07/08/2026 | Press release | Distributed by Public on 07/08/2026 03:16
Mit dem Förderangebot "KI-Forschungsgruppen Niedersachsen" unterstützen das Niedersächsische Ministerium für Wissenschaft und Kultur (MWK) und die VolkswagenStiftung den Aufbau neuer Forschungsgruppen im Bereich der Künstlichen Intelligenz. Ziel der Ausschreibung ist es, wissenschaftlich exzellente Forschende in frühen Karrierephasen für Niedersachsen zu gewinnen und zu fördern sowie die Entwicklung und Anwendung von KI langfristig auszubauen. Nun steht die Auswahl der ersten fünf geförderten Vorhaben fest.
"Die hohe Qualität der eingereichten Anträge hat eindrucksvoll gezeigt, wie dynamisch sich die KI-Forschung in Niedersachsen entwickelt. Die ausgewählten Projekte adressieren einige der drängendsten Herausforderungen unserer Zeit, von der Bekämpfung von Infektionskrankheiten über den Umgang mit dem Klimawandel bis hin zur Grundlagenforschung in der Teilchenphysik. Mit der Förderlinie schaffen wir die Basis für Innovationen und stärken unseren Wissenschafts- und Wirtschaftsstandort langfristig", sagt Wissenschaftsminister Falko Mohrs .
Insgesamt stehen für die Förderlinie 20 Millionen Euro zur Verfügung. In der ersten Förderrunde wird etwa die Hälfe des Budgets für fünf Forschungsgruppen ausgeschüttet, die verbleibenden Mittel werden in einer weiteren Ausschreibungsrunde im Jahr 2027 vergeben. Die Förderung wird aus dem gemeinsamen Förderprogramm zukunft.niedersachsen finanziert.
Dr. Georg Schütte , Vorstand der VolkswagenStiftung: "KI wird unbestritten zur Schlüsseltechnologie und -qualifikation in vielen Bereichen. Die Forschungsgruppen werden deshalb wertvolle Beiträge zur Zukunftsfähigkeit Niedersachsens leisten - als Wissenschafts- und Wirtschaftsstandort."
Die geförderten KI-Forschungsgruppen bestehen in der Regel aus einer Postdoktorandenstelle für die wissenschaftliche Leitung sowie bis zu vier Promotionsstellen. Die Projekte laufen über fünf Jahre, pro Antrag konnten bis zu zwei Millionen Euro beantragt werden. Insgesamt gingen 52 Anträge ein, die von 16 etablierten KI-Forscherinnen und -Forschern bewertet wurden.
Die ausgewählten Projekte im Überblick:
Leveraging Artificial Intelligence to Forecast Trends and Extremes in Ocean Temperature, Ocean Productivity and Carbon Cycling
Das Projekt an der Carl von Ossietzky Universität Oldenburg unter Leitung von Dr. Julian Merder untersucht, wie moderne KI-Methoden eingesetzt werden können, um klimabedingte Veränderungen und Extremereignisse in den Ozeanen besser vorherzusagen. Im Fokus stehen maritime Hitzewellen, schädliche Algenblüten, Veränderungen der Meeresproduktivität sowie deren Auswirkungen auf den globalen Kohlenstoffkreislauf. Hierfür soll ein KI-gestützter "Digital Ocean Twin" entwickelt werden, der globale Beobachtungsdaten nutzt und insbesondere seltene und extreme Ereignisse prognostizieren kann. Die Ergebnisse sollen zu einem besseren Verständnis der Folgen des Klimawandels beitragen und wissenschaftliche Grundlagen für ein nachhaltiges Ozeanmanagement schaffen.
