privat als auch im Arbeitsalltag - und sind neugierig darauf, was sie alles kann und welche Vorteile sie bringt. Für viele ist KI derzeit noch eher eine Ressource als ein Stressfaktor.

Inwiefern wird KI bei der Arbeit als Ressource genutzt?

Meier: Viele schätzen KI als eine Art Sparringpartner: für Korrekturen und stilistische Verbesserungen von Textentwürfen, als Hilfe beim Schreiben oder Verstehen von Texten in einer Fremdsprache, als Inspiration bei Gestaltungsaufgaben oder zum Überprüfen eigener Rohkonzepte. Sie empfinden es dabei als motivierend, die eigene Arbeit mithilfe von KI zu verbessern oder neue Aufgaben anzugehen, für die ihnen bisher die nötigen Fertigkeiten fehlten.

Selbst bei der sogenannten Emotionsarbeit, die Erwerbstätigen oft viel Energie raubt, kann KI unterstützend wirken. Es ist nicht immer leicht, nett zu bleiben und konstruktiv Kritik zu üben, wenn man mit der Arbeit oder dem Verhalten eines Kollegen unzufrieden ist. Auch für solche heiklen Situationen kann KI Entwürfe liefern, beispielsweise für eine kritische E-Mail oder für ein schwieriges Feedbackgespräch.

Derzeit fragen sich viele Berufstätige, welche Auswirkungen die KI auf die verschiedenen Berufsfelder haben wird.

Meier: Es ist noch sehr unklar - was natürlich nicht gerade zu einem Gefühl von Sicherheit führt. Wenn dann alle paar Monate komplett neue Hypothesen zu den Auswirkungen von KI auf die Arbeitswelt auftauchen, verstärkt das die Verunsicherung. Vor wenigen Jahren befürchtete man etwa, dass viele einfache Aufgaben automatisiert werden würden und die dafür benötigte IT-Expertise boomen würde. Nun kann KI aber bereits selbst einfache Automatisierungen programmieren und tangiert damit auch qualifizierte IT-Fachleute.

Wer ist aktuell stark von den Auswirkungen der KI betroffen?

Meier: Besonders stark betroffen sind Berufe mit einem hohen Anteil an strukturierter Informationsarbeit, wie Sachbearbeitung, einfache Buchhaltung, aber auch Kundenservice. Das sind Bereiche, in denen viele Aufgaben repetitiv und digitalisiert sind. Aber auch kreative Berufe wie Design und Schreiben, Wissensberufe wie Übersetzen oder auch Junior-Positionen in der Softwareentwicklung und im Finanzbereich erleben einen starken Wandel, da KI dort bereits Routineaufgaben übernimmt.

Aktuelle Studie

Nicht nur KI, sondern auch die Digitalisierung und Remote Work verändern die Arbeitswelt. Gemeinsam mit Michaela Knecht von der FHNW führt Meier derzeit die Studie «Beyond Places: Gemeinsam hybride Arbeit meistern» durch. Im Rahmen dieser Interventionsstudie werden hybride Teams in halbtägigen Workshops dabei unterstützt, ihre Zusammenarbeit optimal zu gestalten.

Weitere Informationen zur Teilnahme an der Studie finden Sie auf der Projektwebseite.

Die Unsicherheit darüber, was mit diesen Berufen passiert, macht besonders jungen Menschen am Anfang ihres Berufslebens Angst. Sie konnten noch keine Expertise aufbauen und daher ist es für sie schwierig, sich vorzustellen, wie sie in Zukunft in ihrem angestrebten Bereich arbeiten werden. Ein verbreitetes Argument lautet, dass KI nicht ganze Jobs, sondern einzelne Aufgaben ersetzt. Das klingt zwar beruhigend, bedeutet aber trotzdem, dass sich Berufsbilder stark verändern werden.

Welche Berufsfelder sind vorerst weniger von KI betroffen?

Meier: Berufe, die stark auf zwischenmenschliche Interaktion oder anspruchsvolle körperliche Tätigkeiten angewiesen sind. Dazu gehören beispielsweise soziale Berufe wie Pflege, Sozialarbeit oder Physiotherapie. Weniger betroffen sind auch Lehrtätigkeiten sowie Arbeiten in wechselnden, kaum standardisierten Umgebungen, etwa im Baugewerbe, im Handwerk oder in der Installation und Wartung technischer Anlagen.

Wird KI in Zukunft zu mehr oder weniger Stress bei der Arbeit führen?

