02/06/2026 | Press release | Distributed by Public on 02/05/2026 23:30
Kiew, 6. Februar 2026
Die WHO bittet heute in ihrem Humanitären Appell für die Ukraine für das Jahr 2026 um 42 Mio. US-$, um den Zugang zur Gesundheitsversorgung für 700 000 Menschen zu sichern. Der Appell zielt darauf ab, die Notfall- und Traumaversorgung zu stärken, die unentbehrliche primäre Gesundheitsversorgung aufrechtzuerhalten bzw. wiederherzustellen, die Bereitschaft auf nationaler und kommunaler Ebene zu stärken und die medizinische Evakuierung von Patienten zu koordinieren, die eine besondere Versorgung benötigen.
Die anhaltenden Kampfhandlungen und die Angriffe auf die zivile Infrastruktur sorgen in der gesamten Ukraine weiterhin für einen großen Bedarf an dringend benötigten Gesundheitsleistungen. Seit Anfang 2022 hat die WHO 2841 Angriffe auf das Gesundheitswesen bestätigt. Wiederholte Angriffe auf kritische Energieinfrastrukturen haben die Stromerzeugung schwer beschädigt, wodurch die Bereitstellung der gesundheitlichen Grundversorgung zunehmend beeinträchtigt wird. Gleichzeitig gibt es nach wie vor 3,6 Mio. Binnenvertriebene, was eine Unterbrechung der Behandlungspfade, eine Einschränkung des Zugangs zur Versorgung und eine zusätzliche Belastung des ohnehin schon überlasteten Gesundheitswesens in der Aufnahmegesellschaft zur Folge hat.
"Unsere jüngsten Untersuchungen haben ergeben, dass mehr als zwei Drittel der Ukrainer über eine Verschlechterung ihres Gesundheitszustands im Vergleich zur Vorkriegszeit berichten und fast die Hälfte der Bevölkerung unter psychischen Problemen leidet", erklärt Dr. Hans Henri P. Kluge, WHO-Regionaldirektor für Europa. "Das tapfere ukrainische Gesundheitspersonal leistet weiterhin unter außergewöhnlichen Bedingungen medizinische Hilfe, auch in lebensbedrohlichen Gebieten entlang der Frontlinie. Zur Unterstützung des Gesundheitspersonals und der Menschen in der Ukraine dient unser Appell für 2026 dazu, die Traumaversorgung aufrechtzuerhalten, die primäre Gesundheitsversorgung in den vom Konflikt betroffenen Gebieten am Leben zu halten, die medizinische Evakuierung schwerkranker Patienten zu unterstützen und die Kontinuität der Versorgung von Millionen von Vertriebenen oder von der Versorgung abgeschnittenen Menschen sicherzustellen. Angesichts des weltweiten Rückgangs von Mitteln für die humanitäre Hilfe ist diese Investition in Höhe von 42 Mio. US-$ unverzichtbar, um eine weitere Verschlechterung der Gesundheit der Menschen zu verhindern und die Widerstandsfähigkeit des ukrainischen Gesundheitssystems zu erhalten."
Erstens werden die WHO und ihre Partner die lebensrettende Traumaversorgung und die medizinische Notversorgung in den Krisengebieten aufrechterhalten, indem sie die medizinischen Notfallteams verstärken, die Notfallkapazitäten ausbauen, die Versorgung mit unentbehrlichen Arzneimitteln gewährleisten und die Kontinuität der Versorgung aufrechterhalten.
Zweitens werden die WHO und ihre Partner den Zugang zu unentbehrlichen Gesundheitsleistungen in Gebieten entlang der Frontlinie sicherstellen, insbesondere innerhalb der 20-km-Zone, wo der Bedarf am akutesten ist. Die Unterstützung wird sich auf die Bereiche primäre Gesundheitsversorgung, Traumabehandlung, nichtübertragbare Krankheiten, psychische Gesundheit und sichere Überweisungswege konzentrieren. Modulare Einheiten, Medikamentenlieferungen auf der letzten Meile, aufsuchende Teams und Investitionen in die Resilienz der Energie- und Wasserversorgung werden dazu beitragen, die Versorgung von Senioren, Menschen mit Behinderungen, Frauen, Kindern und Personen mit chronischen Erkrankungen aufrechtzuerhalten.
Drittens werden die WHO und ihre Partner entlang der Vertreibungsrouten und in den Transitzentren integrierte Gesundheitsleistungen für Menschen auf der Flucht, also Binnenvertriebene und Evakuierte, aufrechterhalten: Dabei liegen die Schwerpunkte auf der primären Gesundheitsversorgung, der psychischen Gesundheitsversorgung und der psychosozialen Betreuung, der Infektionsprävention und der Vorbereitung auf Krankheitsausbrüche.
Viertens werden die WHO und ihre Partner die sichere medizinische Evakuierung von Verwundeten und schwerkranken Patienten aus Gebieten entlang der Frontlinie unterstützen, indem sie die Verlegungskapazitäten für schwerkranke Patienten erweitern, standardisierte klinische Protokolle einführen und die Evakuierungssysteme vollständig mit dem Gesundheitsministerium und mit internationalen Partnern wie dem Katastrophenschutzverfahren der Europäischen Union abstimmen.
Schließlich wird die WHO auch weiterhin die Federführung innerhalb der Schwerpunktgruppe Gesundheit übernehmen und die mehr als 200 in der Ukraine tätigen Partnerorganisationen im Bereich der humanitären Gesundheitshilfe koordinieren. Dazu gehören die Stärkung der Gesundheitsinformationssysteme, der gesundheitlichen Aufklärung, der Risikokommunikation und der Bürgerbeteiligung, der Eingliederung von Menschen mit Behinderungen, der Gleichstellung der Geschlechter und der Prävention geschlechtsspezifischer Gewalt bei gleichzeitiger Unterstützung der Notfallvorsorge im Gesundheitssystem, einer flexiblen Finanzierung, einer dezentralen Leistungserbringung und der Resilienz des Gesundheitspersonals.
"Die Ukraine hat nach wie vor einen immensen Bedarf an humanitärer Hilfe im Gesundheitsbereich, und der Druck auf das Gesundheitssystem lässt nicht nach", sagt Dr. Jarno Habicht, Repräsentant der WHO in der Ukraine. "2025 hat die WHO fast 2 Mio. Menschen beim Zugang zum Gesundheitswesen, zu Medikamenten und zu Nothilfe, oft in unmittelbarer Nähe der Frontlinie, geholfen. Auch 2026 werden wir uns weiterhin auf Grundversorgung in Konfliktgebieten, sichere medizinische Evakuierungen, Unterstützung für Vertriebene und eine weitreichende Abstimmung konzentrieren, damit niemand ohne Versorgung bleibt, wenn er sie am dringendsten braucht."
2025 konnte die WHO in der gesamten Ukraine durch die Bereitstellung von Gesundheitsleistungen, medizinischen Hilfsgütern, Überweisungen und den Aufbau von Kapazitäten 1,9 Mio. Menschen erreichen, wobei der Schwerpunkt auf Gebieten entlang der Frontlinie und schwer zugänglichen Orten lag.