05/18/2026 | Press release | Distributed by Public on 05/18/2026 07:15
Oberbürgermeister Belit Onay sagte aus diesem Anlass: "Mit dem WIR 2.0. haben wir vor fünf Jahren das Zusammenleben in Vielfalt auf eine neue moderne Basis gestellt, um die Einwanderungsstadt Hannover fit für die Zukunft zu machen und Teilhabe zu verbessern. Das große Spektrum der von Verwaltung und Zivilgesellschaft getragenen Anlaufstellen unterstreicht die Vielfalt, aber auch den großen Bedarf an ankunftsbezogener Expertise und Infrastruktur. Dabei ist Sprache ein Schlüsselelement, um in einem neuen Lebensumfeld Fuß zu fassen. Es ist deshalb richtig, dass die Bundesregierung die drastischen Kürzungen der Integrationskurse überdenkt, um Teilhabe nicht zu gefährden. Hannover ist eine Stadt der Vielfalt, in der Teilhabe für alle das Prinzip des gesellschaftlichen Zusammenlebens ist."
"Für die Zukunft geht es darum, Ankunftsquartiere weiter zu stärken, um Neueingewanderten gezielt und schnell Zugang zu Schlüsselressourcen zu ermöglichen. Unsere Aufgabe als Kommune ist es, die Rahmenbedingungen für die Infrastruktur des Ankommens weiterzuentwickeln und auszugestalten. Dafür braucht es ein enges Zusammenspiel zwischen Zivilgesellschaft und staatlichen Ebenen - ein Zusammenspiel, das in Hannover bereits vielfach gelebt wird ", so Sozialdezernentin Sylvia Bruns.
Ankunftsquartiere in Hannover - Zugang zu Wohnraum wichtiger Faktor
Hannover ist eine Einwanderungsstadt und in allen Stadtteilen leben Menschen, die neu eingewandert sind. Die beiden Karten A und B (in der Anlage) zeigen die Wohnorte der hannoverschen Bevölkerung, die in den Zeiträumen 2022 bis 2025 und 2015 bis 2021 nach Deutschland eingewandert sind.
Laut Bericht wohnen erst kürzlich Eingewanderte oft zentrumsnäher und/oder die Stadtteile sind häufiger von Bildungsmigration geprägt (Karte A): Insbesondere Mitte, Hainholz, Herrenhausen, Bult, Nordstadt und die Calenberger Neustadt haben eine sehr hohe Relevanz für Neueingewanderte, gefolgt von Ricklingen, Linden-Süd und Mittelfeld. Die Menschen, deren Einwanderungszeitpunkt länger zurückliegt, leben aktuell laut der Untersuchung in weniger fluktuierenden, eher peripher gelegenen Stadtrandlagen wie Mühlenberg, Leinhausen und Vahrenheide (Karte B).
Die Verteilung über die Stadtteile zeigt, dass der Wohnort geprägt ist von Rahmenbedingungen, wie verfügbarem Wohnraum, Neubauquartieren und Studierendenwohnheimen. Stadtteile mit hohen Anteilen von Einwohner*innen mit Migrationshintergrund seien laut der Untersuchung nicht automatisch auch Ankunftsstadtteile. Der Übergang zwischen Ankunfts- und "Bleibestadtteilen" sei fließend.
Anlaufstellen für Eingewanderte in Hannover
In den ersten Jahren des Ankommens müssen sich die Menschen nahezu alle Lebensbereiche neu erschließen: die Sprache, soziale Kontakte, den Zugang zum Bildungswesen, zum Arbeits- und Wohnungsmarkt. Dabei spielen die spezifischen Anlaufstellen und Angebote eine wichtige Rolle für frühestmögliche Teilhabe. Die Untersuchung zeigt die Relevanz der unterschiedlichen Ankunftsinfrastrukturen und veranschaulicht, dass es eine große Breite an Angeboten in Hannover gibt. Die Informationsdrucksache geht dabei exemplarisch auf hannoversche Beispiele ein. Der Bericht lässt erkennen, dass insbesondere quartiersnahe und trägerübergreifende Ansätze große Potenziale aufweisen, insbesondere wenn sie mehrsprachig sind und vernetzt arbeiten.