Meier: Das ist eine spannende Frage. Bisher konnten wir vor allem von unterstützender KI, auch «assistant AI» genannt, profitieren. Nun taucht jedoch auch vermehrt handlungsfähige KI, sogenannte «agentic AI», auf. Das sind Systeme, denen man nicht nur Fragen stellt, sondern ganze Aufgaben überträgt, die sie eigenständig bearbeiten. Das ist ein qualitativer Sprung, der auch komplexe Arbeitsfelder wie die Forschung betreffen wird.

Eine wichtige Frage ist deshalb: Wie erlange ich die Kompetenz, den Output einer KI zuverlässig zu beurteilen? Dies sind Herausforderungen, die uns in Zukunft stark beschäftigen werden.

Laurenz L. Meier
Arbeitspsychologe

Ob dadurch Stress reduziert wird, ist allerdings fraglich. Erste Studien zeigen, dass KI die Arbeit nicht verringert - sondern anders verteilt und sogar dichter macht. Man wagt sich an neue Aufgaben, für die einem bisher die Fähigkeiten fehlten, oder man arbeitet parallel an mehreren Aufgaben und muss ständig zwischen ihnen wechseln. Das kostet Aufmerksamkeit und kann durchaus belasten.

Was bedeutet handlungsfähige KI also konkret für das Verhältnis zwischen Mensch und Maschine am Arbeitsplatz?

Meier: In der Arbeitspsychologie gilt seit Langem der Grundsatz «Keep the human in the loop», also: Binde den Menschen auch bei Automatisierungen noch ein. Bei einfachen Chatbots funktioniert das gut: Die Standardfragen werden von der KI beantwortet, bei schwierigen Anfragen übernimmt dann ein Mensch. Bei Agentic AI wird dieser Grundsatz jedoch zunehmend ausser Kraft gesetzt. Ab einem bestimmten Punkt habe ich weder das Wissen noch die Kompetenz, um zu beurteilen, ob der Vorschlag der KI gut ist oder nicht.

Dieses Phänomen ist auch aus der Automatisierungsforschung bekannt. Es ist für Menschen sehr herausfordernd, Systeme zu überwachen, die nur sehr wenige Fehler machen. Man muss ständig aufmerksam bleiben, um allfällige Fehler rechtzeitig zu erkennen - und das ist bei KI besonders schwierig. Bei der klassischen Automatisierung war das Produkt offensichtlich fehlerhaft oder die Maschine stoppte. Bei KI hingegen sieht das Ergebnis oft plausibel aus, auch wenn es falsch ist. Das macht die Kontrolle anspruchsvoller und fehleranfälliger. Eine wichtige Frage ist deshalb: Wie erlange ich die Kompetenz, den Output einer KI zuverlässig zu beurteilen? Dies sind Herausforderungen, die uns in Zukunft stark beschäftigen werden.

Brigitte Blöchlinger, UZH News

Podiumsgespräch «Die Zukunft der Arbeit im KI-Zeitalter»

UZH-Psychologieprofessor Laurenz Meier diskutiert am Dienstag, 24. März 2026, am ATA-Festival After The Algorithm mit anderen geladenen Gästen über die Zukunft der Arbeit im Zeitalter von KI.

Wie beeinflusst KI das Erleben von Arbeit, Stress, Wohlbefinden und mentale Gesundheit? Wird künstliche Intelligenz (KI) unsere Jobs übernehmen? Neue schaffen? Wie wird KI verändern, was Arbeit überhaupt bedeutet?

Veranstalter: UZH AI Hub und Amt für Wirtschaft, Kanton Zürich

Dienstag, 24.3.2026
18:00 Uhr
Karl der Grosse, Kirchgasse 14, 8001Zürich

Die Veranstaltung ist ausverkauft.

Weitere Informationen

Prof. Dr. Laurenz L. Meier, Leiter Arbeits- und Organisationspsychologie am Psychologischen Institut der UZH

After the Algorithm 2026

Vom 20. bis 29. März 2026 feiert After the Algorithm seine erste Ausgabe im Debattierhaus Karl der Grosse und im Kulturhaus Helferei mit einer Ausstellung, Workshops und Gesprächsrunden.

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University of Zürich published this content on March 19, 2026, and is solely responsible for the information contained herein. Distributed via Public Technologies (PUBT), unedited and unaltered, on March 19, 2026 at 09:16 UTC. If you believe the information included in the content is inaccurate or outdated and requires editing or removal, please contact us at [email protected]