EMB - European Milk Board

05/28/2026 | Press release | Distributed by Public on 05/28/2026 06:03

Protest-Aktion von BDM und EMB vor dem Weltmilchtag 2026:

Termin: Sonntag, 31. Mai, 12 Uhr
Ort: Feld gegenüber von Hof Habbena, Schoonorther Str. 10, 26736 Krummhörn/Ostfriesland

Der Anlass:
Am Weltmilchtag (1. Juni) wird der Wert der Milch gefeiert. Gleichzeitig erleben viele Höfe jeden Tag, wie dieser Wert wirtschaftlich zerstört wird.

Die bildstarke Aktion:
Rund 20 Schleppergespanne werden mit einer gemeinsamen politischen Botschaft aufgestellt und versprühen dann gleichzeitig großflächig Milch auf einem Feld in Krummhörn/Ostfriesland. Im Anschluss findet eine Kundgebung mit Beteiligung europäischer Milchviehhalter statt.

Die Botschaft:
Die eigentliche Verschwendung findet nicht an diesem Tag statt - sondern täglich in einem Markt, der hochwertige Lebensmittel systematisch entwertet.

Der Hintergrund:
Die aktuelle Milchkrise mit Milliardenverlusten für die Milchviehhalter ist kein Zufall und kein individuelles Versagen einzelner Betriebe. Sie ist das Ergebnis politischer Entscheidungen - und politischer Untätigkeit.
Die Lösung dieser Krise? Die Verantwortung wird auf die einzelnen Bauern abgeschoben. Die politische Antwort lautet oft: "Dann produziert eben weniger." Doch diese Forderung ignoriert die wirtschaftliche Realität der Höfe. Kein Hof kann es sich leisten, die eigene wirtschaftliche Existenz aufs Spiel zu setzen.

Milchviehbetriebe arbeiten in einem System, in dem sie steigende Kosten kaum weitergeben können. Energie, Futter, Maschinen, Baukosten und Auflagen steigen - doch der Auszahlungspreis für Milch wird weitgehend von Molkereien, Handel und Weltmarkt bestimmt. Der einzelne Betrieb hat praktisch keine Marktmacht. Damit bleiben vielen Höfen nur zwei Möglichkeiten, um wirtschaftlich zu überleben: Kosten senken und mehr produzieren. Genau daraus entsteht die zerstörerische Dynamik des Milchmarktes: Wenn Preise fallen und Kosten steigen, erhöhen viele Betriebe ihre Produktionsmenge, um Fixkosten decken zu können. Doch die zusätzlichen Mengen drücken die Preise weiter. Die Folge ist ein Teufelskreis aus Überproduktion, Preisdruck und wachsendem Existenzkampf.

Ein einzelner Milchviehbetrieb kann die Krise nicht alleine lösen. Wenn ein Hof freiwillig weniger produziert, hat das praktisch keine Wirkung auf den Gesamtmarkt. Die freiwerdende Menge wird sofort von anderen ausgeglichen. Der Preis verändert sich nicht - aber der einzelne Betrieb verliert Einkommen und wirtschaftliche Substanz. Genau deshalb ist der ständige politische Hinweis "Dann produziert doch einfach weniger" so realitätsfern. Denn kein Betrieb kann es sich leisten, sich allein für einen Markt zu opfern, der sich dadurch überhaupt nicht verändert. Die Folge: Jeder einzelne versucht wirtschaftlich zu überleben. Doch genau dieses individuelle Verhalten verschärft gemeinsam die Krise.

Das ist kein moralisches Versagen einzelner Bauern. Das ist die Logik eines freien Marktes, in dem die Marktstellung der Bauern extrem schwach ist. Krisen im Milchmarkt können deshalb nicht individuell gelöst werden. Sie brauchen ein gemeinsames, politisch organisiertes Vorgehen. Nur wenn Mengen zeitlich begrenzt und koordiniert reduziert werden, entsteht überhaupt eine spürbare Entlastung des Marktes - ohne dass einzelne Betriebe alleine die Last tragen müssen.

Genau dafür gibt es Kriseninstrumente wie freiwillige Mengenreduktionsprogramme, die auf EU-Ebene bereits verankert sind und Markt-Instrumente, die die Marktstellung der Bauern verbessern können. Doch statt solche Instrumente konsequent einzusetzen oder im Sinne der Erzeuger auszubauen, verweist die Politik auf "den Markt" - und schiebt die Verantwortung den Bauern selbst zu.

Die Milchkrise ist deshalb nicht einfach das Ergebnis "zu hoher Produktion". Sie ist das Ergebnis politischer Rahmenbedingungen, die kollektive Lösungen verhindern und den Interessen der Ernährungsindustrie nach billigem Rohstoff konsequent den Vorrang geben.

Unser Protest richtet sich gegen politische Rahmenbedingungen, die - nicht nur im Milchbereich:

• Überproduktion begünstigen,
• Krisen verschärfen,
• immer stärkeren Druck auf Tiere, Betriebe und ländliche Räume verursachen.

Die Politik könnte handeln - sie will es nicht. Genau darauf machen wir aufmerksam.


Unsere Forderungen:

  • Aktivierung des Freiwilligen Lieferverzichts auf EU-Ebene: Reduzierung nicht nachgefragter Mengen zur sofortigen Stabilisierung des Milchmarktes

  • Verbindliche Verträge vor Lieferung: Klare Vereinbarungen zu Preis, Menge, Qualität und Laufzeit vor der Anlieferung - keine Lieferung ins Blaue hinein.

  • Echte Reformen der Gemeinsamen Agrarpolitik (GAP) und Gemeinsamen Marktordnung (GMO)


Pressekontakt BDM:
Hans Foldenauer, Sprecher des BDM, unter 0170-56 380 56 sowie presse[at]bdm-verband.de,
Peter Habbena, BDM-Landesteamleiter Niedersachsen, unter 0170-9307418

Pressekontakt EMB:
Silvia Däberitz, EMB-Geschäftsführung: [email protected]

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