Swiis Federal Institute of Technology Zürich

04/08/2026 | News release | Distributed by Public on 04/09/2026 00:04

Martina Rau, was und wie sollen Kinder mit KI lernen

Und es gibt Dinge, die wir mit sogenannten kognitiven Werkzeugen erledigen. Niemand erwartet mehr von mir, dass ich meine Daten von Hand analysiere. Dazu brauche ich Computerprogramme. Ich muss aber verstehen, wie ich damit umgehe und wie ich diese verwende.

Kognitive Werkzeuge sind nicht zwingend digital. Wenn ich in der Küche das Brotmesser absichtlich liegen lasse, um mich daran zu erinnern, den Znüni für meinen Sohn vorzubereiten, dann nutze ich das Messer als Gedankenstütze. Kognitive Werkzeuge, die uns das Erinnern erleichtern, setzen wir Menschen oft und gerne ein. Dass ein solches Hilfsmittel nun oft KI-basiert ist, ist also nicht per se problematisch. Die Frage ist daher: Wie nutze ich KI als Hilfsmittel, um besser zu lernen? Ich kann KI dazu verwenden, um Übungsmaterialien zu erstellen. Wenn ich Vokabeln lernen will, dann kann KI aus einem Text, den ich verstehen möchte, die schwierigen Vokabeln extrahieren und daraus Karteikarten machen. Die gesparte Zeit kann ich dann in das Wiederholen der Vokabeln stecken.

Ich kann die KI auch dafür nutzen, um mir ein Prinzip besser zu erklären oder um zu prüfen, ob ich es richtig verstanden habe. Allerdings kennen wir in der Forschung das Problem der «Illusion of knowing». Menschen lesen eine KI-generierte Erklärung und glauben, sie hätten ein Prinzip verstanden. Echtes Verstehen bedeutet aber, dass ich einen Sachverhalt selbstständig wiedergeben, anwenden und auf ein neues Problem übertragen kann. Dabei braucht es eine gute Dosis an Selbstskepsis und Selbstdisziplin, denn wir neigen alle dazu, uns selbst zu überschätzen. Ich empfehle daher, dass Kinder zuerst möglichst viele Erklärungen selbst formulieren und KI danach zur Kontrolle nutzen.

Damit die KI allfällige Fehler richtig erkennt und Schüler:innen ein angemessenes Feedback geben kann, ist es sinnvoll, der KI spezifische Quellen anzugeben, auf die sie sich beziehen soll - wie Lernmaterialien oder vertrauenswürdige Webseiten. Wenn eine KI nachweislich falsche Informationen produziert hat, dann lohnt es sich, ein solches Beispiel im Unterricht zu besprechen. Lehrpersonen können damit veranschaulichen, dass man der KI nicht blind vertrauen darf. Davon profitieren alle und der Lernstoff bleibt durch die Diskussion besser hängen.

Wenn wir beobachten, dass Kinder eine anstrengende Denkaufgabe mithilfe von KI vermeiden, wird es heikel. Den Spickzettel unter der Bank lassen wir ja auch nicht zu. Hier würde ich kritisch mit den Kindern diskutieren. Notfalls muss ich den Einsatz von KI einfach verbieten. Egal ob digital oder analog: Wer den Denkaufwand nicht selbst betreibt, wird kognitiv nicht profitieren.

Ich halte es für eine gute Idee, wenn Eltern ihren Kindern erzählen, wie sie selbst KI - etwa im Beruf - verwenden. Wo hilft sie, wo ist sie nicht sinnvoll? Eltern interpretieren und kontextualisieren den Output von KI, weil sie Wissen erworben haben, das nicht von KI abhängig ist. Das kann für Kinder besonders wertvoll sein.

Als Gesellschaft sind wir in einer explorativen Phase, was KI angeht. Wir haben Ängste, wir haben Hoffnungen - und warum nicht offen mit den Kindern darüber reden? Guter Unterricht motiviert Kinder und knüpft an ihren Alltag und ihre Lebenswelt an. Wenn wir KI als Thema ernst nehmen, profitieren am Ende die Schule und die Kinder, die sie auf das Leben vorbereitet.

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