Laut der städtischen Sozialplanung zeige die Untersuchung, dass die Ankunftsinfrastrukturen mehr seien als ein Erstankunftsangebot und auch in späteren Ankommensphasen eine große Bedeutung hätten. Es seien Brücken zwischen Regelinfrastrukturen und spezialisierten Angeboten.
Eingewanderte im Durchschnitt jünger
12,4 Prozent der hannoverschen Bevölkerung ist seit 2015 nach Deutschland eingewandert, das sind rund 70.000 Hannoveraner*innen. Davon sind mehr als die Hälfte seit 2022 eingewandert (52,2 Prozent). Der Altersdurchschnitt Eingewanderter liegt bei 33,0 Jahren (Hannover: 42,8 Jahre). 14 Prozent der Eingewanderten sind Kinder und Jugendliche (9.817).
Einwanderungsmotive in Hannover
Einwanderungsmotive sind weder statistisch erfasst noch aus dem Herkunftsland ableitbar. Basierend auf verschiedenen Quellen und Expertisen* sind dies die drei wahrscheinlichsten Einwanderungsmotive für Hannover im Jahr 2025:
Den weitaus größten Anteil macht ein nicht weiter differenzierbarer Motivmix aus Arbeits- und Fachkräftemigration, nicht fluchtbedingter Familien- oder Partner*innen Nachzügen sowie sonstigen Motiven aus. Bildungsmigration ist das zweithäufigste Einwanderungsmotiv in Hannover, bedingt durch die Bedeutung Hannovers als Wissenschafts-, Hochschul- und Bildungsstandort. Fluchtmigration, inklusive Familiennachzügen im Fluchtkontext, liegt auf Platz drei der wichtigsten Einwanderungsmotive.
*[1] Qualifizierte Schätzung basierend auf dem Ausländerzentralregister, den Einwohnermelderegister, der Hochschul- und Studierendenstatistik, der Leibniz Universität Hannover / International Office. Sonstige Motive sind z. B. Partner*innen- und Familiennachzug (hier: nicht im Fluchtkontext).
Hintergrundinformation:
Die datenbasierte Identifikation, Abgrenzung und Darstellung von Ankunftsstadtteilen (Teil A) und deren Dynamiken resultiert aus einer Sonderauswertung der Koordinationsstelle Sozialplanung in Zusammenarbeit mit dem Sachgebiet Wahlen und Statistik. Stichtag ist der 31.12.2025 und die zu diesem Zeitpunkt in Hannover lebende Bevölkerung, die seit 2015 nach Deutschland eingewandert ist. Teil B (Ankunftsinfrastrukturen) ist das Ergebnis eines zwei Jahre umfassenden, verwaltungsinternen Prozesses der dezernatsübergreifenden Arbeitsgruppe "Ankunftsorte" unter Federführung der Koordinationsstelle Sozialplanung im Auftrag des Sozialdezernats. Es basiert auf (Gruppen-)Interviews mit ankunftsbezogenen Anlaufstellen, lokalen Recherchen, Fachgesprächen sowie Kurzportraits. Der Schwerpunkt liegt auf Angeboten in kommunaler und zivilgesellschaftlicher Trägerschaft. Sie stehen exemplarisch für die große Bandbreite und Vielfalt hannoverscher Ankunftsinfrastrukturen.
Der Bericht steht unter folgendem Link zum Download bereit:
In der Anlage: Die im Text erwähnten Karten A und B: Wohnorte der hannoverschen Bevölkerung, die in den Zeiträumen 2022 bis 2025 und 2015 bis 2021 nach Deutschland eingewandert sind.