06/12/2026 | Press release | Distributed by Public on 06/12/2026 06:24
Fachkräfte in Kitas, Schulen und der Jugendhilfe begegnen im pädagogischen Alltag zunehmend Kindern und Jugendlichen mit belastenden oder traumatischen Erfahrungen. Verhaltensweisen wie Rückzug, Aggressionen oder starke Unsicherheiten können Ausdruck solcher Erlebnisse sein. Um pädagogische Fachkräfte im Umgang mit traumatisierten Kindern zu unterstützen, setzt die Stadt Herne auf gezielte Qualifizierung, praxisnahe Informationen und Vernetzung.
Im Mittelpunkt stand dabei das Fachforum "Trauma verstehen - Kinder und Jugendliche sicher begleiten", zu dem das Familienbüro der Stadt Herne am Mittwoch, 10. Juni 2026, von 13 bis 17 Uhr ins Stadtteilzentrum Pluto in Wanne eingeladen hatte. Die Veranstaltung richtete sich an Fachkräfte, die mit Kindern im Alter von null bis etwa zwölf Jahren und deren Familien arbeiten. Vertreten waren unter anderem Expert*innen aus Kitas, Schulen, dem Gesundheitsbereich sowie der Kinder- und Jugendhilfe aus öffentlicher und freier Trägerschaft.
Neue Broschüre als praxisnahe Einführung
Begleitend zum Fachforum hat die Stadt Herne eine eigene Broschüre für pädagogische Fachkräfte entwickelt. Die Publikation "Trauma verstehen - Kinder und Jugendliche sicher begleiten" wurde in Zusammenarbeit mit der Koordination Frühe Hilfen, der Koordination Familiengrundschulzentren und dem Fachbereich Integration sowie der Familien- und Schulberatungsstelle erarbeitet und wird künftig an Fachkräfte in Herne verteilt. Sie vermittelt grundlegendes Wissen zum Thema Trauma und sensibilisiert für mögliche Anzeichen bei Kindern. Gleichzeitig gibt sie praxisnahe Hinweise für den pädagogischen Alltag und zeigt auf, wie Fachkräfte Kinder stabilisieren, unterstützen und ihnen Sicherheit vermitteln können. Auch die Bedeutung von Selbstfürsorge wird thematisiert, da die Begleitung belasteter Kinder für Fachkräfte selbst herausfordernd sein kann.
"Mit traumatisierten Kindern und Jugendlichen zu arbeiten ist keine leichte Aufgabe. Daher bin ich sehr glücklich, dass wir den hier anwesenden Fachkräften nicht nur Worte und Gedanken mitgeben können, sondern auch Materialien. Diese sehr gut zusammengestellten Übersichten ermöglichen es, immer wieder nachzuschauen, sich bewusster zurückzuerinnern und mehr Handlungssicherheit zu bekommen. Für sich als Fachkraft und auch für das Kind", erklärt Kirsten Wietoska, Fachbereichsleitung Kinder-Jugend-Familie der Stadt Herne.
Wie entstehen traumatische Erfahrungen?
Traumatische Erfahrungen können unter anderem durch Gewalt, Vernachlässigung, Flucht, schwere Erkrankungen, Trennungen oder den Verlust nahestehender Menschen entstehen. Nicht immer sprechen Kinder darüber. Häufig zeigen sich die Folgen vielmehr in ihrem Verhalten oder in Schwierigkeiten beim Lernen und im sozialen Miteinander.
Im Rahmen des Fachforums hielt Julia Theeg, Psychotherapeutin für Kinder und Jugendliche von "Trauma Impuls Hannover" einen Fachvortrag zu den Auswirkungen von Traumatisierungen auf Heranwachsende. Anschließend wurde die neue Herner Broschüre vorgestellt. Darüber hinaus erhielten die Teilnehmenden in mehreren Workshops praxisnahe Impulse für den Berufsalltag. Themen waren unter anderem der traumasensible Umgang mit Kindern, Methoden zur Stressregulation für Fachkräfte sowie Stabilisierungstechniken wie der "innere sichere Ort", die auch mit Kindern angewendet werden können. Ein "Markt der Möglichkeiten" bot zusätzlich Gelegenheit zum Austausch und zur Vernetzung.
Mit dem Fachforum und der neuen Broschüre und den ergänzenden Materialien - bestehend aus Plakaten und Notfallsets - baut die Stadt Herne ihre Unterstützung für (pädagogische) Fachkräfte im Bereich traumasensibler Arbeit weiter aus und setzt ein Zeichen für mehr Aufmerksamkeit und Sicherheit im Umgang mit belasteten Kindern und Jugendlichen. Die Veranstaltung und die Materialien wurden durch das Programm "Teil.Sein.NRW" finanziert. Im Herbst 2026 wird es weitere Workshops für Fachkräfte zu diesem wichtigen Thema geben.
Ansprechpartnerinnen für die Materialien und die Termine der Workshops sind Sarah Liebig ( [email protected] ), Koordination Familiengrundschulzentren, und Ulrike Schwarz ( [email protected] ), Koordination Frühe Hilfen.