Advancing Methods for Infectious Diseases Using Novel Artificial Intelligence Methods
Das Projekt am Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung unter Leitung von Dr. Alina Bazarova entwickelt neue KI-gestützte Methoden, um Infektionskrankheiten auf gesellschaftlicher und individueller Ebene besser zu verstehen und vorherzusagen. Dazu werden Gesundheits-, Mobilitäts- und Verhaltensdaten mithilfe von Verfahren der Künstlichen Intelligenz, Deep Learning und epidemiologischen Modellen ausgewertet. Ziel ist es, die Ausbreitung von Krankheiten präziser zu modellieren, Risikofaktoren zu identifizieren und individuelle Krankheitsrisiken besser einzuschätzen. Die Ergebnisse sollen die Vorbereitung auf zukünftige Epidemien verbessern, politische Entscheidungen unterstützen und zu einer stärker personalisierten Gesundheitsversorgung beitragen.
Production-Ready AI for Unbiased Simulation in High Energy Physics
Das Projekt an der Georg-August-Universität Göttingen unter Leitung von Dr. Timo Janßen entwickelt KI-Verfahren für die Simulation hochenergetischer Teilchenkollisionen. Ziel ist es, aufwendige Rechenprozesse in der Teilchenphysik deutlich zu beschleunigen, ohne dabei die wissenschaftliche Genauigkeit zu beeinträchtigen. Hierfür sollen erprobte KI-Methoden für Simulationen und Modellberechnungen in einer gemeinsamen, modularen Softwareplattform zusammengeführt und ausgewertet werden. Die Ergebnisse sollen effizientere und nachhaltigere Forschungsprozesse ermöglichen und den Einsatz von KI in datenintensiven wissenschaftlichen Anwendungen voranbringen.
Trustworthy Embodied Foundation Models for Bionic Intelligence
Das Projekt an der Universitätsmedizin Göttingen unter Leitung von Dr. Sharmita Dey entwickelt eine neue Generation vertrauenswürdiger KI-Systeme für Prothesen und Exoskelette. Ziel ist es, assistierende Technologien intelligenter, anpassungsfähiger und sicherer zu machen, um Nutzerinnen und Nutzer im Alltag besser zu unterstützen. Hierfür soll ein KI-Grundlagenmodell entwickelt werden, das visuelle, physiologische und gerätebezogene Daten kombiniert, Situationen versteht und Handlungen vorausplanen kann. Zudem sollen die Systeme ihre Entscheidungen nachvollziehbar erklären und sich an unterschiedliche Personen und Einsatzumgebungen anpassen können.
Tuning for FFMs: Optimizing Post-Training Pipelines for Energy-Efficient AI
Das Projekt an der Leibniz Universität Hannover unter Leitung von Dr. Marcel Wever erforscht neue Methoden, um große KI-Grundlagenmodelle energieeffizienter zu gestalten. Solche Modelle ermöglichen zwar leistungsstarke Automatisierung, aber ihr Betrieb ist sehr energieintensiv. Das Vorhaben soll automatisierte Verfahren entwickeln, die die Modelle gezielt an Aufgaben und Hardware anpassen, um Energiebedarf und Rechenaufwand zu reduzieren, ohne die Leistungsfähigkeit der KI wesentlich zu beeinträchtigen. Die Ergebnisse sollen dazu beitragen, moderne KI-Anwendungen nachhaltiger, kostengünstiger und breiter einsetzbar zu machen.
zukunft.niedersachsen
Der überwiegende Teil der Fördermittel von zukunft.niedersachsen resultiert aus dem Gegenwert der jährlichen Dividende auf nominal 30,2 Millionen VW-Treuhandaktien des Landes Niedersachsen, die dem Gewinnabführungs-anspruch an die VolkswagenStiftung unterliegen. Satzungsgemäß sind die Fördermittel an wissenschaftliche Einrichtungen im Land Niedersachsen zu vergeben. Dazu legt die Landesregierung dem Kuratorium der Stiftung zumeist im Sommer und im Herbst Verwendungsvorschläge vor. Im Berichtsjahr 2025 standen für zukunft.niedersachsen insgesamt 202 Millionen Euro zur Verfügung.